HSV und Barjaktarevic gehen nun getrennte Wege

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Ende: Für Trainer Goran Barjaktarevic war die Partie gegen Lippstadt die letzte in Diensten der Hammer SpVg.

HAMM - Er gestikulierte ein wenig, er klatschte pflichtschuldig in die Hände und verzog hin und wieder die Miene. Doch all das wirkte seltsam halbherzig. Goran Barjaktarevic wusste wohl schon während der Partie am Samstag gegen den SV Lippstadt (0:3), was danach kommen würde. Noch am Abend gab der Fußball-Oberligist Hammer SpVg die Trennung bekannt.

Von Simon Stock

Das Engagement des 45-Jährigen, der den Club als Trainer und Sportlicher Leiter in die Regionalliga führen sollte, ist nach 20 Monaten beendet.

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Ein mehr als überfälliger Schritt

Beide Seiten, so hieß es in der Mitteilung des Vereins, hätten sich „mit sofortiger Wirkung auf die Beendigung ihrer Zusammenarbeit verständigt“. „Ich hoffe, dass damit der entscheidende Impuls bei den Jungs ausgelöst wird, der sie wieder aus ihrem mentalen Tief heraus führt“, wird Barjaktarevic zitiert. „Ich habe Hochachtung vor Gorans professionellem Verhalten und erwarte jetztvon der Mannschaft die entsprechende Reaktion“, lautet das Statement von Sportchef Achim Hickmann, der gestern telefonisch nicht zu erreichen war. „Die Dinge haben am Samstag eine Eigendynamik entwickelt. Wir haben uns dann zusammengesetzt und ausgetauscht. Das Ergebnis ist bekannt“, sagte Fußball-Abteilungsleiter Dirk Blumenkemper. Bei der Trainersuche werde es „definitiv keinen Schnellschuss“ geben, so Blumenkemper weiter. Übergangsweise wird Co-Trainer und HSV-Urgestein Karl-Heinz „Mano“ Zielinski das Team übernehmen.

Eine große Überraschung war die Trennung von Barjaktarevic nicht mehr. Selbst das Publikum schien am Samstag zu ahnen, dass sie unmittelbar bevorstand, denn trotz der überaus schwachen Leistung der HSV zum Rückrundenstart gab es – anders als vereinzelt in der Vergangenheit – keine Verbal-Attacken gegen Trainer oder Team.

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Hammer SpVg gegen Lippstadt unter Druck

Im Sommer 2013 hatte Barjaktarevic, ausgestattet mit einem langfristigen Vertrag, seine Arbeit als Nachfolger von Übergangstrainer Sven Heinze aufgenommen. In der ersten Saison landete das Team im Tabellenmittelfeld. In der aktuellen Spielzeit wurden die Leistungen trotz vieler höherklassig erfahrener Neuzugänge nicht besser. Im Verlauf weniger Monate wurde aus dem Aufstiegskandidaten HSV der Abstiegskandidat HSV. Bereits nach dem 2:1-Sieg im Saisoneröffnungsspiel beim damals noch hoch eingeschätzten SV Lippstadt ging es bergab. Es folgten lediglich drei weitere Erfolge und der Sturz in den Tabellenkeller – auch aufgrund der miserablen Heimbilanz von sieben Niederlagen in neun Spielen. Zuletzt rückte offenbar auch Hickmann, der Barjaktarevic öffentlich lange den Rücken gestärkt hatte, von seinem einstigen Wunschkandidaten ab.

Mannschaft wollte Trainer nicht den Job retten

Mit Teilen des Clubs und seiner Fans hatte es sich Barjaktarevic seit längerem verscherzt. Und auch die Mannschaft spielte vor den Augen von Florian Schnorrenberg, Coach des nächsten Hammer Gegners TuS Erndtebrück, gegen Lippstadt nicht so, als wolle sie ihrem angezählten Trainer unbedingt den Job retten. Es gab wenig Tempo im HSV-Spiel, wenig Bewegung, dafür 40-Meter-Schläge ins Nichts, unbedrängte Dribblings ins Seiten-Aus, Risiko-Pässe und unnötige Fouls am eigenen Strafraum. Hinzu kamen schlampige Rückgaben auf Torwart Manuel Lenz. Lars Schröders 0:1 (11.) war ein recht mittig unter die Latte getretener Freistoß von der 16-Meter-Linie, beim 0:2, ebenfalls durch Schröder, stand Hamms Innenverteidiger-Duo Dursun Akdag/Faysel Khmiri Spalier. Und beim 0:3 durch Ardian Jevric (80.) schlief die gesamte Defensive. Viele der HSV-Fans unter den offiziell 610 Zuschauern, die bis dahin das Tun ihrer Mannschaft auf tiefem Boden tapfer ertragen hatten, verließen daraufhin die Evora Arena.

„Ein Außenstehender, der das Spiel nicht gesehen hat, kann bei dem Ergebnis denken, dass das eine Katastrophe war“, sagte Barjaktarevic in der Pressekonferenz. Diejenigen, die da waren, konnten allerdings zu keinem gegenteiligen Schluss kommen. Wohl selten zuvor hat den Lippstädtern eine grundsolide Leistung für einen solch ungefährdeten Auswärtssieg gereicht. Trainer Daniel Farke war nach der Partie und drei wichtigen Punkten gut gelaunt – und ein freundlicher Gast: „Das war für uns ein toller Tag. Für Hamm hoffe ich, dass sich der Verein möglichst schnell wieder stabilisiert.“ Das werden auch die HSV-Fans hoffen.

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