Rückschlag für Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen

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Fällt lange aus: ASV-Kapitän Jakob Schwabe.

Update 14.40 UhrRückschlag für den ASV Hamm-Westfalen: Der Tabellenzweite der 2. Handball-Bundesliga muss lange auf Kapitän Jakob Schwabe verzichten.  

Hamm – Mit komplettem Kader wollte Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen die Fahrt ins Trainingslager nach Mallorca antreten. Doch die Reisegruppe reduzierte sich bereits am Tag vor dem Abflug – zwei Plätze im Flieger blieben frei. Während der Grund bei Vyron Papadopoulos (er ist an einem viralen Infekt erkrankt) zwar ärgerlich, aber zeitlich verschmerzbar ist, bedeutet der Ausfall von Jakob Schwabe einen schweren Rückschlag für Team und Trainer. Schon seit Monaten klagt der abwehrstarke Kreisläufer über Probleme am Labrum (Gelenkpfanne am Schulterblatt) in der linken Schulter. Genauere Untersuchungen ergaben: Der ASV-Kapitän muss operiert werden und wird voraussichtlich für längere Zeit ausfallen.

„Ich trage diese Verletzung schon ein bisschen mit mir herum. Aber jetzt macht es einfach keinen Sinn mehr“, sagt Schwabe. „Ich hatte noch gehofft, dass mich die trainingsfreie Zeit nach vorne bringen würde, in der ich intensiv mit dem Ärzteteam und mit Physiotherapie daran gearbeitet habe. Aber das war nicht der Fall. Und am Ende geht die Gesundheit vor, obwohl ich gerne weiter gespielt hätte.“

Das hätte auch der Trainer gern gesehen: „Das trifft uns natürlich hart“, sagt ASV-Trainer Kay Rothenpieler. „Denn Jakob ist ein sehr wichtiger Spieler für die Mannschaft – am Kreis und vor allem in der Abwehr.“ Gerade in der Defensive machten sich die Probleme beim 30-Jährigen aber zuletzt besonders störend bemerkbar. „Vorne am Kreis war das nicht so extrem, weil es ja nicht sein Wurfarm ist“, erklärt Rothenpieler. „Aber in der Defensive, wo er richtig zupacken muss, schränkt es ihn schon ein.“

Schulterverletzung macht Operation notwendig

Ursprünglich hatten die ASV-Verantwortlichen sowie der Kapitän selbst gehofft, den Zeitpunkt für die OP erst nach dem Saisonende anzusetzen. Doch die Ärzte empfanden das Risiko als zu groß, rieten dringend dazu, den Eingriff bereits jetzt vorzunehmen. Eine letzte Untersuchung bei einem Spezialisten in Bremen steht zwar noch aus. Doch auch für ASV-Geschäftsführer Franz Dressel steht fest: „Wir müssen ihn aus dem Spielbetrieb rausnehmen. Ob die Behandlung dann mit oder ohne Operation stattfinden wird, ist ja egal. Fest steht, dass Jakob wahrscheinlich bis zum Saisonende ausfallen wird.“

Was die Mannschaft, die derzeit auf Rang zwei und damit auf einem Aufstiegsplatz überwintert und sich große Hoffnungen darauf macht, am Ende der Saison den Aufstieg in Liga eins feiern zu dürfen, schwächt. Da die Aufstiegschance aber groß ist, wie seit langem nicht mehr, gingen die Überlegungen schnell dahin, sich noch einmal auf dem Transfermarkt umzusehen. „Wir haben mit Jan Brosch zwar noch einen weiteren Kreisläufer im Kader, aber das Risiko, die Saison nur mit ihm auf dieser Position fortzusetzen, wäre viel zu groß“, wägt Rothenpieler ab. „In der zweiten Mannschaft haben wir am Kreis auch niemanden, der uns sofort weiterhelfen könnte. Deshalb halten wir Augen und Ohren offen. Wobei es allerdings auch nicht ganz einfach ist, im Winter einen entsprechenden Spieler zu finden, der unsere Anforderungen erfüllt.“

Nachverpflichung beschlossen 

Denn neben gehobenen Zweitliga-Qualitäten im Angriffszentrum müsste ein entsprechender Neuzugang auch noch die Fähigkeit mitbringen, Schwabe im Innenblock der Defensivabteilung halbwegs gleichwertig zu ersetzen. „Und menschlich sowie finanziell muss es auch passen“, gibt der Trainer zu bedenken, der sich zwar schon umgehört hat, aber noch nicht fündig geworden ist. „Ich hoffe, dass wir spätestens bis zum ersten Spiel am 2. Februar jemanden gefunden haben, der uns auf der Position sofort weiter helfen kann“, sagt Dressel, der weiß, dass die Suche zum jetzigen Zeitpunkt schwierig wird, „zumal der abgebende Verein ja auch einverstanden sein muss. Es kann aber auch ganz schnell gehen, was natürlich gut wäre, weil sich derjenige dann mit der Mannschaft einspielen kann.“

Bis zum 15. Februar bleibt den Verantwortlichen Zeit, um einen entsprechenden Spieler nach Hamm zu lotsen, der noch bei einem anderen Verein unter Vertrag steht – danach dürfen nur noch vertragslose Akteure verpflichtet werden.

Für Schwabe ist es ein ganz normaler Vorgang, dass der Verein jetzt so reagiert. „Das ist kein Problem für mich“, sagt er. „Man muss ja nur auf die Tabelle gucken, um zu sehen welche Chance wir noch haben, etwas Besonderes zu erreichen.“

Einer wie Stanko Sabljic, den der ASV im Winter 2018 nachverpflichtet hatte, wäre auch jetzt genau der richtige Mann am richtigen Platz. Doch der 30-Jährige Kroate, dessen Vertrag damals nach einem halben Jahr nicht verlängert wurde, hat mittlerweile beim Drittliga-Spitzenreiter Wilhelmshavener HV eine neue Heimat gefunden. „Stanko wäre natürlich optimal“, sagt Rothenpieler. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Wilhelmshaven einen wie ihn jetzt, wo der Verein auf dem Weg zurück in die 2. Liga ist, freigeben würde.“

„Ein, zwei Kandidaten“ hat der Trainer aber bereits kontaktiert – mehr als erste lockere Gespräche kamen dabei aber noch nicht herum.

Test gegen Mallorca-Zweitligist

Für die anderen ASV-Akteure steht am Mittwoch (21 Uhr) ein erster Test gegen den mallorquinischen Zweitligisten Sispal Handbol Marratxi an. „Ich erwarte, dass wir das mit Spaß angehen“, sagt Rothenpieler, der gestern Nachmittag zur ersten Trainingseinheit auf der Insel bat. „Und wir müssen zusehen, dass wir die spielerischen Abläufe schnell wieder reinbekommen.“

Schwabe wird dabei auf der Platte vorerst nicht mehr helfen können – ins Trainingslager soll er aber noch nachkommen, wenn es nach seinem Coach geht. „Jakob ist ein wichtiger Mann – auch für den Teamspirit. Darum hätte ich ihn gerne dabei.“ Was auch für Schwabe selbst gilt: „Mallorca entscheidet sich für mich noch kurzfristig“, sagt er. „Wir gucken, was der beste Weg ist. Aber die Flüge sind ja günstig.“

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