Hammer Klubs zeigen Verständnis für den Verband

+
Bockum-Hövels Markus Matzelle.

Eine Lösung ohne Verlierer scheint es im durch Corona stockenden Amateurfußball nicht zu geben. Deshalb schauen die Klubs in diesen Tagen gespannt auf den Westfälischen Fußballverband (FLVW), der zwar die Entscheidungsmacht besitzt, aber gerade deshalb einen Ansturm an Klagen fürchtet. Die Hammer Funktionäre haben Verständnis für den Verband, wenngleich sich ihre Teams selbst in prekären Lagen befinden.

Hamm – Die Krisenstimmung rund um, aber eben nicht auf dem Sportplatz ist in Zeiten, in denen Covid-19 das menschliche Handeln bestimmt, greifbar. Fußballer, die weder spielen noch trainieren können, Manager, die schmerzlich jegliche Form der organisierten Planung entbehren oder Trainer, die gefrustet auf der Couch liegen, anstatt bunte Hütchen zum Slalomlauf aufzustellen. Jeder schleppt eine Last mit sich herum, trotzdem will niemand in der Haut derer stecken, die so schnell wie möglich eine Entscheidung fällen müssen. Eine Entscheidung darüber, wie die Saison im Amateurfußball beendet werden sollte.

Jens Heusener, Fußball-Abteilungsleiter von A-Ligist SVE Heessen, stellt sich deshalb voll hinter die Verbände: „Wir müssen Verständnis haben. Die können es ja im Grunde nur falsch machen“, spielt der 46-Jährige darauf an, dass ein Entschluss es in keinem Fall allen Recht machen wird. „Deshalb nehmen wir die Entscheidung so an, wie sie eben kommt.“ Auch wenn die erste Mannschaft des Vereins etwa bei einer Annulierung der Saison nicht gerade als Gewinner aus der Debatte gehen würde. Schließlich feierte der SVE noch vor wenigen Monaten die Herbstmeisterschaft in der Kreisliga A und steht auch aktuell noch an der Tabellenspitze der Liga. „Klar, wäre es ein Schlag ins Gesicht, nicht aufzusteigen, aber da kann dann auch niemand etwas dazu“, ordnet der Hörfunkmoderator die Sutuation ein.

Rechtliche Schritte offen lassen

In der gleichen Liga und mit fünf Zählern weniger nur einen Platz hinter Heessen rangiert der VfL Mark in der Tabelle. Auch die Schwarz-Weißen würden eigentlich noch gerne um die Meisterschaft buhlen. „Es wäre schon ärgerlich, wenn uns diese Gelegenheit genommen würde“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Philipp Bockey. Eine Playoff-Regelung wäre für den VfL deutlich dankbarer, „dann ist es wiederum ungerecht Heessen gegenüber“, denkt Bockey laut nach und gibt im nächsten Atemzug offen zu: „Je nach Entscheidung müssen wir schon intern Rücksprache halten und prüfen, ob das fair ist.“ Trotzdem kann er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen, rechtlich gegen die Verbände vorzugehen.

Obwohl das die größte Sorge des FLVW zu sein scheint. Wie die „Ruhr Nachrichten“ berichteten, wurde in einer Telefonkonferenz mit den Sportlichen Leitern der Regionalliga West die Angst des Westfälischen Fußballverbands vor der Klagewut einiger Vereine deutlich, die für eine Verlängerung der ungewissen Krisenzeit sorgen würde. „Ich bin auch heilfroh, dass ich das nicht entscheiden muss“, so Bockey.

Wiescherhöfen will Entscheidung akzeptieren

„Gibt es überhaupt eine faire Lösung?“, fragt Manfred Roland, Vorsitzender von Landesligist TuS Wiescherhöfen, wohl wissend, dass bei der Beantwortung jener Frage ein Kopfschütteln genügt. Aktuell belegt das Team von der Wielandstraße einen Abstiegsplatz, die Hinserie beendete der TuS dagegen noch auf Platz 13, dem rettenden Ufer.

„Sollte nur die Hinrunde gewertet werden, wäre das für uns natürlich gut“, gibt Roland unumwunden zu. „Aber dann meckern ja auch wieder die, die an der Spitze stehen“, sagt der Vorsitzende. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Wessel müsse ihr Schicksal daher hinnehmen. „Wir werden die Entscheidung – egal, wie sie ausfällt – akzeptieren. Sonst würde sich die ganze Geschichte ja noch länger ziehen“, mutmaßt Roland. Und das will der fußballverrückte Mann, der laut eigenen Aussagen sein „halbes Leben auf und neben dem Platz“ verbracht hat, in jedem Fall vermeiden. Doch Roland weiß auch um die Gelder, die hinter dem Sport stecken, und dass höherklassige Vereine eher um den Entschluss des Landesverbands bangen.

In Hamm zählen Westfalia Rhynern und die Hammer SpVg als Oberligisten zu jenen höherklassigen Teams. Während die Kicker vom Papenloh im gesicherten Tabellenmittelfeld weder Gefahren noch Hoffnungen ausgesetzt sind, hat die HSV die Rote Laterne im festen Besitz. Wird die Saison also zum jetzigen Zeitpunkt abgebrochen, steigt der Traditionsklub ab, ein Szenario, das man im Hammer Osten gerne vermeiden will. Deshalb kann Fußball-Abteilungsleiter Dirk Blumenkemper zumindest nicht ganz ausschließen, rechtliche Schritte gegen Verbandsentscheidungen einzuleiten: „Im Ernstfall müssen wir darüber nachdenken, ob und wie wir sowas korrigieren können“, erklärt Blumenkemper, stellt aber auch klar: „Es kann genauso gut sein, dass wir uns dem fügen. Das hängt ganz von der Situation ab.“ Momentan sei jedoch noch längt keine Lösung absehbar. Schließlich tappt die Fußballwelt im Dunkeln, etwa im Schatten politischer Entscheidungsträger.

Mit einer Menge Glück aus dem Schneider wäre die HSV samt ihrer Zweitvertretung, welche in der Bezirksliga abgeschlagen auf dem letzten Platz steht, wenn die Saison gänzlich annulliert wird oder aber es keine Absteiger gibt. „Natürlich würden wir das annehmen. Aber am liebsten möchten wir die Saison sportlich zu Ende bringen“, betont Blumenkemper und fügt an. „Wir waren schon mit dem Verband im Austausch. Der hat uns zumindest signalisiert, dass die Vollendung der Spielzeit, im Notfall bis über den Juni hinaus, nach wie vor das Ziel ist.“

Auch Markus Matzelle, Sportlicher Leiter von Bezirksligist SG Bockum-Hövel fordert vom Verband, die Entscheidung aufzuschieben, um den Spielbetrieb dann wieder aufzunehmen. „Warum nicht bis in den Sommer? In den unteren Klassen haben wir doch nicht den Druck, den die Bundesliga hat“, bekräftigt der ehemalige Trainer der SG, die mit nur einem Punkt Rückstand dem SV Drensteinfurt im Nacken sitzt. „Sollte es zu einem Abbruch kommen, wäre es meiner Meinung nach das fairste, die Hinrunde zu werten. Da hat jeder einmal gegen jeden gespielt. Und das sage ich nicht, weil wir da Erster waren“, so Matzelle. Ohnehin werde sich Bockum-Hövel dem Beschluss fügen.

Obwohl sie selbst betroffen sind, fühlen die Hammer also mit dem FLVW. „Man muss es eben auch einordnen“, liegen Heusener abschließend bedachte Worte auf der Zunge: „Am Ende des Tages ist es auch nur Fußball.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare