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Eisbären helfen Talent aus der Ukraine

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Von: Peter Schwennecker

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Mit einigen Ausrüstungsgegenständen stattete Philipp Alberti (links) von den Eisbären den ukrainischen Junioren-Nationalspieler Vladislav Sushkov (Mitte) aus. Rechts der Hammer Maxim Vasilev, der ihn betreut.
Mit einigen Ausrüstungsgegenständen stattete Philipp Alberti (links) von den Eisbären den ukrainischen Junioren-Nationalspieler Vladislav Sushkov (Mitte) aus. Rechts der Hammer Maxim Vasilev, der ihn betreut. © Schwennecker

Mit einigen Ausrüstungsgegenständen haben die Eisbären dem ukrainischen Eishockey-Junioren-Nationalspieler Vladislav Sushkov geholfen, damit der aus Dnipro geflüchtete 19-jährige Verteidiger in Deutschland erst einmal wieder trainieren kann.

Hamm – Er hat schon 50 Mal für Sokol Kiew in der ersten ukrainischen Liga gespielt, sogar 16 Mal in den verschiedenen Altersklassen von U14 bis U20 für sein Heimatland das Nationaltrikot getragen. Jetzt will Vladislav Sushkov, 19-jähriges Talent, in Deutschland sein Glück suchen. Erste Anlaufstation in Sachen Eishockey für Sushkov, der kurz nach Ostern mit seiner Mutter und Schwester wegen des brutalen Angriffkriegs Russlands auf die Ukraine aus Dnipro zu Freunden nach Lünen flüchtete, waren jetzt die Hammer Eisbären.

Kontingentplätze in Hamm besetzt

Die erklärten sich kurzfristig bereit, ihn erst einmal bei der Beschaffung der notwendigen Ausrüstung zu unterstützen. Schläger, Handschuh und Visier überreichte für den Verein Lippe Hockey Hamm und die Eisbären Philipp Alberti, der beim Oberligisten im Bereich Marketing tätig ist. „Uns ging es darum, spontan zu helfen, dass er hier in Deutschland zumindest wieder trainieren kann. Was daraus wird, muss man abwarten. Vielleicht hat er ja auch Interesse, in unserem Nachwuchsteam U20 zu spielen.“ Die beiden Kontingentplätze im Oberliga-Team sind ja bekanntlich durch Topscorer Kyle Brothers und Torjäger Chris Schutz belegt, die ihre Verträge bereits verlängert haben.

Der Verteidiger ist aber ehrgeizig, traut sich die Oberliga durchaus zu. Doch zunächst geht es für ihn darum, möglichst schnell die deutsche Sprache zu lernen. „Wenn man nicht richtig versteht, was um einen herum passiert, dann wird man sehr schnell unsicher und nervös“, lässt Sushkov durch seinen Betreuer Maxim Vasilev übersetzen. Der lebt bereits seit vielen Jahren in Hamm und ist seit längerer Zeit eng mit seinem Vater befreundet, der als LKW-Fahrer für eine Spedition aus Litauen in ganz Europa unterwegs ist.

Kontakt zu den Freunden in Dnipro

Vladislav Sushkov möchte sich in Lünen, wo er mit seiner Mutter und Schwester inzwischen eine eigene Wohnung bezogen hat, in Ruhe einleben. Den Krieg in seinem Heimatland kann er dabei nicht vergessen. Ständig steht er im telefonischen Kontakt mit seinen Freunden in Dnipro, um sich zu erkundigen, wie es ihnen geht. Ursprünglich stammt die Familie aus Donezk im Osten der Ukraine. „Deutschland hat uns jetzt schon zweimal gerettet“, erzählt Sushkov. Schon 2014 mussten wir aus dem Donbass flüchten. Später wurden sie dann aber in Dnipro heimisch, wo er nach der Schule auch ein Studium in Agrar-Ökonomie begann. „Vier Semester habe ich schon hinter mir“, erzählt er.

Erstmals wurde er mit dem Krieg konfrontiert, als er auf der Heimfahrt vom Training in Kiew nach Dnipro Explosionen erlebt hat. „Danach haben wir fast nur noch im Keller gesessen, nach Ostern die Möglichkeit zur Flucht nach Deutschland genutzt.“ Seine Mutter half ihm dabei, die vielen Formulare auszufüllen, damit er überhaupt ausreisen durfte und nicht zum Wehrdienst eingezogen wurde. Die Erleichterung war groß, als sie schließlich bei den Freunden in Lünen angekommen waren.

Zukunft in Deutschland möglich

Im Gegensatz zu seiner Mutter und Schwester, die irgendwann wieder in die ukrainische Heimat zurückkehren möchten, kann er sich eine Zukunft in Deutschland vorstellen. „Es gibt sehr viele nette, hilfsbereite Leute hier“, sagt der 19-Jährige, der durchaus realistisch ist und weiß, dass er nicht auf Anhieb als Profi einen Oberliga-Klub finden wird, bei dem er auch spielen kann. „Wenn es mit dem Eishockey nicht sofort klappt, werde ich erst einmal arbeiten, um Geld zu verdienen.“ Zudem hat er bereits Kontakt zu mehreren Universitäten aufgenommen. „Vielleicht kann ich auch im August irgendwo mein Studium fortsetzen.“ Deshalb würde er es sehr gerne sehen, wenn er in Hamm erst einmal mit den Eisbären nach der Sommerpause trainieren könnte. Da der Sportliche Leiter des Oberligisten, Ibrahim Weißleder, über ein sehr gutes Netzwerk verfügt, wird er dem Ukrainer sicherlich weiterhelfen können. Denn der Sport verbindet. „Nur darum geht es erst einmal“, beteuert Weißleder. „Und was daraus wird, muss man dann sehen.“

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