Interview über die Entwicklung des Hammer SC

Hegemann: HSC plant eigenes Sportstudio

Kai Hegemann ist 54 Jahre alt und seit 1994 im Vorstand des TSV Berge. Seit der Verschmelzung ist er hauptamtlicher Geschäftsführer beim Hammer SC 08.
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Kai Hegemann ist 54 Jahre alt und seit 1994 im Vorstand des TSV Berge. Seit der Verschmelzung ist er hauptamtlicher Geschäftsführer beim Hammer SC 08.

Kai Hegemann, hauptamtlicher Geschäftsführer des Hammer SC berichtet im Interview über die Entwicklung des Vereins und darüber, wie sich der Club für die Zukunft aufstellen will.

Hamm -  Der Hammer Sport-Club, 2008 entstanden durch die Verschmelzung des TSV Berge mit dem SC Westtünnen, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Mit gut 5000 Mitgliedern ist er inzwischen zum größten Sportverein der Stadt Hamm geworden. Kai Hegemann ist seit Beginn hauptamtlicher Geschäftsführer des HSC. In einem Gespräch mit Peter Schwennecker berichtet er über die Entwicklung und darüber, wie sich der Club für die Zukunft aufstellen will.

Wie hat sich der Verein in den zehn Jahren entwickelt?

Kai Hegemann: Die Entwicklung ist auf jeden Fall positiver, als wir gedacht haben. Wir sind damals zusammengekommen, um zu sehen, ob wir das in diesem Großverein überhaupt alles stemmen können. Können wir die Mitglieder zusammenführen, denn gerade zwischen Westtünnen und Berge gab es schon die eine oder andere Schwierigkeit. Nach zehn Jahren muss ich jetzt sagen: Wir merken da nichts mehr von. Es gibt nur noch einzelne, ältere Personen, die noch von Westtünnen und Berge sprechen. Doch inzwischen hat die Jugend das Kommando übernommen, und für die ist klar, dass ihre Heimat der HSC ist. Und das ist auch gut so.

Wie viele Mitglieder waren es bei der Verschmelzung, wie viele sind es heute?

Hegemann: Wir sind damals angefangen mit 4267 und haben heute 4820. Direkt nach dem Zusammenschluss haben wir einige Passive verloren, die diesen Anlass genutzt haben, um den Verein zu verlassen. Das waren etwa 260. Deswegen waren wir zunächst bei 4000, doch danach ist die Kurve ständig nach oben gegangen. Jetzt sind wir wieder kurz vor den 5000. Das sind Nettozahlen mit den Leuten, die zum 31. Dezember ausgetreten sind. Im Jahresmittel haben wir immer so 5200 bis 5300 Mitglieder. Das ist eine gute Größe, damit können wir unseren Park halten. Hinzu kommen 1000 Kursmitglieder, die nicht dem Verein angehören. Damit können wir gut arbeiten.

Wie viele Leute sind hauptamtlich im Verein tätig?

Hegemann: Wir sind in der Geschäftsstelle mit drei Leuten und zwei Auszubildenden angefangen. Heute sitzen hier sechs Leute und zwei Azubis sowie Kräfte, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. Damals waren wir mit Hausmeister und Reinigungskräften zehn, heute sind wir schon bei 65, die über die Sozialversicherung angemeldet sind und beim HSC auch Geld verdienen. Dazu kommen 300 Übungsleiter und noch einmal 200 Personen, die ehrenamtlich in den Vorständen arbeiten.

Die Vorgängervereine wurden damals fast schon familiär geführt. Vor allem der TV Westfalia Hamm, der später dazu gekommen ist. Sind das immer noch Klübchen für sich oder gibt es inzwischen ein gemeinsames HSC-Denken?

Hegemann: Inzwischen sind alle integriert. Es hat ja damals auch Gründe gegeben, warum die Vereine zu uns gekommen sind. Es wurde zum Teil der Eindruck erweckt, dass alle Clubs super gesund waren. Wer super gesund ist, der kommt nicht zum HSC. Da gab es schon Schwierigkeiten, meist im ehrenamtlichen Bereich, weil keine Helfer gefunden wurden. Dann ist so ein Verein, der so gut strukturiert ist wie wir, einfach eine gute Adresse. Die Leute können sich wieder auf das Sportliche konzentrieren, die Organisation und das Immobilienmanagement übernehmen wir. In diesem Gebilde sind alle gut untergekommen. Trotz der Größe ist der personelle Bezug noch sehr gut. Es sind Gruppen, die sich untereinander kennen. Wir machen viele Veranstaltungen auch bewusst zusammen. Wir mach Feten, veranstalten Freizeiten, die gut besucht werden. Auch wenn viele es angesichts der Größe nicht glauben: Man kennt sich hier noch.

Wie viele Sportarten bietet der HSC momentan an?

Hegemann: Wir haben derzeit 20 Abteilungen mit vielen Untergruppierungen. Für die 21. haben wir jetzt einen Aufnahmeantrag gestellt. Das sind die Special Olympics. Wir arbeiten jetzt auch verstärkt mit geistig Behinderten, haben bereits sechs Gruppen, die aktiv sind.

Sie beschäftigen viele Leute, haben zahlreiche Liegenschaften, die betreut und verwaltet werden müssen. Ist das allein mit den Mitgliedsbeiträgen zu stemmen?

Hegemann: Der Mitgliedsbeitrag macht bei uns noch ein Drittel des Gesamtetats aus. Wir arbeiten viel über Projekte, die extern gefördert werden. Zudem sind die 1000 Kursteilnehmer eine wirtschaftliche Komponente. Wir sind kein Sparverein. Wir investieren regelmäßig. Nicht in Beine, sondern in die Infrastruktur. Wir haben die Geschäftsstelle vergrößert, die Sportkita geschaffen, den Kunstrasen in Westtünnen errichtet, das Tennisklubhaus erweitert und die Bogensporthalle gebaut. Unser Kapital sind gute Sportstätten. Nur wenn wir eine ansprechende Infrastruktur haben kommen die Leute zu uns und sagen, der HSC ist etwas Besonderes. Von den Mitgliedsbeiträgen her liegen wir im oberen Bereich. Trotzdem kommen die Leute zu uns. Das muss ja einen Grund haben.

Das liegt doch vor allem an der Vielseitigkeit...

Hegemann: Ja, aber auch, dass wir Sportstätten anbieten, die jeden Tag durch eigene Kräfte gereinigt werden. Das ist gerade bei dem Klientel im älteren Bereich eine ganz wichtige Größe. Wir sagen, wenn wir den Mitgliedern viel Geld abnehmen, dann muss auch die Qualität der Sportstätten stimmen. Die Leute sind dann auch bereit, zu zahlen.

Ist die Übernahme der Schützenhalle in Westtünnen noch ein Thema, und wofür würden Sie diese nutzen?

Hegemann: Wir sind da immer noch in Gesprächen. Wir haben eine bestimmte Summe zur Verfügung. Geplant ist ein Turnleistungszentrum, in dem wir die Geräte fest installieren können. Der Aufbau ist aktuell für die Turner und Trainer immer ein sehr großer Aufwand. Neben den Leistungsturnern würden wir dort auch die Sportakrobaten unterbringen, doch das könnte wegen der geringen Höhe an den Seiten der Halle, die ja eigentlich als Tennishalle gebaut wurde, schon ein Problem werden.

Das Sportverhalten der Bevölkerung hat sich zuletzt sehr gewandelt. Viele möchten nicht an feste Trainingstermine gebunden sein und gehen deshalb in die sogenannten Muckibuden. Müssen Sie als Großverein nicht mit der Zeit gehen und den Mitgliedern nicht auch ein Sportstudio anbieten?

Hegemann: Wir sind in den Planungen. Dieser Anforderung müssen wir uns stellen. Da werden wir auch in nächster Zeit investieren. Das Thema wird aber nicht beantwortet mit einem 15-Euro-Flatrate-Studio. Wir wollen Qualität anbieten, sonst kommt keiner nach Berge. Wir wollen die Leute auch nicht allein lassen. Bei diesen Bewegungsabläufen an den Geräten muss es eine Kontrolle durch fachlich qualifizierte Übungsleiter geben, denn ansonsten machst du das ein halbes Jahr und gehst anschließend drei Jahre lang zum Orthopäden, der alles wieder gerade biegen muss. Wir geben lieber ein bisschen mehr Geld aus, machen es dafür aber gescheit. Wir möchten mit einem Sportstudio auch den Reha-Bereich verbessern.

Bei der Verschmelzung wurde festgelegt, dass an Sportler kein Geld gezahlt wird. Am Anfang hat es deshalb große Probleme mit den Fußballern gegeben. Ist dieser Grundsatz in Stein gemeißelt?

Hegemann: Ich würde niemals nie sagen. Man weiß nicht, was passiert. Aber im Augenblick sieht unsere Satzung ganz klar vor, dass es keinen bezahlten Sport im HSC gibt. Das war ein elementares Teil. Sonst hätte der TSV Berge damals als Turnverein dieser Verschmelzung auch nicht zugestimmt. Wir haben vor allem im Fußballbereich sehr viel in die Platzanlage investiert. Das kann man heute ganz deutlich sehen. Die Leute gehen wieder gerne dahin. Andere Fußball-Vereine stecken ihr Geld allein in die erste Mannschaft, dementsprechend sieht deren Umfeld aus.

War das auch der Grund dafür, dass sich der SV Westfalia Rhynern nicht dem HSC angeschlossen hat?

Hegemann: Es hat schon kurz nach der Verschmelzung eine Anfrage aus Rhynern gegeben. Aber für uns war klar, dass wir nur den Breitensport gemeinsam weiterführen würden. Unser Vorschlag war, dass die erste und zweite Fußball-Mannschaft sowie die A-Jugend in einen neu zu gründenden Verein ausgegliedert werde sollten. Per Kooperationsvertrag wären dann unsere Talente, die den Sprung schaffen könnten, nach Rhynern gegangen. Dieser Vorschlag ist vom SV Westfalia aber abgelehnt worden.

Wie werden Sie das zehnjährige Bestehen feiern?

Hegemann: Wir unterstützen die Stadt Hamm bei der Ausrichtung des Maxilaufs. Wir werden den Tanz in den Mai etwas größer gestalten. Man kann das den Leuten auch nur schwer erklären. 2009 haben wir 100 Jahre gefeiert, weil damals der TSV Berge von 1909 der älteste Verein war. Westtünnen war von 1926. Jetzt haben wir auch Westfalia Hamm von 1891 dabei. Da hätten wir 2016 125 Jahre feiern können. Deshalb verzichten wir auf große Feiern und investieren lieber weiter in den Verein.

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