Oberliga-Handball

Verbale Entgleisung des Unparteiischen sorgt für Fassungslosigkeit

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Jan Pretzewofsky vom ASV Hamm-Westfalen II wird von Mennighüffens Verteidigung geblockt.

Eine angebliche verbale Entgleisung des Unparteiischen beim Oberliga-Spiel des ASV II sorgte für Fassungslosigkeit. Über das Resultat sprach keiner mehr.

Hamm – Es lief die 57. Minute. Der Tabellendritte aus Hamm führte bereits mit 28:18, das Spiel war entschieden. Abgehakt hatte Mennighüffens Trainer Zygfryd Jedrzej die Partie zu diesem späten Zeitpunkt allerdings noch nicht, protestierte er doch gegen die Einwurf-Entscheidung für den ASV. Das Schiedsrichter-Gespann aus Recklinghausen hatte Julian Peitzmeier vom VfL Mennighüffen beim Zuspiel im Aus gesehen. Für seine vehementen Proteste sah Jedrzej die Gelbe Karte. Thema gegessen, weiter geht’s – möchte der neutrale Beobachter meinen, handelte es sich hierbei doch lediglich um im Sport hochkochende Emotionen im Eifer des Gefechts. 

Jedoch nicht an diesem Tag, als Schiedsrichter Michael Schiwek vor die Gäste-Bank trat und sich plötzlich eine wütende Menge aus Spielern und Verantwortlichen um ihn herum bildete. Als „dumme, arme Sau“ soll Schiwek den Mennighüffen-Coach bezeichnet haben, berichtet Kreisläufer Ulrich Neumann gegenüber dem Haller Kreisblatt. Anschließend soll der Unparteiische jegliche Fassung verloren haben: „Halt die Schnauze. Setz dich hin, du Schwuchtel“, wird VfL-Torhüter Daniel Habbe über Schiweks verbale Entgleisung in Richtung seines Trainers zitiert. 

Der Vorfall hatte sich angebahnt

Nicht unweit von den Geschehnissen entfernt saß ASV-Teammanager Frank Scharschmidt: „Den Wortlaut mitbekommen habe ich nicht“, sagte er. Angebahnt hatten sich solche Szenen im Verlaufe des Spiels dennoch, wenngleich nicht in diesem Ausmaße: „Der Schiedsrichter ist dafür bekannt, dass er gerne diskutiert und sich profilieren möchte. An sich ist es ein erfahrenes Schiedsrichtergespann, welches auch nicht mal eben in einer der unteren Ligen pfeift“, so der Teammanager. So sei es nicht das erste Mal gewesen, dass Schiwek näher an die Bank der Mennighüffener trat und ein temperamentvolles Gespräch suchte. „Immer mal wieder während der Partie herrschte verbaler Austausch zwischen Schiwek und Jedrzej“, berichtete Scharschmidt. 

Tumultartige Szenen vor der Gästebank

Als sich das Spiel dem Ende neigte, kochten dann die Gemüter über: „Es bildeten sich tumultartige Szenen an der Seitenlinie“, so der Teammanager weiter. Vor allem die Art und Weise, wie der Unparteiische mit dieser Situation umgegangen war, ließ Scharschmidt bitter aufstoßen: „Da hätte Schiwek besser reagieren müssen. Der Schiedsrichter hat eine Meinung, die er konsequent zu vertreten hat. Dazu gehört auch eben solches Handeln. Wenn ihm etwas missfällt, hat er das mit einer Gelben Karte oder einer Disqualifikation zu ahnden. Weitere Vorfälle kann er im Spielbericht eintragen und somit an den Verband weiterleiten. Dass Schiwek letztlich so die Fassung verliert, darf einfach nicht passieren“, sagte Scharschmidt. Nach wie vor vertritt der Teammanager seine Meinung, der emotionsgeladen im Hallen-Foyer unmittelbar nach dem Spiel einschneidende Konsequenzen für den Unparteiischen Schiwek gefordert hatte. Etwas Gras war wenige Tage später über die Angelegenheit gewachsen, die Gemüter hatten sich beruhigt. 

Mennighüffen wendet sich an die Staffelleitung

Mennighüffens Betreuer Thorsten Busse kündigte im Haller Kreisblatt an, Staffelleiter Andreas Tiemann einen Sonderbericht zu schicken. Für Scharschmidt die richtige Entscheidung. Er verlässt sich auf die Aussagen seiner ASV-Handballer, die in unmittelbarer Nähe standen: „Wenn das wirklich alles so passiert ist, und da vertraue ich unseren Spielern, die den Wortlaut so bestätigten, darf der Schiedsrichter nach dieser Aktion nicht mehr pfeifen.“

Schiedsrichterschein-Entzug droht

Der Entzug des Schiedsrichterscheins wäre die drastischste Maßnahme gegen Schiwek in einem breiten Spektrum an Möglichkeiten: „Wir haben viel Spielraum. Wir können Schiwek für diese Teams nicht mehr ansetzen oder ein Ordnungsgeld erheben“, so Tiemann. „Bisher sind keine schriftlichen Unterlagen eingegangen, ich habe lediglich ein Telefonat geführt mit den Verantwortlichen von Mennighüffen. Grundsätzlich verfolgen wir den Fairplay-Gedanken, der hier klar verletzt wurde. Ich werde die Angelegenheit an den Schiedsrichterausschuss weiterleiten, der wird sich der Sache sicherlich annehmen“, führte Tiemann aus. Eine Äußerung Schiweks zu den Anschuldigungen blieb aus, er war nicht erreichbar.

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