Hammer Talentschmiede

Kapitän ohne Kapitänsbinde: HSV-Junior nach Nasenbruch zurück in der Spur

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Zu den Stärken von Mika Oxe (Mitte, weiß) zählt auch das Kopfballspiel. 

Es war ein Stimmungsdämpfer für Mika Oxe und seine Mannschaft. Das erste Wintervorbereitungsspiel beim TuS Hiltrup hatten die Fußball-A-Junioren der Hammer SpVg zwar mit 4:0 gewonnen, den Sieg hatte der Westfalenligist jedoch teuer bezahlt.

Hamm – Denn ein Ellenbogencheck des Gegners brachte Oxe einen unfreiwilligen Arztbesuch ein. „Ich habe es beim Spiel erst gar nicht gemerkt, aber mein Nasenbein war gebrochen“, erinnert sich der Defensiv-Allrounder.

Inzwischen sind die Knochen rund um das Geruchsorgan längst genesen und Oxe ist, wenn auch mit Maske, wieder auf dem Rasen angekommen. Nach vier Wochen Zwangspause, in denen der 18-Jährige nur zuschauen durfte, kehrte er zum Rückrundenauftakt gleich wieder in die Startelf zurück. Richtig in der Spur waren er und seine Mitstreiter allerdings nicht. Die ersten drei Spiele gingen verloren, die HSV grüßte beinahe abgeschlagen vom letzten Tabellenplatz.

Wegen eines Nasenbeinbruchs im Januar 2020 trug Mika Oxe zuletzt eine Maske.

Ein Monat später wohnt den Hammern noch immer die Rote Laterne inne. Aber der Abstand auf die Konkurrenz ist kleiner geworden, da die Rot-Weißen unter der Regie vom neuen Coach Alexis Koumatzidis immerhin vier Punkte aus drei Spielen holten. „Wir hätten gerne weitergemacht. Es ist schon ärgerlich, dass wir diesen Schwung jetzt nicht mitnehmen können“, kommentiert Oxe den stockenden Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Krise.

Abgeklärter Führungsspieler

Der Trainerwechsel hatte aber auch andere Auswirkungen für Oxe, der den Westfalenligisten bis dato als Kapitän auf den Platz geführt hatte. Koumatzis hat ihm dieses Amt entzogen, Ilkay Nagis ist nun Spielführer der SpVg. „Dass ich nicht mehr Kapitän bin, ist mir relativ egal. Es geht ums Team“, zeigt sich der HSV-Hoffnungsträger einsichtig.

Außerdem hat sich an seiner Rolle nicht viel geändert. „Er ist jetzt unser Kapitän ohne Kapitänsbinde“, sagt Koumatzidis über seinen Führungsspieler. „Mika ist auf dem Platz ein absoluter Leader und ein leidenschaftlicher Fußballspieler“, merkt der neue Übungsleiter an. Auch Oxe selbst gibt zu, dass er trotz eines eigentlich ruhigen Gemüts „auch mal lauter“ werden kann, wenn die Situation es erfordert.

Kampf um den Ball. Mika Oxe (rechts) findet laut seinem Coach auch "unter Bedrängnis" gute Lösungen.

Zwar steht Koumatzidis, der als Coach der U16 von RW Ahlen in den Hammer Osten gekommen war, erst seit einem Monat an der Seitenlinie und hat seine Schützlinge ob des ausfallenden Trainings zuletzt nicht mehr gesehen, allerdings glaubt er, die spielerischen Stärken von Oxe bereits ausgemacht zu haben. „Er ist unglaublich ballsicher, schafft es unter Gegnerdruck gute Lösungen zu finden“, lobt Koumatzidis seinen Sechser.

Doch auch die Innenverteidigung ist Oxe keineswegs fremd: „Am liebsten bin ich im defensiven Mittelfeld, aber ich spiele da, wo der Trainer mich haben will“, stellt sich der Altjahrgang in den Dienst der Mannschaft. Geht es nach ihm, liegen seine Stärken im Zweikampf und in der Ausdauer. „Deshalb versuche ich auch in diesen Zeiten meine Kondition zu bewahren und gehe für Intervall- und Dauerläufe in den Wald.“

Oxe eines Tages im BVB-Dress?

Ein punktuelles Defizit macht er dagegen bei sich selbst nicht aus. „Ich denke, ich kann mich in allen Bereichen verbessern. Insbesondere spielerisch“, so Oxe, der dem Leistungssport auch als Herrenspieler verbunden bleiben möchte. „Gerne so hoch es geht“, lautet seine Antwort auf die Frage, in welcher Liga er eines Tages spielen möchte. „Nichts ist unmöglich. Vielleicht reicht es ja für die 3. Liga“, schiebt der 18-Jährige hinterher. Oder für die Regionalliga West. Denn dort ist aktuell ein Reserveteam beheimatet, das den angehenden Abiturienten wohl noch in einer ganz anderen Hinsicht reizt. „Ich bin eingefleischter Dortmund-Fan“, gesteht Oxe seine BVB-Schwäche.

Für den Moment zählt allerdings kurzfristig der Klassenerhalt mit den A-Junioren in der Westfalenliga und mittelfristig der Sprung in die Oberliga, wo aktuell die erste Mannschaft der HSV um den Ligaverbleib bangt. „Ich hoffe, dass bald Vertragsgespräche mit dem Verein stattfinden“, sagt Oxe, der bereits unter dem Ex-Coach René Lewejohann erste Erfahrungen in der Oberliga gesammelt hat.

Dem Klub ist er ohnehin verbunden, denn Oxe war in der B2 vom BSV Heeren zur SpVg gewechselt, trägt seit knapp vier Jahren den Hammer Hengst auf der Brust. Zuvor hatte er seine ersten Schritte in Fußballschuhen für den VfL Kamen gemacht.

Nebenher hat Oxe auch noch eine Reihe an anderen sportlichen Leidenschaften. „Irgendwie habe ich ein Faible für amerikanische Sportarten“, nennt das Nachwuchstalent mit Basketball, Eishockey und American Football nur eine Auswahl. Es verwundert wenig, dass sich Sport auch in der Schule als Lieblingsfach des gebürtigen Kameners herausstellt. Das Ausdauertraining im Wald ist also nicht nur eine Vorbereitung für den Fußball, sondern auch für die anstehende Abiturprüfung im Fach Sport. Ob und wann diese stattfindet, steht jedoch noch in den Sternen.

Die Serie: Hammer Talentschmiede

Der Schritt in den Seniorensport ist häufig der, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Denn eine hohe Begabung reicht alleine nicht aus. In unserer Serie „Hammer Talentschmiede“ stellen wir Nachwuchshoffnungen vor, die sich aktuell noch unter dem Radar bewegen, aber große Ziele vor Augen haben und in Begriff sind, zu festen Größen in ihren Klubs heranzureifen. Wie groß die Bühne ist, für die es irgendwann einmal reichen soll, das wissen sie und ihre Trainer am Besten.

1. Teil: Lennart Möllenhoff und Joshua Kiemann (ASV)

2. Teil: Mika Oxe (Hammer SpVg)

3. Teil: Justus Berg (SC Rote Erde Hamm)

4. Teil: Ramazan Korkut (Westfalia Rhynern)

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