Fußball

Burnic hat mit Heidenheim ehrgeizige Ziele

In den letzten sieben Spielen des Zweiligisten 1. FC Heidenheim stand der Hammer Dzenis Burnic auf dem Platz.
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In den letzten sieben Spielen des Zweiligisten 1. FC Heidenheim stand der Hammer Dzenis Burnic auf dem Platz.

Der Hammer Fußball-Profi Dzenis Burnic ist nach 13 Jahren Borussia Dortmund nun beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim gelandet. Nach einem Muskelbündelriss zu Beginn der Saison hat er sich jetzt in die Mannschaft zurückgekämpft.

Hamm – Lediglich sieben Jahre alt war Dzenis Burnic, als er sich vom damaligen SV 26 Heessen (heute SVE) aus auf den Weg in die große Fußball-Welt begab und beim Nachbarn BV Borussia Dortmund anheuerte. 15 Jahre später hat für den Hammer Jungprofi ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Nicht mehr der BVB, sondern der Zweitligist 1. FC Heidenheim ist seit Sommer sein Lebensmittelpunkt. „Ich habe mich gut eingelebt, fühle mich sehr wohl in Heidenheim“, bestätigt Burnic, für den die 49 000-Einwohner-Stadt in Baden-Württemberg zur neuen Heimat geworden ist.

Viermal Meister mit dem BVB

Für Burnic war es allerdings nicht leicht, den BVB zu verlassen. Bei den Dortmundern wuchs er praktisch auf, nahm als Nachwuchskicker eine außergewöhnliche Entwicklung. Er wurde 2014 und 2015 Deutscher Meister mit den B-Junioren, ließ anschließend zwei nationale Titel 2016 und 2017 mit den A-Junioren folgen. In dieser Zeit schaffte er zudem den Sprung in die Nachwuchs-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes.

2015 holte ihn der damalige BVB-Coach Jürgen Klopp in den Dortmunder Profi-Kader, im Oktober 2016 durfte er schon in der Nachspielzeit sein Debüt in der Champions League beim 2:1-Erfolg der Borussia bei Sporting Lissabon feiern. Zu diesem Zeitpunkt hieß der Trainer Thomas Tuchel. Wenig später bestritt Burnic in Darmstadt auch sein erstes Bundesligaspiel für den BVB.

Training unter Klopp und Tuchel

Eine Phase, in der der Heessener sehr viel lernte. „Das war eine tolle Zeit. Ich habe das Training unter Klopp und Tuchel genossen, habe alles aufgesogen, was eben möglich war“, beteuert Burnic, der anschließend allerdings die Erkenntnis hinnehmen musste, dass es im Fußball Höhen und Tiefen gibt. Weil in Dortmund der entscheidende Sprung sportlich nicht gelang, wurde er zunächst ein Jahr an den VfB Stuttgart, dann zwei weitere Jahre Jahre an Dynamo Dresden ausgeliehen. „Bereut habe ich aber nichts. Ich habe auch aus Stuttgart und Dresden einiges mitgenommen. Es ist wichtig, Erfahrungen zu sammeln. Das bringt einen auch weiter“, meint Burnic, der mit Dresden sogar den bitteren Weg in die 3. Liga gehen musste, wegen einer schweren Verletzung (Bänderriss im Sprunggelenk) in der entscheidenden Phase aber nicht mehr helfen konnte.

Da er nach der Rückkehr nach Dortmund angesichts des Überangebots des BVB an Mittelfeldakteuren auch unter Trainer Lucien Favre keine Perspektive sah, musste Burnic im Juli eine richtungweisende Entscheidung treffen. „Ein weiteres Leihgeschäft kam nicht mehr In Frage. Ich wollte einfach den nächsten Schritt gehen“, sagt der Mittelfeldakteur, dem im Sommer mehrere Angebote vorlagen.

In Heidenheim hat alles gepasst

Dass er sich schließlich für den 1. FC Heidenheim entschied, hatte auch etwas mit dem Wohlfühlfaktor zu tun. „Ich bin nach Heidenheim gefahren, habe mir alles angesehen und auch ein längeres Gespräch mit Trainer Frank Schmidt geführt“, berichtet Burnic. „Ich hatte von Beginn an einen sehr guten Eindruck von Verein und Umfeld, es hat einfach alles gepasst. Deswegen habe ich für drei Jahre unterschrieben.“

Nicht zuletzt auch, weil die Heidenheimer Anfang Juli in der Relegation vehement an die Tür zur Bundesliga geklopft hatten und nach dem 0:0 und 2:2 lediglich wegen der Anzahl der Auswärtstore an Werder Bremen gescheitert waren. „Mir hat gefallen, wie sie dabei aufgetreten sind“, sagt Burnic.

Er hegt weiter ehrgeizige Ziele, will sich irgendwann als Bundesliga-Profi etablieren. Gerne auch mit Heidenheim, doch von Aufstieg wird beim 1. FC, der derzeit mit 22 Punkten Rang sieben in der 2. Liga belegt, nicht geredet. „Da gibt es keinen Druck“, versichert Burnic, dessen Start beim Zweitligisten nicht allzu glücklich verlief. Zunächst hatte er Adduktorenprobleme, dann warf ihn ein Muskelbündelriss im Oberschenkel im Oktober weit zurück. „Das waren für mich sieben harte Wochen“, meint der 22-Jährige, der in dieser schweren Zeit die Vorzüge dieses sehr familiär geführten Vereins erkannte. „Hier sind alle sehr eng zusammen. Die Profis, die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle oder der Platzwart. Hier reden alle miteinander“, erzählt Burnic, der sich inzwischen zurück in den Kader gekämpft hat. In den vergangenen sieben Spielen wurde er von Coach Schmidt auch eingesetzt, bereitete am Samstag beim 2:0-Heimsieg über den 1. FC Nürnberg das 1:0 durch Dennis Thomalla mit einem genialen Chippass über die Club-Abwehr vor. „Wenn man regelmäßig trainiert, denn kennt man auch die Laufwege der Kollegen. Das klappt jetzt immer besser“, hofft Burnic auf eine weitere Steigerung.

Kontakt zum BVB nicht abgerissen

Die Kontakte zu den ehemaligen Dortmunder Kollegen sind keineswegs abgerissen. „Direkt nach dem Spiel gegen Nürnberg habe ich eine WhatsApp von Marcel Schmelzer bekommen, der mir zur Torvorlage gratuliert hat“, bestätigt Burnic, der sich regelmäßig mit weiteren BVB-Akteuren austauscht. „Wir spielen, wenn es der Terminplan ermöglicht, auch mit der Konsole gegeneinander Fußball“, sagt der Neu-Heidenheimer, was zu Corona-Zeiten durchaus öfter der Fall ist. „Man ist ja vorsichtig, geht nur zum Training und ist ansonsten meist daheim“, erklärt der Profi. Deshalb verfolgt er weiter mit sehr großem Interesse, was bei Borussia Dortmund passiert. „Ich bin jetzt nicht mehr Spieler, aber immer noch ein großer Fan des BVB. Das übrigens seit frühester Kindheit.“

Auf Grund der großen Distanz ist er nur noch selten an seinem Geburtsort in Hamm. „Seit dem ich in Heidenheim wohne, war ich lediglich einmal bei meinen Eltern in Heessen, und das über die Weihnachtstage“, erklärt Burnic. „Wir hatten nur drei Tage frei, mussten dann wieder zum Corona-Test.“

Burnic hofft, dass die Pandemie-Zeit möglichst bald zu Ende geht. „Mir fehlen vor allem die Fans auf den Rängen. Wenn man auf dem Platz steht, dann hakt man zwar alles ab und konzentriert sich auf seine Aufgabe, doch die Zuschauer fehlen mir schon. Allein wegen der Emotionen.“ Jetzt hofft er aber zunächst darauf, dass er seine Leistungen weiter stabilisieren kann. „Ich bin fit, fühle mich körperlich wieder sehr gut“, beteuert Burnic, der auch die U21-Nationalmannschaft nicht aus den Augen verloren hat. „Wegen der Verletzung konnte ich leider am letzten DFB-Lehrgang nicht teilnehmen“, berichtet Burnic, der sich aber darüber freut, dass U21-Bundestrainer Stefan Kuntz weiter Kontakt zu ihm hält. „Er hat mir gute Besserung gewünscht und erklärt, dass er mich sehr gerne bald wieder begrüßen würde.“ Was sie auch in seiner neuen Heimat in Heidenheim bestimmt gerne sehen würden.

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