Discgolfer Timo Hartmann

Durch Wald und über Wiese zum Vize-Weltmeister-Titel

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Mit einer ruhigen Hand, viel Präzision und angeeigneter Routine visiert der Hammer Timo Hartmann sein Ziel an

18 Kurse, mehrere hundert Meter zwischen Tee und Green, ein Ziel: Mit möglichst wenigen Vorstößen unter Par bleiben. Der Hammer Timo Hartmann hat den Sport Discgolf für sich entdeckt – und bei den Weltmeisterschaften bewiesen, dass er eine der größten Nachwuchshoffnungen Deutschlands ist.

Hamm - Der Zufall hat das sportliche Leben von Timo Hartmann verändert. Während eines Ostsee-Urlaubs liefen der damals Elfjährige und seine Familie an einer Grünfläche vorbei, auf der Kinder und Jugendliche mit einer Frisbeescheibe einen metallischen Korb anvisierten. „Das fand ich damals echt interessant, weshalb mich meine Eltern noch in diesem Urlaub für einen Kurs angemeldet hatten“, erinnert sich Hartmann. 

Dass er sich rund viereinhalb Jahre später zweifacher deutscher Junioren-meister und neuerdings auch Vize-Weltmeister im Discgolf nennen darf, hätte sich Hartmann wohl damals nicht erträumen lassen. Schon gar nicht, nachdem er früh feststellte, dass ein Ausüben seines neuen Lieblingssports keine niedrige Hürde darstellte. 

Professioneller Trainer bereitet Hartmann bestens vor

Einen Verein in Hamm gab und gibt es nicht, Spielkameraden fand er zumeist in einer Discgolf-Gruppe in Lünen und Dortmund. Eine weite Anreise für einen Teenager, der noch auf seine Eltern angewiesen ist. Ein Korb im eigenen Garten musste her, um täglich das Putten, den finalen Wurf in den Korb aus kurzer Entfernung, zu trainieren. 

Lange musste Hartmann auf professionelle Unterstützung allerdings nicht warten. Schon früh nahm ihn sein Trainer und heutiger  Sportdirektor der deutschen Nationalmannschaft Wolfgang Kraus unter seine Fittiche und bereitete Hartmann auf anstehende Wettbewerbe vor. Dem Kapitän des deutschen Grandmaster-Teams sei es zu verdanken, dass Hartmann mittlerweile die verschiedensten Strecken mit einer Länge zwischen 90 und 300 Metern mit Bravour meistert. 

Hartmann auf der Suche nach neuer Konkurrenz

„Dabei geht es durch alle möglichen Landschaften, durch Wald und über Wiese, bergauf und bergab“, erklärt Hartmann und lässt sein angeeignetes Wissen sprechen. Nicht umsonst qualifizierte sich der Jungspund für die Weltmeisterschaften in Estland Ende August, gewann der 15-jährige Hammer doch seit April dieses Jahres auf Landesebene mehrere Turniere im Open-Bereich, in dem 19- bis 40 Jährige Teilnehmer gegeneinander antreten. 

„Ich habe zusammen mit meinem Trainer entschieden, mir neue Konkurrenz zu suchen“, so Hartmann über seinen Austritt aus den Junioren. Ein Schritt, der ihn bestens auf die WM vom 21. bis 24. August vorbereitete. Bereits Tage zuvor reiste er zusammen mit Trainer Kraus nach Alutaguse in den Nordosten Estland, um sich dort bestmöglich vorzubereiten. 

Erfolgreiche Aufholjagd im Halbfinale

Mit Erfolg: Zusammen mit seinem Team-Deutschland schaffte er es in einem 17er-Teilnehmerfeld locker aus der Gruppenphase hinaus. Im darauf folgenden Zwei-gegen-zwei-K.o.-Wettbewerb auf insgesamt 18 Kursen, in dem sich die Teamkameraden abwechselnd dem Korb nähern, ließ Deutschland Kanada und Österreich hinter sich, wenngleich der Einzug in das Finale gegen das Nachbarland am seidenen Faden – und an Hartmann höchstselbst – hing. 

„Ich lag bei Gleichstand zwischen uns und Österreich im entscheidenden Duell mit meinem Kontrahenten mit vier Punkten hinten und konnte auf den letzten fünf Bahnen noch fünf Punkte wettmachen“, ist Hartmann voller Stolz über seinen Balance-Akt. Denn rechts und links der Strecke lag die verbotene OB-Zone, dessen Betreten einen Strafpunkt nach sich gezogen hätte. 

Präzision und Wurfweite waren gefragt. „Wenn der Wind passt, werfe ich rund 180 Meter weit“, berichtet Hartmann, der sich die benötigte Muskelkraft im Fitnessstudio aneignet. Für einen sportlichen Ausgleich hingegen sorgt der Hammer SC: „Dort spiele ich Fußball und genieße den Mannschaftssport und das menschliche Miteinander. Das bleibt im Discgolf doch zumeist auf der Strecke“, so Hartmann, der aus seinem klaren Favoriten jedoch keinen Hehl macht: „Wenn es am Wochenende zu Überschneidungen kommt, werde ich mich immer für Discgolf entscheiden und die Fußballschuhe stehen lassen.“ 

Im Oktober soll der dritte Titel auf Landesebene folgen

Für das große Ganze hat es für Hartmann bei der WM allerdings nicht gereicht. Gegen Finnland war im Finale Schluss für das Team-Deutschland. „Finnland hat im Schnitt fünf bis zehn Meter weiter und präziser geworfen. Sie haben einfach die besseren Leute und sind im Discgolfen um einiges weiter als wir“, nahm Hartmann die Niederlage als eine gerechte hin. 

Für ihn war es dennoch sein bestes Turnier, das er "er je gespielt hatte.“ An die gezeigte Leistung anknüpfen will der Hammer bereits im Oktober, wenn vom 4. bis 6. die 34. deutsche Discgolf-Meisterschaft in Neuss stattfindet. „Dort will ich meinen Titel verteidigen und zum dritten Mal Deutscher Meister werden“, blickt Hartmann selbstbewusst voraus. 

In der Nachbarstadt Düsseldorfs wird er allerdings zum letzten Mal bei den Junioren antreten. „Ich wollte zwar bereits in diesem Jahr bei den Open mitmachen, mein Trainer musste mich aber bremsen“, berichtet Hartmann. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Hartmanns großes Ziel: „Der EM-Titel 2020 und der WM-Titel 2021.“

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