Wasserball

Hammer Wasserballer investiert viel für seinen Profi-Traum

Vitor Pavicic-Capucho will zuerst mit dem SC Rote Erde in die 1. Liga aufsteigen und später in Italien oder Kroatien Wasserball-Profi werden.
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Vitor Pavicic-Capucho will zuerst mit dem SC Rote Erde in die 1. Liga aufsteigen und später in Italien oder Kroatien Wasserball-Profi werden.

Hamm – Es ist eine kleine Städtetour, die Vitor Pavicic-Capucho in seinem noch jungen Leben bereits unternommen hat. Hamm, Duisburg, Hannover, erneut Duisburg und jetzt wieder Hamm – das alles hat der mittlerweile 19-Jährige auf sich genommen, um sich seinen großen Traum zu erfüllen. „Ich will Wasserball-Profi in Italien oder Kroatien werden“, sagt Pavicic-Capucho, der Sohn einer Kroatin und eines Portugiesen ist.

Wie viele kleine Jungen hatte auch er seine ersten sportlichen Gehversuche als Fußballer unternommen. Doch das Talent war offensichtlich überschaubar – das war zumindest die Meinung seines damaligen Trainers. „Der Coach meinte, das wird nichts oder ich müsse sehr lange trainieren“, erinnert sich Pavicic-Capucho, der aber auch ehrlich zugibt: „Ich hatte wirklich zwei linke Füße.“

Er musste sich also auf die Suche nach einer anderen Freizeitbeschäftigung machen – und wurde wenig später im Maximare fündig: „Wir waren oft in Kroatien im Urlaub. Da war schnell zu merken, dass ich eine Wasserratte bin. Und als ich dann mit meiner Mutter am Maximare vorbei kam und da Wasserballer gesehen habe, wollte ich das ausprobieren.“ Bereits wenige Tage später absolvierte er beim SC Rote Erde seine erste Trainingseinheit – und war sofort Feuer und Flamme. „Wenn ich ins Wasser springe, ist das ein Gefühl von Freiheit und Schwerelosigkeit. Und das in Verbindung mit der Action von Wasserball ist einfach super. Ich liebe diesen Sport einfach“, betont er.

Erst nach Duisburg, dann weiter nach Hannover

Pavicic-Capucho entwickelte sich dabei im Eiltempo zu einem überaus starken Spieler, so dass er schnell in den Fokus anderer Vereine geriet. Daher wechselte er bereits im Alter von 14 Jahren zum ASC Duisburg, um in einem leistungsstärkeren Team zu spielen, um Deutsche Meisterschaften zu gewinnen und den Sprung in die Jugend-Nationalmannschaft zu schaffen. „Das war zwar recht viel Stress, weil ich immer nach Duisburg zum Training und zu den Spielen gefahren werden musste. Aber meine Mutter hat das gerne für mich gemacht“, berichtet er.

Zwei Jahre später meldete sich aber bereits der nächste Verein. Die White Sharks wollten das Talent nach Hannover locken – und hatten mit ihren Abwerbeversuchen Erfolg. „Ich war da auf einem Internat und fand das anfangs auch alles ganz spannend cool und aufregend“, erklärt er. „Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich noch nicht dafür bereit war, so weit weg von zuhause zu sein. Ich war noch nicht selbstständig genug. Das war einfach zu früh.“ Daher kehrte er im August 2019 nach Duisburg zurück, schloss sich wieder dem ASC an und schnürte erneut die gelb-schwarze Badekappe der Duisburger.

Zu wenig Zeit für Training und Schule

Doch sein zweites Engagement an der Wedau stand unter keinem guten Stern. Pavicic-Capucho wollte parallel auch in Sachen Schule ein bisschen Gas geben. Beides war aufgrund der langen Anfahrten von Hamm nach Duisburg aber nur schwer unter einen Hut zu bekommen. „Ich konnte nicht immer zum Training kommen, was meinen Trainer verärgert hat, der mich dann auch nicht immer hat spielen lassen. Das wiederum hat mich sauer gemacht“, sagt der Hammer. Da traf es sich ganz gut, dass er immer noch einen guten Draht zum SC Rote Erde und zu Carsten Berg, dem Trainer des Zweitliga-Teams hatte. Schnell kam es zu ein paar Gesprächen – und wenig später war klar, dass der „verlorene Sohn“ wieder für seinen Stammverein ins Wasser springen wird.

Und so bereitet er sich derzeit mit seinen Teamkollegen vom SC Rote Erde auf die im November startende neue Saison in der 2. Bundesliga vor. Dabei hat Pavicic-Capucho ein klares Ziel mit den Hammern, die in den vergangenen Jahren meist gegen den Abstieg kämpften, vor Augen. „Ich persönlich will aufsteigen. Ich weiß nicht, ob die anderen das gleiche Ziel verfolgen. Aber ich will das erreichen. Und dafür gebe ich alles. Ich denke, das ist auch möglich, denn wir haben einige gute Jungs in der Mannschaft“, sagt der RE-Rückkehrer.

Kein Platz in der Berufsschule

In Sachen Wasserball kann er derzeit in der Vorbereitung also Gas geben, ansonsten ist er im Moment allerdings zur Untätigkeit verdammt. Denn Pavicic-Capucho will auf einer Berufsschule die zwölfte Klasse besuchen und erfolgreich abschließen, um dann Polizist zu werden und dort ein duales Studium zu absolvieren.

Aber da er sich nach seiner Rückkehr aus Duisburg nach Hamm erst spät um eine Schule gekümmert hatte und es wegen Corona keine Sitzenbleiber gab, findet sich aktuell kein Platz für ihn an einer Berufsschule. „Ich habe nicht nur in Hamm, sondern auch in benachbarten Städten gefragt. Aber es gibt keinen Platz für mich“, ärgert er sich und hofft nun, dass sich dies zum Schuljahr 2021/22 im nächsten Sommer ändert. Denn die Ausbildung bei der Polizei mit einem gleichzeitigen Studium ist neben dem Wasserball-Profi sein zweiter großer Lebenstraum. „Ich denke, ich kann beides schaffen. Ich bin jung und denke, beide Träume sind realistisch“, meint er.

Bis es so weit ist, sucht er nun einen Mini-Job, um sich sein Leben zu finanzieren und um sich die Zeit zwischen den Trainingseinheiten beim SC Rote Erde totzuschlagen.

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