Handball-Verband Westfalen spielt auf Zeit

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Kann der ASV II den Aufstieg bejubeln?

Der Deutsche Handball-Bund (DHB) hat seinen Landesverbänden empfohlen, die Saison abzubrechen. Der Handball-Verband Westfalen will noch warten. Wir haben die Vertreter der Hammer Handball-Klubs nach ihrer Meinung gefragt.

Hamm – Während die Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Saison 2019/2020 für die drei Männer-Bundesligen auf den 16. Mai verschoben worden ist, hat der Deutsche Handball-Bund (DHB) seinen Verbänden empfohlen, den Spielbetrieb bereits jetzt zu beenden. Für den Handballverband Westfalen (HVW) ist dies jedoch noch keine Option. Die Verantwortlichen haben beschlossen, wie ursprünglich angedacht, bis zum Ablauf der Aussetzung des Spielbetriebs (19. April) abzuwarten. Dann werden Bundes- und Landesregierung über den Fortgang des gesellschaftlichen Lebens entscheiden. Und davon wollen die Verantwortlichen die Fortsetzung der Saison abhängig machen.

Fest steht bereits, dass innerhalb des HV Westfalen beschlossen wurde, im Fall eines Saisonabbruchs keine Mannschaften absteigen zu lassen (mit Ausnahme von bereits zurückgezogenen Mannschaften oder freiwilligen Absteigern), sondern parallel zu den Bundesligen lediglich Aufsteiger in die Saison 2020/21 zu benennen. Parallel zu einer Arbeitsgruppe von DHB und Handball Bundesliga (HBL) hat sich auch ein Gremium des HV Westfalen unter Beteiligung der Vereine mit dem Thema befasst und das Ergebnis der übergeordneten Kommission als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt.

Wir haben bei den heimischen Vereinsverantwortlichen nachgefragt, welche Regelungen sie bevorzugen:

Frank Scharschmidt: Manager ASV Hamm-Westfalen/Hauptverein

Dass die Saison nicht fortgesetzt wird, steht für Scharschmidt eigentlich schon fest. „Wir haben schon vor Wochen zusammen gesessen und auf die Coronakrise zügig reagiert, Szenarien durchgespielt, was Übungsleiter, Spieler, Fahrtkosten angeht, wie die Trainingssituation aussehen kann“, sagt er. „Mit den Ereignissen weltweit wurde klar, dass die Saison nicht mehr zuende gebracht werden kann. Das ist zwar schade für den Wettkampf, aber wir müssen das so akzeptieren.“

In Sachen Aufstiegsregelung hat der ASV-Manager eine klare Meinung. „Wir stehen auf Platz eins und damit wahrscheinlich als Aufsteiger fest“, ist er sich sicher und stellt daher die Überlegung in den Vordergrund, ob der sportliche Aufstieg, den der Verein vor der Coronakrise noch angestrebt hat, jetzt weiter möglich ist. „Wir überlegen nun, ob wir den Schritt wahrnehmen können. Das muss finanziell abgewägt werden. Wir haben besprochen, dass wir aufgrund der Krise zunächst die wirtschaftlichen Parameter abchecken. Und dann gucken, ob wir das Risiko eingehen, ob die 3. Liga finanzierbar ist.“

Dass es noch zu einem sportlichen Vergleich um die jeweiligen Meisterschaften kommen wird, kann sich Scharschmidt, der bereits vier Neuzugänge für die kommende Spielzeit verpflichtet hat, nicht vorstellen. „Entscheiden werden die Verbände“, sagt er. „Aber ich kann auch nicht glauben, dass es etwa zu einem Dreier- oder Vierervergleich der Mannschaften an der Spitze kommen wird. Es wird so sein, dass der Erste auf- sowie keiner absteigt und es in der neuen Saison einen vermehrten Abstieg geben wird. Die dritte Liga wäre für uns entsprechend nicht uninteressant, weil wir dann Derbys gegen Menden und Ahlen hätten. Aber was festgelegt wird, wissen wir ja erst konkret, wenn die Rechtsgrundlagen bekannt sind – ob Vereine gewisse Dinge einklagen können. Fest steht: Nach Corona werden viele Dinge für eine lange Zeit nicht mehr so sein wie vorher. Daher ist es wichtiger, dass Gesellschaft und Wirtschaft keine irreparablen Schäden davontragen.“

Axel Nickol: Geschäftsführer, Hammer SportClub/Handball

Für Axel Nickol, HSC-Geschäftsführer der Handballabteilung, wäre ein sofortiger Abbruch der Saison sinnvoll und liefe zudem ohne große Folgen ab. „Beim Handball sehe ich einen Abbruch zu 100 Prozent unproblematisch, was den Kreisspielbetrieb betrifft“, versichert er. „Unsere Frauen sind in der Landesliga, die erste Herrenmannschaft in der Bezirksliga. Alle Teams, die jetzt oben stehen, gehören punktemäßig auch dahin. Wenn es nach uns geht, kann die Saison beendet werden. Selbst, wenn der Aufstieg über einen Quotienten errechnet würde, sind wir wenig betroffen – das entspräche der realen Tabelle. Sollte es einen Abstieg geben, wäre unsere dritte Mannschaft in der Kreisklasse betroffen. Aber die stehen ja auch zurecht da unten.“

Problematischer sieht Nickol die Situation im Jugendbereich. „Die Sommerrunde und vor allem die Qualifikationsspiele stehen ja auch auf der Kippe“, sagt er. „Aber selbst da würde ich nicht auf Biegen und Brechen spielen lassen. Das macht keinen Sinn. Der eine oder andere spielt dann eben nicht wie erhofft, eine Klasse höher. Das ist schade, davon geht die Vereinswelt aber nicht unter. Wir würden einfach erst mal gerne wieder trainieren. Der Rest ist nebensächlich.“

Auf eine Verlängerung der Saison im Breitensportbereich kann Nickol ebenfalls verzichten. „Bei allen Ligen geht die Saison bis Mitte Mai“, sagt er. „Die jetzt in den Juni zu verlegen, ist für mich nicht sinnvoll. Die Ligen sind nicht so groß, dass sie es nicht aushalten würden, eine Mannschaft mehr zu vertragen – aber mal abwarten, was der HVW sagt.“

Ferry Weijmans: Vorsitzender, SCE Heessen

Trotz aller Aufstiegschancen des Männerteams, das derzeit mit drei Punkten Rückstand auf die HSG Unna-Massen II Vierter der Kreisliga ist, spricht sich der SCE-Vorsitzende für einen sofortigen Saisonabbruch aus. „Wir würden natürlich die Saison gerne zuende spielen. Das täte der Mannschaft gut, das täte allen gut“, sagt Ferry Weijmans, der aber einräumt, noch nicht mit seinen Vorstandskollegen oder Trainern über das Thema gesprochen zu haben. „Aber wenn es für die Gesundheit besser ist, dann müssen wir uns der Mehrheit anschließen und es abbrechen. Daher würde ich die Saison komplett fallen lassen und im September wieder von vorne und mit den gleichen Mannschaften in den gleichen Klassen starten. Sonst gehen doch Teams hoch, die vielleicht gerade rein zufällig oben stehen. Und andere runter, die bisher eine schwache Serie gehabt haben.“

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