Vollblut-Kicker aus Rhynern

Hammer Lucas Arenz will sich Profi-Traum erfüllen

Der in Rhynern wohnende Lucas Arenz im Trikot von RW Essen.

HAMM - Er wohnt in Rhynern. Er ist früher selbst beim SV Westfalia dem Leder nachgejagt. Und dennoch war Lucas Arenz, 20 Jahre alter Vollblut-Kicker, am Samstag nicht zu Gast am Papenloh, um das Derby gegen die Hammer SpVg zu verfolgen. Der Grund: Er war selbst im Einsatz.

Arentz trat im Trikot von RW Essen im Auswärtsspiel der Regionalliga West am gleichen Tag beim KFC Uerdingen 05 an. „Das war natürlich schade, denn das Spiel hätte ich mir schon gerne angeschaut“, sagt Arenz. Doch seine eigene Karriere, die gerade mächtig Fahrt aufnimmt, steht im Vordergrund. Denn wenn es nach dem gebürtigen Hammer geht, dann soll der Traditionsverein von der Hafenstraße nicht die Endstation in seinem Fußballer-Leben sein

Bis zur D-Jugend spielte der Rhyneraner, der immer noch in seinem „Heimatdorf“ lebt, am Papenloh. Sein erster Trainer war Helmut Wagner, zu seinen Teamkollegen gehörte unter anderem auch Lennard Kleine, der jetzt zum Kader von Rhynerns erster Mannschaft gehört.

Lucas Arenz

„Das ist natürlich alles schon ein bisschen her mit meiner Kickerei in Rhynern. Aber ich weiß noch, dass ich immer Stürmer war und beim älteren Jahrgang dabei war“, erinnert sich Arenz. Doch schnell waren damals höherklassige Vereine auf sein beachtliches Talent aufmerksam geworden. So wechselte er mit zwölf Jahren zu Borussia Dortmund, wo er aber nach nur einer Spielzeit wieder seine Zelte abbrach. „Mein Trainer war Volker Pröpper, der stand jedoch eher auf großgewachsene Spieler. Da hatte ich als kleiner und wuseliger Stürmer keine Chance“, berichtet der Hammer, den es dann zu LR Ahlen zog.

Dort war er vier Jahre lang aktiv, ehe er dem Lockruf des SC Preußen Münster folgte. Jetzt trägt er im zweiten Jahr das Trikot von RW Essen – eine Entscheidung, die er bislang noch keinen Moment bereut hat. „Es ist einfach immer wieder ein riesen Erlebnis, ein unglaublicher Event, vor diesen tollen Fans aufzulaufen. Es sind ja immer mindesten 8000 bis 10.000 Zuschauer bei den Heimpartien auf den Rängen. "Es ist einfach geil, da zu spielen“, bekommt Arenz leuchtende Augen, wenn er von den Auftritten im neuen Stadion berichtet.

Dabei schien die Saison anfangs unter keinem guten Stern zu stehen. Denn im Oktober zog er sich zuerst bei der Partie gegen Fortuna Köln einen Bänderriss im Sprunggelenk zu. Als diese Verletzung gerade ausgeheilt war, schickte ihn RWE-Trainer Waldemar Wrobel zur zweiten Mannschaft, die in der Oberliga-Niederrhein antritt, um Spielpraxis zu sammeln. Dort fiel er dann so unglücklich auf die Schulter, dass er eine Schultereckgelenksprengung erlitt.

„Das ist echt doof gelaufen. Aber glücklicherweise war alles halb so schlimm, die Verletzungen waren nicht so gravierend“, erzählt der 20-Jährige, der Ende November bereits wieder in der Ersten zum Einsatz kam. Mittlerweile gehört er zum festen Stamm des Regionalliga-Teams, stand in diesem Jahr außer am Samstag beim 1:1 in Uerdingen, als er in der Schlussphase eingewechselt wurde, bei jeder Partie im rechten offensiven Mittelfeld beim Anpfiff auf den Platz – und hat sich sogar schon in die Torschützenliste eingetragen.

Platz drei bei der Wahl zum Tor des Monats

Bei der unglücklichen 2:3-Niederlage gegen den SC Wiedenbrück hatte er die Essener mit einem fulminanten Schuss in den Winkel mit 1:0 in Führung gebracht. Die Verantwortlichen der ARD-Sportschau fanden diesen Treffer so spektakulär, dass sie ihn im Januar zum Tor des Monats zur Wahl stellten (WA.de berichtete hier). Letztlich landete Arenz mit seinem Winkeltreffer hinter Thiagos Fallrückzieher in der Partie des FC Bayern beim VfB Stuttgart und Nuri Sahins Freistoßtor beim BVB-Remis gegen den FC Augsburg nur auf Platz drei, doch der Hammer ärgerte sich darüber überhaupt nicht. „Hinter diesen Stars kann man ja wohl Dritter werden, das ist immer noch eine tolle Auszeichnung“, sagt er.

Doch insgeheim träumt er davon, irgendwann mit diesen Profis auf Augenhöhe zu sein und ihnen in der Bundesliga gegenüber zu stehen. „Klar will jeder so hoch hinaus, wie es geht“, sagt er. „Aber ob das klappt, das weiß man nicht.“ Arenz jedenfalls will alles dafür tun, dass er sich seinen Traum erfüllen kann. Sein Vertrag an der Hafenstraße läuft bis zum Sommer 2015. Genauso lange dauert es auch noch, bis er seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann, die er derzeit bei seinem Onkel in Dortmund absolviert, abgeschlossen hat. „Es ist immer gut, ein zweites Standbein zu haben“, erklärt er, hätte aber nichts dagegen, wenn er dieses nicht benötigt. Ehe er sich aber Gedanken über den zweiten Schritt macht, will er sich mit der derzeitigen Situation bei RWE beschäftigen.

Momentan läuft es beim Deutschen Meister von 1955 nicht optimal, das Team steckt im n Mittelfeld der Liga fest. „Aber in ein, zwei Jahren würden wir schon gerne mit den Topclubs der Regionalliga mithalten und aufsteigen“, sagt der Rhyneraner – und hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn er persönlich noch weiter aufsteigen würde.  –pad–

Arenz' nominierter Treffer im Youtube-Video (Start bei Minute 3'13):

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