"Nichtstun ist reine Bequemlichkeit"

Corona-Krise im Sport: Arzt warnt vor Sportpause und stellt Möglichkeiten vor

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Bei gutem wie schlechten Wetter ist Joggen vielleicht wichtiger denn je.

Sowohl der Profisport als auch die heimische Sportszene sind durch den Coronavirus fast komplett lahmgelegt. Sporthallen, Schwimmbäder, Tennis- und Fußballplätze und nun auch die Fitness-Studios sind allesamt geschlossen und scheinen zahlreiche Sportfans zur Untätigkeit zu verdammen.

Hamm – Dabei gibt es mehr als genug Möglichkeiten, um sich zuhause, im Wald oder in einem Park alleine oder in einer Kleinstgruppe sportlich zu betätigen. „Sportmachen ist wegen des Coronavirus nicht untersagt, man muss es nur tun.

Ansonsten ist das Nichtstun reine Bequemlichkeit“, sagt der Hammer Sportarzt Jürgen Vogt und verweist darauf, dass trotz der Einschränkungen durch das Virus niemand die stärkende Wirkung von körperlicher Betätigung auf die Abwehrkräfte vergessen sollte.

Sicherlich haben zahlreiche Sportler, die in höherklassigen Ligen unterwegs sind, von ihren Trainern für die kommenden Wochen Hausaufgaben mit auf den Weg bekommen. Denn sollte der Spielbetrieb wie geplant nach dem 19. April wieder aufgenommen werden, wollen alle Aktiven fit sein und nicht erst dann wieder mit dem Training beginnen. Aber es gibt auch Hobbysportler, die sich in den kommenden Wochen gerne fithalten möchten.

Der Hammer Sportarzt Jürgen Vogt empfiehlt, zur Abwechslung mit den Inlinern zu fahren. 

Die einfachste Möglichkeit, um in Form zu bleiben, ist dabei das Joggen. In Hamm gibt es mehr als genug perfekte Strecken dafür, so dass jeder dort seine Kilometer absolvieren kann. „Das kann man ja auch zu zwei oder dritt machen, wenn es jemandem alleine zu langweilig ist. Man muss sich ja zur Begrüßung oder Verabschiedung nicht gleich umarmen“, sagt Vogt und bringt für Fußballer die Möglichkeit ins Gespräch, dabei auch einen Ball mitzunehmen.

Kreative Lösungen für Fußballer

So könnten die Kicker mit einem Ball um Bäume herumdribbeln, sich den Ball zwischen den Stämmen hin- und herpassen – wenn sie zu zweit sind. Oder können auch den Baum für einen Doppelpass nutzen. „Dann springt der Ball manchmal recht unkontrolliert zur Seite. Aber wenn man dann hinter dem Ball hersprintet, dann trainiert man auch seine Schnelligkeit. Und diese Übung ist natürlich auch wichtig, um die Antizipation zu üben“, sagt Vogt.

Um dabei auch noch die Koordination zu verbessern, können Fußballer auch versuchen, mit den Händen drei Bälle zu jonglieren, während sie gleichzeitig mit einem Fußball dribbeln. Die Koordination lässt sich auch durch das Überspringen von Hindernissen wie Ästen, durch das Slalomlaufen um Bäume herum oder durch Rückwärtslaufen verbessern.

„Man muss nicht jeden Tag das Gleiche machen. Es geht dabei um eine Vielfalt, man kann immer wieder Änderungen einbauen. Das ist gut gegen die Eintönigkeit und stellt jeden Sportler breiter auf“, betont Vogt.

Zeit nutzen, um an Schwächen zu feilen

Auch ein Trimm-Dich-Pfad, wie es ihn zum Beispiel in der Geithe gibt, lässt sich vor oder nach dem Joggen nutzen, um sich weiter sportlich zu betätigen. Auch der Lippepark bietet sich optimal an, um dort zu joggen und dabei bergauf sowie bergab zulaufen. „Die meisten Sachen kennen die Sportler ja von ihrem normalen Training. Das können sie jetzt individuell umsetzen“, meint Vogt.

Zudem schlägt der Sportarzt vor, in diesen Zeiten bewusst an den Schwächen zu arbeiten. Fußballer haben durch ihre seltene Streckung der Hüftbeuger – sie richten sich auf den kurzen Wegen beim Sprint zum Ball kaum komplett auf – meist die hintere Oberschenkelmuskulatur verkürzt, während die vordere Muskulatur des Oberschenkels oftmals zu stark trainiert und daher überrepräsentiert ist.

Auch Dehnen zum Ausgleich von Dysbalancen und Paddeln auf dem Kanal.

„Das ist eine muskuläre Dysbalance, an der man jetzt arbeiten kann“, meint Vogt und schlägt daher ein entsprechendes Programm zum Dehnen der hinteren Oberschenkelmuskeln vor. „Wenn man das jetzt anfängt und das dann kontinuierlich fortführt, dann kann man da auf lange Sicht gut von profitieren.“

Inline-Skating oder auf die Gymnastikmatte

Neben Joggen bieten sich zur Beibehaltung der Kondition auch Fahrradfahren, Inlinern mit oder ohne Stöcke und Paddeln auf dem Kanal an. Erweitert werden kann das Training durch den Einsatz von Springseilen, Vibrationsstangen oder Gummibändern. „Man kann im Bereich Schnelligkeit und Athletik in vielen Bereichen arbeiten. Und wenn man das dann will, kann man das seinen sportartspezifischen Anforderungen anpassen“, stellt Vogt klar, der zur Intensität und Anzahl der Wiederholungen der einzelnen Übungen keine genauen Angaben machen will: „Das hängt vom Leistungsniveau jedes Einzelnen ab.“

Wer es aber eher etwas gemütlich mag und sich bislang zum Beispiel in einer Gymnastikgruppe körperlich betätigt hat, kann dies nun zuhause im Garten oder in den eigenen vier Wänden auf dem Teppich oder auf einer Gymnastikmatte machen. „Jeder hat ein Smartphone und kann sich online genug Übungen anschauen, die man dann synchron mitmacht oder nachmacht. Das Angebot ist da sehr groß“, sagt Vogt und bietet als Beispiel das Schmerz- und Gymnastikprogramm von Roland Liebscher Bracht (www.liebscher-bracht.com) an. „Knie, Hüfte, Lendenwirbel, alles lässt sich zuhause stabilisieren und trainieren“, sagt der erfahrene Sportarzt.

Zum Schluss hat er noch einen ganz besonderen Tipp parat. „Imitieren Sie Tiere“, sagt er. „Das macht Spaß und bringt einen zum Lachen. Und den Möglichkeiten sind dabei keine Grenzen gesteckt.“ So könne man zum Beispiel wie eine Schlange kriechen oder wie ein Affe einen Baum hinaufklettern.

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