Leichtathletik

Linn Kleine auf dem Weg zur EM nach Tallinn

Die Hammer Leichtathletin Linn Kleine startet in Tallinn bei der U23-EM.
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Letzter Gruß vorm Abflug: Die Hammer Leichtathletin Linn Kleine startet in Tallinn bei der U23-EM.

Die Norm hatte sie längst erfüllt, doch erst in der vergangenen Woche wurde das Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) für die U23-Europameisterschaft in Tallinn bekannt gegeben. Am Dienstag macht sich der DLV-Tross auf in die estnische Hauptstadt. Mit dabei: Die Hammerin Linn Lara Kleine.

Hamm/Dortmund – Dass die 20-Jährige zum DLV-Team gehört, überraschte sie zwar nicht, die Freude war dennoch immens – schließlich war die EM das große Ziel, auf das die Hammerin, die für die LG Olympia Dortmund startet, die gesamte Saison über hingearbeitet hatte. „Ich freue mich sehr, für meine nächste internationale Meisterschaft nominiert zu sein“, sagt die Langstrecklerin, die die deutschen Farben in Tallinn auf der 10 000-Meter-Strecke vertreten wird.

Der rote Strich auf dem Veranstaltungskalender für die EM war so dick, dass für die Hammerin selbst die deutsche U23-Meisterschaft, die vor gut einer Woche in Koblenz ausgetragen wurde, nur Durchgangsstation war. „Mit meiner Leistung dort bin ich nicht ganz zufrieden. Es war ein sehr taktisches Rennen mit sehr niedrigem Anfangstempo, das sich erst in der Endphase entschieden hat“, sagt Kleine, die allerdings darauf hinweist, dass die Bedingungen, unter denen sie in Koblenz über 5000 Meter angetreten war, nicht optimal gewesen sind. „Diesen Lauf muss man in den Kontext einbetten“, waren Platz vier und 16:48,80 Min. für sie erklärbar. „Ich war erst am Donnerstag aus dem Höhentrainingslager in St. Moritz zurück und entsprechend noch nicht gut erholt. Mir steckten Spitzenwochen mit 130 und 140 Laufkilometern plus Alternativ- und Krafttraining in den Beinen.“

Dass sie die hohe Belastung in St. Moritz schmerzfrei und problemlos gehen konnte, zeigte ihr, dass sie nach ihrem Ermüdungsbruch im Becken aus dem vergangenen Jahr, der sie sechs Monate Training gekostet hatte, wieder Vertrauen in ihren Körper haben darf. „Ich bin dankbar, wieder in Bereiche mit so hohen Umfängen vorstoßen zu können“, sagt Kleine. „Bis zum Wettkampf werde ich mich meiner Regeneration widmen, um erholt und ausgeruht an der Startlinie stehen zu können.“

10000-m-Start bereits am Freitag um 19.40 Uhr

Gerade rechtzeitig ist die DLV-Mannschaftskleidung bei ihr eingetroffen. Am Dienstag startet der Flieger dann von Frankfurt aus direkt nach Tallinn, wo bereits am Freitag (19.40 Uhr) ihr 10 000-m-Finale ansteht. „Darüber bin ich sehr glücklich. Normalerweise finden bei nationalen Meisterschaften die Langstrecken immer am letzten Tag statt, wodurch man sich lange gedulden und die Konzentration hoch halten muss“, sagt die Hammerin. „Jetzt kann ich im Anschluss entspannt die anderen Disziplinen verfolgen und das Team Germany anfeuern.“

Dass dies keine EM wird, die unter normalen Bedingungen stattfindet, weiß die 20-Jährige. „Aufgrund der Pandemie wird das in keiner Weise vergleichbar sein mit den anderen vier internationalen Meisterschaften, an denen ich bisher teilnehmen durfte“, sagt sie. „Wir müssen uns sowohl vor dem Abflug als auch vor Ort und vor der Rückreise mehrfach testen lassen. In Tallinn werden wir uns nach dem PCR-Test so lange in Selbstisolation begeben, bis ein negatives Ergebnis vorliegt. Das kann bis zu zehn Stunden dauern...“

Nach aktuellem Stand ist es den Sportlerinnen und Sportlern sogar untersagt, das Hotel zu verlassen – abgesehen vom eigenen Training und Wettkampf. „Gerne hätte ich die Stadt erkundet, deshalb hoffe ich, dass die Regelungen noch etwas gelockert werden.“ Wer sich nicht dran hält, nimmt die Ausweisung in Kauf. Sollte es keine Lockerung mehr geben, hat sie aber genügend Bücher und Lernstoff dabei und hofft, dass es einen Livestream von den Wettkämpfen gibt.

Trotz aller Umstände ist die Wahl-Dortmunderin froh, dass die EM überhaupt stattfindet – nachdem die Wettkämpfe im ursprünglich geplanten Austragungsort Bergen (Norwegen) erst vor wenigen Wochen abgesagt worden waren und Tallinn kurzfristig eingesprungen ist. Ein konkretes Ziel hat sie sich daher nicht gesetzt – eine schnellere Zeit als die 34:19 Min. von der DM-Langstrecke in Mainz, mit der sie sich qualifiziert hat, wäre etwas. „Aber das ist vom Rennverlauf und den äußeren Gegebenheiten abhängig, liegt also nicht in meiner Hand“, sagt Kleine. „Für mich ist es schon eine Ehre, als jüngster Jahrgang qualifiziert zu sein – besonders nach meiner Verletzung hatte ich damit nicht gerechnet.“

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