ASV Hamm-Westfalen: Schritt zurück im Reifeprozess

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Enttäuschung pur: Gregor Lorger (von links), Björn Zintel und Jan Brosch hatten sich in Dessau mehr erhofft.

Dessau - Während die Fans des Dessau-Roßlauer HV auf der Tribüne nach Spielschluss noch minutenlang freudetrunken von der Deutschen Meisterschaft sangen und die Mannschaft der Gastgeber wie bei der stimmungsvollsten Prinzenparade in die Pressekonferenz marschierte, leckten die Spieler des ASV Hamm-Westfalen ihre Wunden.

Die 23:27-Niederlage beim Tabellennachbarn in der 2. Handball-Bundesliga hatte weh getan – was bei Felix Storbeck sogar wörtlich galt.

Der Torhüter hatte in der Schlussphase bei einer Rettungsaktion unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Pfosten gemacht. Der Ball landete nicht im Tor, Storbeck knallte aber ungebremst mit dem Körper gegen das Gebälk. „Es ist nichts Schlimmes, hoffe ich“, lautete die erste Einschätzung seines Trainers Kay Rothenpieler. „Ich denke, er wird sich eine leichte Prellung zugezogen haben.“

Am Ende blieb die Aktion Storbecks sinnbildlich für den Auftritt der Hammer in Sachsen-Anhalt, der stark begann und mit einer schmerzhaften Erfahrung für die Gäste endete. „Am Anfang war es ganz okay, da müssen wir uns eigentlich schon ein bisschen absetzen“, analysierte Kapitän Jakob Schwabe. „Dann kam Dessau in das Spiel, das sie stark macht: mit der Halle im Rücken, ihrem Umschaltspiel und der guten Deckung. Dann müssen wir sagen: die waren einfach besser – vielleicht sogar über 60 Minuten.“

Knackpunkt in der 17. Minute

Knackpunkt der Partie war die 17. Minute, in der die Gastgeber binnen kurzer Zeit einen 4:7-Rückstand zum 7:7-Gleichstand nutzten – danach war nichts mehr wie zuvor. Aus einer dominant auftretenden ASV-Mannschaft, die die Hausherren vor allem in der Deckung vor große Probleme stellte, wurde eine überforderte, hibbelig agierende Truppe, die meist einen Schritt zu spät kam. „Das kann passieren im Handball“, sagte Schwabe. „Wir müssen langsam lernen, dass es normal ist, dass eine Mannschaft drei Tore am Stück machen kann. Wir machen davor auch drei Tore in Folge, und die Dessauer werden auch nicht verrückt.“

Doch die Hammer versanken in alte Verhaltensmuster, agierten im Angriff viel zu hektisch und kassierten als logische Konsequenz auch direkt nach dem Wechsel noch einmal fünf Treffer in Folge. „Da hatte dann plötzlich jeder eine Idee“, ärgerte sich Rothenpieler. „In solchen Situationen fehlt dann einfach der Spieler, der sagt, wo es lang geht.“ Und Schwabe ergänzte. „Das war entscheidend nach der Pause, dass wir gar keinen Zugriff hatten. Wir kamen in der Deckung nicht mehr ins Spiel und liefen immer hinterher.“

Alternativen im Angriff fehlen

Auch im Angriff fehlten die Alternativen. Nur Julian Possehl mit sieben Toren und mit Abstrichen Björn Zintel zeigten aus dem Rückraum effektiven Zug zum Tor. Alle anderen spielten zu oft quer oder scheiterten schlicht am sehr guten Philip Ambrosius im DRHV-Gehäuse. „Fannar Fridgeirsson hat es, als er reinkam, nicht umsetzen können. Und auch bei Christoph Neuhold war es einfach zu wenig“, monierte Rothenpieler. „Ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf – nur Einstellung und Körpersprache müssen bei dem einen oder anderen Spieler besser werden.“

So drohte den Gästen zwischenzeitlich ein Debakel, das aber Dank der guten Moral und des kämpferischen Einsatzes der Mannschaft auf der einen Seite und nachlässig werdender Dessauer auf der anderen verhindert wurde. „Zum Schluss haben wir zum Glück nicht aufgegeben, das dürfen wir aber auch nie machen, in keinem Spiel“, sagte Schwabe. „Das wird auch in den engen Partien, die noch kommen, entscheidend sein, dass wir da immer drauf bleiben.“

Am Ende stand die Erkenntnis, dass der Weg nach oben mit Rückschlägen behaftet ist. „Wir müssen in unserem Reifungsprozess einen kleinen Schritt nach hinten machen, um wieder Anlauf zu nehmen, hoffentlich“, sagte der Kapitän. „Wir haben zuletzt ja gut gespielt – daher sollten wir diese Partie jetzt auch nicht überbewerten. Denn am Samstag steht schon die nächste Aufgabe gegen Elbflorenz an – ein guter Aufsteiger.“

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