HSV-Fan-Beauftragter erklärt Rücktritt und kritisiert Vorstand 

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Angebliche Fußball-Anhänger aus dem Block der Hammer SpVg stürmten in Lippstadt den Platz.

Hamm - Der Fan-Beauftragte der Hammer SpVg zieht Konsequenzen aus den Ereignissen rund um das Spiel beim SV Lippstadt 08. Max Neumann kritisiert vor allem den Vorstand des Klubs. 

Max Neumann, Fan-Beauftragter des Fußball-Oberligisten Hammer SpVg, hat die Konsequenzen aus den schlimmen Geschehnissen rund um die Auswärtspartie beim SV Lippstadt 08 gezogen und mit sofortiger Wirkung den Rücktritt von seinem Posten erklärt. 

„Ich distanziere mich von dem, was an diesem Tag im Stadion passiert ist. Ich distanziere mich vom Verein, wie er mit der Problematik umgeht. Und ich muss mich auch leider von der Vereinsführung distanzieren, weil sie mir als Fan-Beauftragtem nicht die nötige Unterstützung und den Rückhalt hat zukommen lassen, was ich in dieser Situation erwartet hätte“, erklärt der 20-Jährige. „So hat das keinen Wert. Ich hätte mir gewünscht, dass man dieses Problem gemeinsam angeht. Aber bis jetzt tut man so, als wäre nichts passiert. Es ist echt traurig, dass der Verein nicht als Verein auftritt.“

Verein organisiert offenbar die Fan-Busse

Vor zwei Jahren hatte Neumann das Amt des Fan-Beauftragten als Nachfolger von Philipp Retajski bei der Hammer SpVg übernommen, war seitdem Ansprechpartner für die Anhänger der HSV. „Ich bin vor Ort, wenn es Probleme gibt. Das ist bislang ein Job gewesen wie der eines Klassensprechers in der Schule“, betont er.

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Für die Organisation der Fan-Busse, die der Club bei Auswärtsspielen einsetzt, sei er aber nicht verantwortlich. Dies werde von Vereinsseite aus durchgeführt. So auch vor zehn Tagen beim Auswärtsspiel in Lippstadt, als deutlich mehr Anhänger als sonst von dem Angebot Gebrauch machten, so dass letztlich ein doppelstöckiger Bus eingesetzt werden musste, um die mehr als 60 Leute nach Lippstadt zu bringen. „Ich sage ausdrücklich, dass ich weder in den Vorverkauf der Tickets für die Busfahrt involviert war noch in die Planung beziehungsweise Durchführung“, so Neumann.

Neumann widerspricht Kocker

Max Neumann

Zudem widerspricht er der Darstellung des HSV-Vize-Präsidenten Dennis Kocker, dass der Bus kurz vor dem Lippstädter Stadion von der Polizei angehalten und durchsucht worden sei. „Während der Fahrt standen wir in Kontakt mit der Polizei, so dass der Bus erst zu einer Schule geleitet und dann von der Polizei bis zum Stadion begleitet wurde. Aber eine Durchsuchung gab es nicht“, stellt Neumann klar und fühlt sich von ihm ebenso im Stich gelassen.

„Herr Kocker gibt Infos und Interviews gegenüber dem WA, wo sich mir die Frage stellt, wo nimmt er die Informationen her? Außerdem ist es meiner Meinung nach ein schlechter Stil, sich vereinsintern weder zu besprechen noch zu schützen. Da ist wohl die Darstellung der eigenen Person nach außen hin wichtiger als die Kommunikation und die Besprechung der Dinge intern.“

"Ich habe nichts damit zu tun"

Der 20-Jährige wehrt sich in diesem Zusammenhang auch dagegen, dass er dafür verantwortlich gewesen sein soll, dass die Personen, die während der Partie für den Platzsturm verantwortlich waren und antisemitische Parolen skandiert hatten, wieder im Bus nach Hamm zurückfahren durften. 

„Wie hätte man das auch logistisch lösen sollen, auch aus Sicht der Polizei. So waren die Leute unter Kontrolle, das ist alles nicht so einfach in der Realität“, wundert er sich – und fügt hinzu: „Ich muss mich da rechtfertigen, obwohl ich die Fahrt gar nicht organisiert hatte. Ich habe auch niemanden reingeholt und habe nichts damit zu tun, dass da so viele Leute mitgekommen sind.“ 

Kein Kontakt zum Hauptvorstand

Daher hat er sich zu dem Rücktritt von seinem Posten entschieden, betont aber noch einmal ausdrücklich: „Ich distanziere mich politisch von allem, denn ich bin politisch nicht aktiv. Und ich finde es traurig, dass diese Problematik mit den Rechten im Verein nie thematisiert worden ist. Vielmehr wird von Sitzungen gesprochen, die nie stattgefunden haben. Wenn man was hätte tun wollen, hätte man mich anrufen müssen. Aber seit diesem Vorfall in Lippstadt hat mich niemand aus dem Hauptvorstand kontaktiert.“

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