Fußball

Die Hammerin Sjoeke Nüsken ist bereit für den Re-Start der Frauen-Bundesliga

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Vorfreude: Sjoeke Nüsken ist bereit für den Re-Start in der Frauen-Bundesliga am 29. Mai.

Mit dem Corona-Lockdown war für Sjoeke Nüsken, Hammer Fußballerin des Frauen-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt, erst einmal Schluss mit Sport. Jetzt steht fest: Ab dem 29. Mai rollt der Ball wieder.

Frankfurt/Main – Die Luft war raus – erst aus dem Wettkampfsport, dann aus dem Fahrrad: Als sich Sjoeke Nüsken dieser Tage nach dem Training beim Frauenfußball-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt auf das Fahrrad schwingen und nach Hause fahren wollte, musste sie erst einmal das Flickzeug aus der Satteltasche holen. Das Rad von Sophia Kleinherne, derzeit Untermieterin in der Wohngemeinschaft von Nüsken und Sandrine Mauron, weil ihr Internat geschlossen wurde, war platt. Der sonst zehnminütige Weg zur heimischen Dusche verzögerte sich.

Ebenso überraschend war auch aus dem Spielbetrieb der Frauen-Bundesliga die Luft raus, als Anfang März der Lockdown beschlossen wurde. Seitdem hat sich viel verändert im Leben der 19-jährigen Hammerin. „Das kam schon relativ plötzlich, aber für alle. Ich war zuhause, weil gerade DFB-Pokal-Spiele angestanden hätten und wir ja nicht mehr dabei sind“, erinnert sie sich. „Wir haben dann vom Trainer Bescheid bekommen. Ich wollte nur über das Wochenende zuhause bleiben, daraus sind dann nicht drei Tage, sondern vier Wochen geworden. Ich hatte nur meinen Wäschekorb dabei und kaum Sachen zum Anziehen.“

Es war der Start in eine ungewöhnlich lange Zeit ohne Wettkämpfe in ihrem Sport. „Ich habe viel mit der Familie gemacht – das war davor ja weniger möglich. Darum habe ich die Zeit zuhause schon genossen“, sagt Nüsken. „Wir haben einen wöchentlichen Plan vom Trainerteam bekommen. Den abzuarbeiten, war dann die Hauptaufgabe. Da galt es Ausdauerläufe und Krafttraining zu absolvieren – das hat schon zwei, drei Stunden gedauert. Außerdem war ich öfter wandern oder habe Fahrradtouren gemacht.“

Zum Auftakt live im TV

In dieser Woche wurde nun entschieden, dass die ausbleibenden sechs Spieltage der Liga noch ausgetragen und die Saison damit zuende gebracht werden. Für Frankfurt geht es am 29. Mai gegen den SC Sand (19.15 Uhr, live auf Eurosport). „Die meisten von uns waren optimistisch“, freut sich die gebürtige Hammerin, dass es nun in er Liga weitergeht und sieht die Fortsetzung der Meisterschaft als „eine Art Gleichberechtigung, dass neben den beiden Männer-Bundesligen auch die Frauen-Bundesliga als Profiliga starten kann.“

Denn so langsam kribbelt es wieder, möchte sich die U20-Nationalspielerin wieder im sportlichen Wettkampf messen. Zumal sie vor der Unterbrechung in blendender Verfassung war. Nach dem holprigen Start in Frankfurt – Nüsken musste sich nach einer langwierigen Verletzung, die sie sich vor einem Jahr in einem ihrer letzten Spiele für die A-Jugend des SV Westfalia Rhynern zugezogen hatte, erst wieder an das Topniveau herankämpfen – war sie in Glanzform aus der Rückrunden-Vorbereitung gekommen,stand in den ersten drei Begegnungen bei Siegen in Jena (3:2), gegen Leverkusen (3:1) und in Köln (4:1) jeweils in der Startformation und erzielte zwei Tore. „Ich war erst schon positiv überrascht, dass ich gespielt habe. Aber das lag auch daran, dass sich Laura Feiersinger verletzt hat. Ich bin eingesprungen und habe es dann anscheinend ganz gut gemacht, so dass ich dann weiter spielen durfte. Aber jetzt waren ein paar Wochen dazwischen“, weiß sie, dass die Karten für den möglichen Re-Start neu gemischt werden. „Daher müssen alle jetzt mal abwarten, wie sich das entwickelt und wie der Trainer das sieht.“

Hygienevorschriften müssen eingehalten werden

Seit fünf Wochen wird in Frankfurt wieder in Kleingruppen trainiert. Die Bedingungen haben sich allerdings grundlegend geändert. Denn wie die männlichen Kollegen in der Bundesliga müssen auch die Frauen an strikte Hygienevorschriften einhalten. „Wir werden zweimal in der Woche getestet – kurz vor dem Training. Das ist ein bisschen unangenehm“, sagt sie. „Ansonsten müssen wir vor dem Training erst einmal gründlich die Hände waschen und desinfizieren, Abstand einhalten. Wir Spielerinnen dürfen die Materialien nicht anfassen. Das darf nur der Trainer. Auch Einwürfe sind verboten.“

Für die Fortsetzung der Saison nimmt sie diese Einschränkungen und Unannehmlichkeiten gern in Kauf. Schließlich gibt es noch sportliche Ziele in Frankfurt, auch wenn die Saison eigentlich für das Team gelaufen ist, das derzeit auf Rang acht platziert ist und weder mit Auf- noch Abstiegskampf etwas zu tun hat. „Wir können noch den einen oder anderen Platz nach oben klettern, am besten auf den vierten Platz kommen und wollen uns mehr einspielen für nächste Saison“, sagt Nüsken. „Und ich würde für mich die sechs Spiele schon noch gerne mitnehmen.“ Schließlich muss sie sich in der kommenden Saison in einem dann veränderten Kader wieder neu beweisen.

Online-Vorlesungen kommen Nüsken entgegen

Der momentanen Situation in Corona-Zeiten kann die Wahl-Frankfurterin sogar eine positive Seite abgewinnen. Denn die aktuelle Heim-Arbeitsweise an der Universität – sie studiert Bauingenieurwesen – kommt ihr derzeit sehr entgegen. „Ich habe in zwei Fächern Online-Vorlesungen. Da wird überprüft, ob man dabei ist“, sagt sie. „So wie es jetzt ist, finde ich es aber ganz gut, weil ich sonst schon eine halbe Stunde bis zur Uni nach Wiesbaden brauche. Die Zeit spare ich jetzt.“

Dass der Kontakt zu den Mitspielerinnen zuletzt lange nur online möglich war, gefiel der Mittelfeldspielerin dagegen weniger. „Wir haben ein bisschen geschrieben, Facetime gemacht, auch mit der ganzen U-20-Mannschaft beim Deutschen Fußball Bund“, sagt sie. „Wir wollten ja mit der U20 nach Japan, aber das wurde alles abgesagt.“

Immerhin wurde die U20-WM, die in diesem Jahr in Costa Rica und Panama stattfinden sollte, nicht abgesagt, sondern auf den Winter (20. Januar bis 6. Februar) verschoben. Aber: „Im Moment spricht man eher über den Ligastart“, will Nüsken einen Schritt nach dem anderen machen, wohl wissend, dass bis zu ihrem nächsten Länderspiel noch Zeit vergehen kann. „Mit der Nationalmannschaft dauert es wahrscheinlich noch ein bisschen länger.“

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