Global Champions Tour in Doha

Hammer Reittalent misst sich in der Wüste mit den Besten der Welt

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Auf ihrem Wallach Elovely hat sich Zoe Osterhoff auch im fernen Doha bereits bestens eingefunden.

Schon seit einer Woche bereitet sich die Hammer Springreiterin Zoe Osterhoff im fernen Doha auf ihre anstehenden Wettstreite vor. Bei der ersten Station der Global Champions Tour trifft die 20-Jährige auf die Elite des Reitsports.

Doha – Dass Zoe Osterhoff der etwas längere Aufenthalt am Persischen Golf nichts ausmacht, verwundert kaum. Die Hammer Springreiterin ist inzwischen seit einer Woche in Doha, bereitet sich auf den anstehenden Wettbewerb vor und zwischendurch bleibt auch noch ein bisschen Zeit, um die Sonne zu genießen und den Swimming-Pool auszutesten.

„Es könnte sicherlich schlechter sein“, fasst die 20-Jährige ihre Situation zusammen. Denn nicht nur die Temperaturen von 25 Grad im Schatten machen es in der Ferne erträglich, sondern auch sportlich ist Osterhoff zufrieden mit ihren jüngsten Ergebnissen. Am vergangenen Donnerstag startete die Hammerin bereits bei einem CSI-5-Sterne-Wettbewerb, der sie auf die noch anstehenden Aufgaben einstimmen sollte.

„Das war nicht nur eine Vorbereitung für mich, sondern auch für die Pferde. Die müssen sich bei einem ähnlichen Schwierigkeitsgrad einlaufen können“, erklärt Osterhoff. Da die Hürdenläufe erst am Abend stattfinden, springen die Pferde bei Flutlicht. „Auch daran müssen sie sich erst gewöhnen“, sagt Osterhoff, die auf der arabischen Halbinsel sowohl mit der Stute Chacenny als auch Elovely an den Start geht. Der 11-jährige Wallach habe sich bislang etwas besser eingefunden. „Mit Elovely bin ich beim CSI-5-Sterne-Wettbewerb über 1,55 Meter Siebte geworden“, berichtet Osterhoff. Nun will sie am Donnerstag daran anknüpfen – wenn es drauf ankommt.

Vater kommt zur Unterstützung angeflogen

Denn dort starten mit der Global Champions League und Global Champions Tour (siehe Infokasten) die entscheidenden Publikumswettbewerbe. Um seine Tochter zu unterstützen, ist auch Andreas Osterhoff nach Katar geflogen. „Normalerweise wäre es nicht meine erste Adresse für einen Urlaub, aber ich glaube, in diesem Fall kann ich eine Ausnahme machen“, schildert Zoes Vater. „Außerdem sind vor Ort einige interessante Leute anzutreffen“, bemerkt Osterhoff und holt aus: „Die Veranstaltung trägt ihren Namen nicht umsonst. Es gibt Investoren, die dafür sorgen, dass ein extrem hohes Preisgeld ausgeschüttet wird. Das macht es für die Spitzensportler so interessant. Dadurch, dass zusätzlich noch Töchter von Personen wie Bill Gates teilnehmen, ist der Glamour-Faktor entsprechend hoch.“

Auch ihre Stute Chacenny hat Zoe Osterhoff nach Katar einfliegen lassen. 

Die unterschiedlichen Qualifikationswege machen jene bunte Mischung überhaupt möglich. So ist die Top-30 der Welt ohnehin zur Global Champions Tour (GCT) eingeladen, während die weiteren Starter über Wild Cards in den Wettbewerb finden. So war es auch bei Zoe Osterhoff, die zwar nur auf Rang 600 der Weltrangliste steht, aber durch gute Leistungen bei einem renommierten Turnier in Münster international auf sich aufmerksam machte. Nun darf sie als U25-Athletin antreten, auch weil sie davon profitiert, leistungsstarke Pferde an ihrer Seite zu haben.

Mit Reitprofis im Team 

„Das Pferdematerial ist unglaublich limitiert“, berichtet Andreas Osterhoff, dem Chacenny, Elovely und einige weitere Springpferde gehören. Eines davon nahm er einst dem niederländischen Top-100-Springreiter Bart Bles ab, mit dem seine Tochter nun auf der Tour ein Team bildet. Die Hamburg Giants, zu denen Zoe Osterhoff gehört, stellen, wie die anderen 15 Teams auch, einen sechsköpfigen Kader. Nach Doha ist neben Bles und Osterhoff allerdings nur der Franzose Simon Delestre mitgereist. „Bei jeder Station gehen drei Reiter an den Start“, erklärt Osterhoff, die zwar mit Abstand die jüngste ist, aber sich gut aufgenommen fühlt. „Ich wurde von allen nett an die Hand genommen“, betont Osterhoff auch im Hinblick auf den Team-Manager Mounaim Dani.

In der Global Champions League, dem Team-Wettbewerb, der aus zwei Runden besteht, treten nur Bles und Delestre an. Zwar macht Osterhoff die zweite Runde auch mit, allerdings zählt ihre Zeit lediglich für die Einzelwertung, die GCT. Dort wird sich entscheiden, wer sich für den Großen Preis qualifiziert. Von 48 Startern dürfen nur die 25 Besten auch beim abschließenden Grand-Prix am Sonntag teilnehmen. „Die Qualifikation ist sicherlich mein Ziel“, gibt sich Osterhoff kämpferisch, denn sie weiß um ihre Außenseiterrolle. „Da ist natürlich die Weltspitze vertreten. Das ist eine ganz andere Hausnummer als das, was ich bisher kennengelernt habe“, räumt die Reiterin des ZRFV Albachten ein.

Zoe Osterhoff befindet sich derzeit auf Rang 600 der Weltrangliste.

Außerdem seien die Hürden über 1,60 Meter denkbar knifflig. „Ich habe deshalb auch lange überlegt, ob ich die Einladung zur Tour annehme, will mich nicht zu früh übernehmen und einen Schritt zurück machen“, gibt sich Osterhoff bodenständig. „Doch ich habe ein gutes Gefühl. Und super enttäuscht werde ich hier sowieso nicht rausgehen“, merkt sie an.

Osterhoff beim Hamburger Derby dabei

Der Ausflug nach Doha ist für die Hammerin nur der Startschuss. Zwar wird sie bei den nächsten Tourstopps in Mexiko, Miami und Shanghai passen, allerdings ist Madrid im Kalender vorgemerkt. „Ich habe aber auch noch Rennen abseits der Tour, die anderen Reiter aus dem Team haben sogar noch Olympia im Kopf. Wir müssen uns also gut abstimmen.“

Bei den deutschen Standorten, Hamburg (20. bis 24. Mai) und Berlin (24. bis 26. Juli) ist Osterhoff in jedem Fall mit dabei. Besonders sehnt sie sich dem Hamburger Derby entgegen, das auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird. „Da freue ich mich schon riesig drauf“, blickt die Reiterin der deutschen Junioren-Nationalmannschaft auf das traditionsreiche Reitturnier voraus.

Doch bis dahin ist noch Zeit. Für den Moment zählen andere Dinge. Eine gute Platzierung in Doha, wenn möglich die Qualifikation für den Grand-Prix und natürlich der Swimming-Pool.

Die Global Champions Tour (GCT) im Springreiten

Am Persischen Golf beginnt am 5. März die Global Champions Tour (GCT) 2020. Doha ist der erste von weltweit 17 Austragungsorten, an denen sich die besten Reitsportler der Welt messen, mit dem Ziel beim jeweiligen Grand-Prix ein saftiges Preisgeld abzusahnen. Die Idee für den seit 2006 existierenden Wettbewerb hatte der ehemalige niederländische Springreiter Jan Tops, um der Sportart eine prestigeträchtige Bühne zu bieten.

Zur Saison 2017 ist mit der Global Champions League (GCL) eine zusätzliche internationale Team-Turnierserie in den Wettbewerb integriert worden. Das führt dazu, dass der letzte von zwei Umläufen der GCL in der gleichen Prüfung abgewickelt wird wie die GCT-Qualifikationsrunde, was den Team- und Einzelwettbewerb zusammenführt. Damit steht ein Team-Sieger fest, ehe die 25 qualifizierten Einzel-Athleten anschließend den Grand-Prix-Sieger unter sich ausmachen. Insgesamt 16 Teams nehmen an der diesjährigen GCL teil. Da jedes Team pro Standort je drei seiner sechs Mitglieder aufbieten darf, treten in Doha 48 der insgesamt 96 Athleten im ersten Teil der GCT an. In Katar werden allein beim Grand-Prix 375 000 Euro Preisgeld vergeben, über die gesamte Saison 40 Millionen Euro.

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