Handball

ASV Hamm-Westfalen erarbeitet sich viel Respekt

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Freude bei Jan Brosch, Felix Storbeck und Markus Fuchs.

Als die Spieler des ASV Hamm-Westfalen nach getaner Arbeit vor dem Teambus genüsslich ihre Pizza aßen, erhielten sie selbst von den vorbeigehenden Zuschauern Lob für ihre Leistung. Ein Zeichen dafür, dass der 27:18-Erfolg bei der SG BBM Bietigheim zum Auftakt der Saison in der 2. Handball-Bundesliga vor allem eines eingebracht hat: Respekt.

Hamm – Anerkennung erhielt das ASV-Team auch von SG-Trainer Hannes Jón Jónsson: Vor der Begegnung, als seine Aussage, momentan sei der ASV für ihn der Topfavorit der Liga, noch in die Schublade „Understatement in eigener Sache“ eingestuft wurde. Und danach, als er, die Bilder des hilflosen Auftritts seiner Mannschaft gegen die Gäste, frisch im Kopf, konstatierte, dass „Hamm in wirklich allen Bereichen besser war. Kein einziger unserer Spieler hat einen halbwegs guten Tag erwischt. Woran es liegt, kann ich nicht sagen. Es war wohl mehr eine Kopfsache.“

Das dürfte für die ASV-Akteure nun wohl auch die Aufarbeitung dieses fast schon unwirklich wirkenden Kantersieges im Schwabenland werden. „Für mich ist dieses Ergebnis schwer einzuordnen“, räumte Linksaußen Fabian Huesmann ein, der sich mit sechs Treffern – davon fünf von der Siebenmeterlinie – als sehr konzentriert vor dem Tor erwies. „Man hat auch gesehen, dass beide Mannschaften noch nicht so wirklich wissen, wo sie stehen. Wir wollten den deutlichen Pokalsieg in Minden richtig einsortieren, nicht überheblich sind oder uns Sachen einreden, die nicht der Realität entsprechen. Das hat man im Training während der Woche gesehen. Wir haben hart gearbeitet. Mit einer richtig guten Torhüterleistung, einer Top-Abwehr und einer guten Quote im Angriff vorne.“

Entsprechend sieht Huesmann auch für die kommenden Aufgaben nicht das Problem, dass der eine oder andere im Team abheben könnte. „Ich glaube nicht, dass es schwierig wird, am Boden zu bleiben. Ob der Gegner jetzt Bietigheim war oder nicht – es ist gerade mal der erste Spieltag gespielt. Und wir haben trotz vieler guter Dinge, die wir heute gesehen haben, viele Sachen, an denen wir noch arbeiten müssen.“

"Die Torwartleistung war schon in Minden gut"

Dabei hatte sowohl in der ersten Pokalrunde als auch in Bietigheim bereits einiges hervorragend funktioniert. Die Kooperation zwischen Abwehr und Torhüter etwa, die Felix Storbeck zwischen den Hammer Pfosten erneut eine Klasse-Quote bescherte: 15 Paraden, davon zwei Siebenmeter – der Grundstein dafür, dass Trainer Kay Rothenpieler einen entspannten Abend verbrachte. „Die Torwartleistung war gegen Minden schon so gut“, lobt der Coach. „Wir haben hart daran gearbeitet, dass das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhüter funktioniert. Das trägt jetzt Früchte.“ Auch gegen Spitzenakteure wie die Bietigheimer Michael Kraus und Jonas Link, die selbst jeweils nur einen Treffer erzielten und sonst kaum Impulse setzten. „Solche Leute musst du immer wieder bearbeiten, bekämpfen. Wir hatten die nötige Aggressivität – das war der Schlüssel zum Erfolg“, so der Coach.

Ein weiterer Aspekt: Die Spielmacher Sören Südmeier und Neuzugang Merten Krings glänzen auch gemeinsam auf der Platte. Mit ständigen Wechseln zwischen Rückraum Mitte und Halblinks machten es die beiden Mittelleute der Bietigheimer Abwehr schwer, sich auf das ASV-Spiel einzustellen. Südmeier als Stratege, Krings als immer wieder wuselnder Einzelkämpfer, der dennoch das Auge für die Mitspieler bewahrt – das passt.

Dass auch Rechtsaußen Marten Franke und Rückraum Ivar Stavast zum Saisonauftakt nicht fremdelten und sich nahtlos ins ASV-Team einfügten, rundet den Erfolg des Teams in Bietigheim ab, das selbst durch die Ausfälle von Oliver Milde, Jakob Schwabe und Vyron Papadopoulos nicht nervös wurde. „Wir sind alle noch nicht bei 100 Prozent“, sagte Huesmann. „Wenn wir jetzt bodenständig bleiben, uns auf uns konzentrieren, demütig sind, hart arbeiten, dann werden wir weiter besser, besser, besser – und dann können wir mal gucken, wie es läuft. Aber erst einmal sollten wir die Füße still halten, ehe wir Saisonprognosen abgeben.“

Was der Trainer ähnlich sieht: „Das war das erste Spiel“, sagt er warnend. „Ich hoffe, dass das Kraft gibt und die Jungs sehen, dass das der richtige Weg ist. Aber jetzt geht es in die nächsten Begegnungen. Und da müssen wir die gleiche Leistung abrufen.“

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