Hammer Talentschmiede

Handballtrikot statt Diskothek - Junges ASV-Duo will sich bei Senioren etablieren

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Joshua Kiemann ist der Jüngste in seinem Team, bringt allerdings großes Talent mit und hilft schon regelmäßig bei der Dritten Mannschaft aus.

Nicht nur die 2. Handball-Bundesliga liegt auf Eis. Auch die Jugendteams des ASV Hamm-Westfalen sind durch die Coronavirus-Krise zu einer Zwangspause verdammt. Für zwei vielsprechende Talente aus dem Hammer Unterbau ist das besonders bitter.

Hamm – Denn die beiden Verbandsliga-A-Junioren Lennart Möllenhoff und Joshua Kiemann haben sich in den vergangenen Monaten gut entwickelt, „noch einmal einen großen Sprung nach vorne gemacht“, wie es ihr Coach Rob de Pijper beschreibt, und würden folgerichtig nun gerne daran anknüpfen.

„Wir hätten eigentlich noch mehrere Spiele vor der Brust gehabt“, ist Möllenhoff enttäuscht darüber, dass die Saison einen radikalen Einschnitt erfahren hat und sowohl Spiel- als auch Trainingsbetrieb aktuell stocken.

Ursprünglich wollte der 17-Jährige im kommenden April seine Abiturprüfung ablegen. „Nicht einmal das ist sicher. Ich rechne mit einer Verschiebung der Klausurtermine“, schildert Möllenhoff die derzeitige Ungewissheit.

Duo sieht Potenzial in der Mannschaft

Nach wie vor ungebremst sind dagegen die sportlichen Bestrebungen des Rückraum Mitte, der genau wie Kiemann aktuell zum Jungjahrgang zählt. „Unser Ziel ist es, nächste Saison in der Oberliga-Quali zu bestehen“, so Möllenhoff.

Lennart Möllenhoff ist im Rückraum beheimatet und dort flexibel einsetzbar, was sein Trainer Rob de Pijper sehr an ihm schätzt.

Dass das Team dieses Potenzial besitzt, daran hat auch Kiemann keine Zweifel: „Wir haben im vergangenen Jahr bei einem Turnier in Menden schon Bundesligisten geschlagen und kriegen außerdem starke Spieler aus der B-Jugend.“

Beinahe würde Kiemann selbst zu jenen Nachwuchshoffnungen gehören, die aus der U17 erst noch hochkommen. Denn der Linksaußen ist aktuell der Jüngste in der Mannschaft. Dass er mit 1,76 Meter nicht zu den Größten im Handballsport zählt, bestärkt von außen den fälschlichen Eindruck eines Nestkükens, gegen dessen Status sich Kiemann mit starken Leistungen wehrt.

Klein, aber oho

„Außerdem ist die Körpergröße nicht mehr so ausschlaggebend wie früher“, weiß der 17-Jährige, dass es auf Schnelligkeit und Dynamik ankommt. Sein Lieblingsspieler ist der gleichfalls auf Linksaußen beheimatete Rune Dahmke, der seine Tore für den THW Kiel markiert.

Mit seiner Vorliebe für den deutschen Handball-Rekordmeister steht Kiemann nicht alleine da. Auch Möllenhoff drückt dem THW die Daumen, wenngleich er seit seiner Zeit in Hamm noch eine weitere Profimannschaft anfeuert: „Mittlerweile fühle ich mich dem ASV verbunden.“ Dabei ist der angehende Abiturient noch gar nicht so lange dabei, zieht sich erst seit 2018 den roten Dress über.

Damals folgte er Torhüter Leonhardt Stich, der ebenfalls von seinem Stammverein HSG Soest nach Hamm gewechselt war. „Mein Hauptgrund war die sportliche Perspektive“, begründet Möllenhoff den Schritt und freut sich, dass sich seine Erwartungen mindestens erfüllt haben: „Das Zusammenspiel aus Trainerstab und Team ist super und der Umgang wirklich professionell.“

Trainer de Pijper von seinen Talenten überzeugt

Die lobenden Worte gibt es zurück, denn Rob de Pijper weiß, was er an seinen beiden Schützlingen hat. „Joshua ist sehr schnell bei Tempogegenstößen und hat zuletzt an seiner Trefferquote gearbeitet. Außerdem kann er auch auf halb decken. Das ist für einen Linksaußen eher unüblich“, zeigt sich der Niederländer merklich zufrieden.

„Lennart ist in der Deckung sowieso sehr variabel. Seine Lieblingsposition kann er vielleicht nicht immer spielen, aber für mich macht es das einfacher“, lobt der 44-Jährige, dass sich Möllenhoff ohne zu murren in den Dienst der Mannschaft stellt. Das einzige Manko: „Die beiden sind noch ein bisschen zu ruhig auf der Platte. Aber das kommt schon noch.“

Zuletzt sammelten die zwei ASV-Talente bereits Erfahrungen in der Landesliga-Drittauswahl. Bei der 23:34-Pleite gegen den SV Vorwärts Gronau am 3. März war Kiemann sogar bester Schütze (5). „Wir führen sie langsam an den Seniorensport ran. Sie übernehmen dort schon Verantwortung“, sagt de Pijper. Das Pensum als Brückenspieler ist jedoch enorm. „Ich mache meistens bei beiden Trainingseinheiten mit, spiele dann für A-Jugend und Dritte dreieinhalb Stunden am Stück Handball“, merkt Kiemann an.

Die zweite Mannschaft fest im Blick

Es kommt also nicht von ungefähr, dass die beiden Fleißbienen mit einem Auge auf die erste, dafür aber mit beiden Augen auf die zweite Mannschaft schielen. „Auf lange Sicht ist es unser Ziel, höher zu spielen“, räumen Möllenhoff und Kiemann unisono ein. Laut de Pijper sind diese Bestrebungen auch durchaus berechtigt.

Trotzdem mahnt der Trainer zur Vorsicht. „Wenn du groß rauskommen willst, ist das von vielen Faktoren abhängig“, wünscht er seinen Schützlingen in erster Linie, dass sie verletzungsfrei bleiben. „Aber der Handball hat auch schon gute Leute an die Disko verloren“, scherzt er, wohl wissend, dass seine beiden besten Spieler eher nicht in diese Kategorie fallen.

So plant Möllenhoff nach dem Abitur ein Lehramtstudium in Münster. Neben Sozialwissenschaften darf das Fach Sport nicht fehlen. Auch Kiemann möchte seine größten Hobbys Gesundheit und Sport später in den Beruf integrieren. „Physiotherapie ist ein spannendes Feld“, sagt er. „Ich könnte mir gut vorstellen, eines Tages Athletiktrainer zu werden.“

Die Serie: Hammer Talentschmiede

Der Schritt in den Seniorensport ist häufig der, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Denn eine hohe Begabung reicht alleine nicht aus. In unserer Serie „Hammer Talentschmiede“ stellen wir Nachwuchshoffnungen vor, die sich aktuell noch unter dem Radar bewegen, aber große Ziele vor Augen haben und in Begriff sind, zu festen Größen in ihren Klubs heranzureifen. Wie groß die Bühne ist, für die es irgendwann einmal reichen soll, das wissen sie und ihre Trainer am Besten.

1. Teil: Lennart Möllenhoff und Joshua Kiemann (ASV)

2. Teil: Mika Oxe (Hammer SpVg)

3. Teil: Justus Berg (SC Rote Erde Hamm)

4. Teil: Ramazan Korkut (Westfalia Rhynern)

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