HANDBALL

ASV geht auch in Lübeck baden

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Oli Milde war mit acht Toren erfolgreichster ASVer.

Update 22:31 Uhr  Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen musste auch nach seinem dritten Auswärtsspiel im Jahr 2020 ohne Punkte die Heimfahrt antreten. Beim Liga-13. VfL Lübeck-Schwartau ging das Team von Trainer Kay Rothenpieler mit 32:27 (11:14) baden und verabschiedete sich damit erst einmal aus der Spitzengruppe.

Lübeck - Die Szene sechs Minuten vor dem Ende war bezeichnend für die Partie, als zunächst ASV-Akteur Oli Milde beim Spielstand von 29:24 für die Gastgeber den Ball an die Latte des Lübecker Gehäuses knallte und Vyron Papadopoulos den Abpraller unbedrängt erneut an das Aluminium des verwaisten Gehäuses zielte. Slapstick-Szenen vor 1883 Zuschauern in der Hansehalle. Es war wie stets in den vergangenen vier Jahren für die Hammer: In Lübeck gab es nichts zu holen. „Lübeck ist ja nicht die typische Abstiegskampf-Mannschaft – da ist es schon schwer zu gewinnen“, sagte Rothenpieler. „Und wir schaffen es momentan nicht, in der entscheidenden Phase die Konzentration zu halten und diszipliniert zu bleiben.“

Tobi Tiger war schon vor dem Spielbeginn gut drauf, turnte gemäß Ablaufplan durch die Hansehalle, um die Zuschauer zu animieren. In den ersten 16 Minuten fiel es dem Maskottchen des VfL Lübeck-Schwartau dann allerdings wesentlich schwerer, die Zuschauer in der Halle dazu zu bringen, ihr Team nach vorne zu peitschen. Denn der bessere Start ging auf das Konto der Gäste. Rothenpieler hatte mit Oliver Milde auf einen der beiden Ex-Lübecker in der Startsieben gesetzt, Marten Franke musste zunächst erneut seinem Kollegen Jan Pretzewofsky auf Rechtsaußen zusehen. Die Akzente setzte dann wie schon im Hinspiel Milde, der an alter Wirkungsstätte einen guten Tag erwischte und acht Tore erzielte.

Bis zum 4:7 hatten er und seine Kollegen alles im Griff, auch weil Sören Südmeier anfangs einen umsichtigen Part auf Rückraum Mitte spielte. „Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben eine sichere Deckung gestellt und schnell nach vorne gespielt“, war Rothenpieler bis dahin zufrieden. „Dann, als wir von der Kraft her wechseln mussten, haben sich auf einmal dumme Aktionen im Angriff eingeschlichen. Wir brechen auseinander und laufen einem Rückstand hinterher.“

Als Jan Brosch die erste Zeitstrafe der Partie kassierte, war der Hammer Bonus aufgebraucht. Lübeck hatte bereits wenige Sekunden zuvor zum 8:8 ausgeglichen (15.). Dann nahm Rothenpieler wie üblich in Unterzahl den Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers aus der Partie. Die Folge: Nach einem verkorksten Anspiel an den Kreis traf zunächst Torhüter Mallwitz ins verwaiste Hammer Tor. Nur eine Minute später – Brosch saß immer noch auf der Bank – legte Lübeck einen weitere Wirkungstreffer ins leere Tor nach (17.). 10:8 – plötzlich lag der Tabellen-13. mit zwei Toren vorn. Ein Doppeltreffer, von dem sich die Hammer nicht erholten. Milde verkürzte noch einmal ansatzlos auf 10:9. Doch besser wurde es bis zur Pause nicht mehr. Rothenpieler versuchte es jetzt mit Stefan Lex, Franke und Krings – doch in der Abwehr gelang es nicht mehr, die entstandenen Löcher zu stopfen – und vorne waren nur Milde und von Boenigk wirklich durchschlagskräftig. So lag der Gastgeber zur Pause mit 14:11 vorne. Es gab Redebedarf in der Kabine.

Hoffnung nach der Pause

Nach der Pause verkürzte Marten Franke noch einmal auf 17:15 (35.). Doch mehr ging nicht. Beim 19:16 (38.) hatte Brosch de Möglichkeit, den Rückstand wieder auf zwei Treffer zu stellen. Doch sein Versuch aus freier Position strich am Tor vorbei – auf der anderen Seite war es Fynn Ranke, der den schnellen Konter zum 20:16 nutzte (38.). „Das war ähnlich wie in der ersten Halbzeit“, bemängelte Rothenpieler. „Wir sind ganz gut reingekommen, wurden etwas stabiler – und sind dann wieder auseinandergebrochen.“

Rothenpieler hatte nach 40 Minuten Vyron Papadopoulos gebracht, der sich gleich mit einem Treffer nach Schneller Mitte zum 22:19 einführte (40.). Zum Weckruf reichte diese Aktion jedoch nicht. Ebensoweinig wie die Rote Karte gegen Lübecks Martin Waschul nach einer Aktion gegen Jan von Boenigk (45.). „Da hatten wir eigentlich das Momentum auf unserer Seite, Lübeck in Unterzahl, der Abwehrchef aus dem Spiel – da müssen wir konsequent nachlegen, schaffen es aber nicht und laufen wieder hinterher“, sagte Rothenpieler.

Denn nur kurz darauf erhielt Brosch seine zweite Zeitstrafe, und Lübeck zog erstmals auf fünf Treffer weg (25:20). Was die Gäste danach auch versuchten, es klappte nicht. Und so wirkte die Schlusssirene fast schon wie eine Erlösung für das entnervte Team. „Uns fehlt im Moment die Sicherheit“, räumte Rothenpieler ein, blieb aber kämpferisch. „Aufgeben ist aber keine Option.“

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