Segeln

Der Hammer Kai Schäfers ist mit einer lebenden Legende im Boot

Auf dem Steinhuder Meer segelte der Hammer Kai Schäfers (links) mit dem früheren Olympiasieger Jørgen Bojsen-Møller.
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Auf dem Steinhuder Meer segelte der Hammer Kai Schäfers (links) mit dem früheren Olympiasieger Jørgen Bojsen-Møller.

Sprichwörtlich gesehen ist für den Hammer Kai Schäfers inzwischen wieder Land in Sicht, obwohl es den Vizeweltmeister im Flying Dutchman derzeit eigentlich eher auf das Wasser zieht.

Hamm - Die Corona-Pandemie hat auch den Segelsport über längere Phasen komplett lahmgelegt. Lediglich an zwei offiziellen Regatten hat der mehrmalige Deutsche Meister in diesem Jahr teilnehmen können. Zumindest bei einer durfte Schäfers eine ganz besondere Erfahrung sammeln.

Mitte Februar war die Welt auch bei den Flying-Dutchman-Experten noch halbwegs in Ordnung. In der Nähe von Alicante nahm Schäfers an einer internationalen Regatta teil, um das Segelrevier für die im September geplanten Weltmeisterschaften zu erkunden. Wenige Wochen später sollte dort ein Europacuprennen stattfinden. Deswegen hatten er und auch weitere deutsche Segler ihre Boote in Spanien gelassen. „Quasi in einer Nacht- und Nebelaktion haben wir sie dann Mitte März aus Spanien zurückgeholt“, berichtet Schäfers. „Einen Tag, bevor wegen Corona die Grenzen dicht gemacht wurden, sind wir nach Alicante geflogen, haben uns einen Mietwagen genommen, den man uns erst gar nicht geben wollte, und dann die Boote auf einem Anhänger mit dem Auto zurück nach Deutschland gebracht“, berichtet der Hammer von einer anstrengenden Tour, die unter normalen Umständen so wohl nicht gelaufen wäre.

Die totale Flaute im Sommer

Bereits im Mai sind die Weltmeisterschaften endgültig vom Terminplan gestrichen worden, weil auch die Starter aus Übersee keine Chance gehabt hätten, nach Spanien anzureisen. „Allein versicherungstechnisch hätte es da schon große Probleme gegeben“, erklärt Schäfers. Der erlebt nun diesen Sommer eine totale Flaute. Die Kieler Woche wurde ebenso abgesagt wie die Deutschen Meisterschaften, die jetzt eigentlich in Warnemünde stattfinden sollten.

Immerhin durfte der Hammer zuletzt auf dem Steinhuder Meer trainieren. Allerdings nicht mit seinem eigentlichen Partner Kay-Uwe Lüdtke, der in Berlin als Zahnarzt tätig ist. Schäfers nutzte die Gelegenheit, mit seinem Segelmacher Kilian König, der in Steinhude wohnt, ein paar Runden zu drehen, um sich wieder an das Wasser zu gewöhnen. Zwei Wochen später fand auf dem Steinhuder Meer die Trapezregatta statt. Die sollte Schäfers eine Begegnung der ganz besonderen Art bieten. Jørgen Bojsen-Møller, eine lebende Flying-Dutchman-Legende, wollte dort eigentlich mit seinem Bruder Jacob an den Start gehen, doch der war verletzt. Jørgen Bojsen-Møller fragte dann bei Kai Schäfers nach, ob er sich als Vorschoter zur Verfügung stellen würde. Eine Ehre, die der Hammer nicht ausschlagen konnte.

"Einfach einmalig", schwärmt Schäfers

Immerhin zählen die Brüder aus Dänemark seit Jahrzehnten zur Weltspitze in dieser Segel-Klasse. Jørgen gewann schon 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul die Goldmedaille im Flying-Dutchman, wurde vier Jahre später mit seinem Bruder in Barcelona noch einmal Dritter. „Es ist schon ein tolles Erlebnis, wenn man gemeinsam mit solchen Leuten segeln darf. Einfach einmalig“, schwärmt Schäfers, auch wenn am Ende nach fünf Durchgängen nur der vierte Platz heraussprang. „Leider hatten wir einen Frühstart. Deswegen sind wir zurückgefallen“, war dem Hammer das Endresultat nicht so wichtig.

Inzwischen richtet Schäfers aber wieder den Blick nach vorne, auch was die sportlichen Ambitionen angeht. Am zweiten August-Wochenende wird er mit Kay-Üwe Lüdtke nach Polen reisen. Bei Ustka werden auf der Ostsee die internationalen polnischen Meisterschaften im Flying Dutchman ausgetragen.

Für das Hamm-Berliner Duo die erste Möglichkeit in diesem Jahr, gemeinsam in einem Boot zu segeln. Für die amtierenden Vizeweltmeister wird dieser Wettbewerb zudem eine gute Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft sein, bei der sie den Titel verteidigen wollen. Die ursprünglich für Juli in Warnemünde geplanten Titelkämpfe finden im Oktober auf dem Zwenkauer See bei Leipzig statt. Warnemünde erhält dafür die DM im kommenden Jahr. Die nächsten Weltmeisterschaften werden 2021 bei Alicante in Spanien ausgetragen.

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