Hammer Handballer: Änderungen im Regelwerk „zu schwammig“

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Nicht mit allen Neuerungen glücklich: ASV-Trainer Niels Pfannenschmidt.

Hamm - Zur Saison 2017/18 plant der Handball-Weltverband IHF einige Änderungen im Regelwerk, die bereits bei der Frauen-Weltmeisterschaft im Dezember in Dänemark getestet werden könnten. Nicht alle geplanten Neuerungen finden dabei die uneingeschränkte Zustimmung der Schiedsrichter, Trainer und Aktiven.

Die wohl einschneidendste Änderung sorgt naturgemäß auch für die größte Aufregung bei den Beteiligten: Nach Anzeige des „passiven Spiels“ durch die Unparteiischen muss der Torabschluss nach spätestens sechs bis acht Pässen erfolgen – ansonsten erhält der Gegner Ballbesitz, heißt es.

Mit dieser Maßnahme soll den Unparteiischen vor allem eine feste Richtlinie an die Hand gegeben werden, wann auf Zeitspiel zu entscheiden ist. Denn derzeit liegt es allein in ihrem Ermessen, wann sie tatsächlich abpfeifen. Was oft zu Unmut in den Hallen führt, weil eine objektive Gleichbehandlung beider Mannschaften nur schwer möglich ist. Im Ansatz gut, können sich viele Handballer mit dieser Regel anfreunden. Allerdings ist damit noch immer nicht der Kern des Übels beseitigt. Denn der Zeitpunkt, wann das passive Spiel angezeigt wird, ist weiterhin der Entscheidung der Referees überlassen.

„Ich weiß nicht, ob das umsetzbar ist“, zeigt sich Niels Pfannenschmidt, Trainer des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen, skeptisch. „Was ist zum Beispiel, wenn Freiwurf gepfiffen wird. Und wann ist überhaupt passives Spiel – so bleibt wieder alles schwammig, weil jeder Schiedsrichter anders Zeit anzeigt. Ich fände es besser, wenn – wie beim Basketball – nur eine gewisse Zeit zur Verfügung steht, um einen Angriff abzuschließen.“

Dass sich mit der neuen Regel auch das Spiel ändert, steht für Pfannenschmidt fest: „Wenn es so kommt, wird man sich ein taktisches Mittel dazu überlegen.“

Neuerung zwei bezieht sich auf die Einführung einer „Blauen Karte“. Diese soll anzeigen, dass die Aktion des sanktionierten Spielers einen Bericht und damit automatisch eine Sperre nach sich zieht. „Das ist, um die Gemüter zu beruhigen“, urteilt Pfannenschmidt. „Denn jetzt musst du nach dem Spiel ja immer fragen, ob eine Rote Karte mit Bericht – und damit Sperre – verbunden ist. Da müssen die Schiedsrichter nicht mehr so viel erklären.“

Zusätzlich soll ein grobes Foulspiel in den letzten 30 Sekunden einer Partie direkt mit einem Siebenmeter geahndet werden – egal, wo das Foul stattgefunden hat. Eine Regel, die in den Bundesligen übrigens bereits seit dieser Saison in Kraft getreten ist, künftig aber für alle Klassen gelten soll. „Aber das kommt gar nicht so oft vor, wie man denkt. Vielleicht, ein, zweimal in der Serie“, sagt Pfannenschmidt. „In dieser habe ich es jedenfalls noch nicht gesehen.“

Als überflüssig empfindet der Coach die geplante Änderung, nach der Spieler, die verletzt auf dem Feld behandelt werden, anschließend für drei Angriffe des eigenen Teams nicht mehr eingesetzt werden dürfen – es sei denn, das Foul ist mit einer Zweiminuten-Strafe geahndet worden oder der Torhüter hat den Ball ins Gesicht bekommen. „Wie willst du das denn bewerten?“, wundert sich Pfannenschmidt. „Sicher kommt es vor, das macht man auch taktisch, aber es gibt Situationen da muss man wirklich behandelt werden. Das finde ich schwer zu beurteilen.“

Die letzte Neuerung findet dagegen die volle Zustimmung des Hammer Trainers: Das Leibchen für den zusätzlichen Feldspieler soll abgeschafft werden. „Das ist gut, dann habe ich da keinen Stress mehr mit, wenn die Spieler es nicht schnell genug an bekommen, sagt er grinsend. Wobei auch hier die Frage offen bleibt, ob die Schiedsrichter am Ende noch den Überblick behalten können.

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