Eishockey

Eisbären trotz Niederlage „auf einem guten Weg“

Nach Ansicht von Michel Maaßen (vorne rechts) benötigen die Eisbären noch Zeit, um sich zu finden, aber auch weitere personelle Verstärkungen, um das Ziel – den Klassenerhalt in der Oberliga – zu erreichen.
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Nach Ansicht von Michel Maaßen (vorne rechts) benötigen die Eisbären noch Zeit, um sich zu finden, aber auch weitere personelle Verstärkungen, um das Ziel – den Klassenerhalt in der Oberliga – zu erreichen.

Eisbären-Kapitän Michel Maaßen ist trotz der Niederlage beim Oberliga-Saisonauftakt gegen Herford optmistisch für die Spielzeit, sieht aber noch personellen Handlungsbedarf.

Hamm - Michel Maaßen lässt sich im Eishockey längst kein X mehr für ein U vormachen. Kein Wunder, denn der Angreifer ist inzwischen 39 Jahre alt, hat laut offizieller Statistik 675 Drittliga-Spiele zum Beispiel für die Starbulls Rosenheim und den EV Füssen sowie 162 Begegnungen in der DEL2 für Crimmitschau absolviert. Und so kann er sehr gut abschätzen, was den Hammer Eisbären in ihrer zweiten Saison in der professionellen Oberliga Nord fehlt, um den Klassenerhalt zu sichern: „Ich hoffe, dass wir noch zwei, drei Leute hinzubekommen. Es ist wichtig, sich breiter aufzustellen. Aber das wissen die Verantwortlichen hier – und danach handeln sie ja auch.“

Maaßen will Verantwortung übernehmen

Maaßen sagt dies als neuer Kapitän der Hammer Eisbären – eine Entscheidung von Trainer Jeff Job. Aber auch ohne das „C“ auf der Brust ist er sehr meinungsstark. „Ich freue mich sehr darüber, dass ich jetzt Kapitän bin. Aber ich bin ein erfahrener Spieler, und wenn was los ist, dann mache ich auch so den Mund auf. Dafür brauche ich den Buchstaben auf meinem Trikot nicht.“ Die Verantwortung in seiner Rolle als Routinier spüre er so oder so.

Das Auftaktspiel am Sonntag vor 703 Besuchern unter 3G-Bedingungen in der Eissportarena in Werries war durchaus nach seinem Geschmack, auch wenn es gegen die Dragons Herford mit 2:5 (2:0, 0:3, 0:2) eine zu deutliche, aber letztlich auch verdiente Niederlage gab: „Aber es war mal wieder schön, vor richtig vielen Zuschauern zu spielen und gegen eine Mannschaft, die mal mehr als 20 Fans mitgebracht hat.“ Wobei die Supporter aus Ostwestfalen eindeutig den Ton angaben. „Da war bei unseren Fans sicher noch Luft nach oben“, meinte Maaßen, „aber bei uns auf dem Eis auch.“

Dass gleich am ersten Spieltag alles funktionieren würde, sei ja nicht zu erwarten gewesen. „Das ist schon ein Prozess. Wir haben einen neuen Trainer, einen neuen Spielstil und viele neue Spieler. Wir sind ein bunt zusammengestellter Haufen, da kann nach drei, vier Wochen Vorbereitung nicht alles perfekt aufeinander abgestimmt sein“, sagt Maaßen, aber auch: „Das braucht zwar Zeit, doch wir sind auf einem guten Weg.“

Schlüsselspieler fehlen verletzungsbedingt länger

Gegen Herford hatte sich negativ bemerkbar gemacht, dass den Eisbären derzeit lediglich 16 Feldspieler zur Verfügung stehen und damit gerade einmal drei Reihen auf dem Eis. Schmerzlich vermisst wurden Angreifer Viktor Beck und Verteidiger Maximilian Otte – zwei Schlüsselspieler, die über längere Zeit verletzt ausfallen werden. „Wir hatten ursprünglich vier Reihen geplant, doch es sind immer weniger Spieler geworden. Das auch, weil einige Leute in den Tryouts nicht so überzeugt haben“, sagt Maaßen, „aber wir brauchen Breite im Kader, falls es mal Verletzungen gibt, wie sich jetzt zeigt. Mit 15 oder 16 Leuten bei über 50 Spielen, das wird eine Kraftsache sein.“

Ein Kraftakt, der so wohl nicht zu schaffen wäre. „Ich weiß, die Verantwortlichen bei uns halten Augen und Ohren offen, aber im Moment ist es schwierig“, sagt Maaßen. Möglich, dass sich die Position der Eisbären bei der Spielersuche mit dem bevorstehenden Start der DEL2-Saison deutlich verbessern wird, denn: „Viele Spieler spekulieren bis zur letzten Minute, da noch einen Vertrag zu erhalten.“ Aber es müsse schon eine Qualität sein, die zu verpflichten ist. „Uns fehlen ein, zwei Leute hinten und einer vorne. Und der Verein hat so geplant, nur Spieler zu verpflichten, die den Kader nicht nur auffüllen werden.“

Maaßen, der schon 2013/14 und 2016/17 für die Eisbären gespielt hatte, kehrte 2020 im Zuge des Corona-bedingten Saisonabbruchs in der Bayernliga vom ESC Kempten Sharks nach Hamm zurück. „Seither ist hier viel passiert, und es hat sich schon vieles verbessert und vieles ist professioneller geworden“, sagt er. Bis zum Ende dieser Spielzeit hat er zunächst einmal einen Vertrag – und es soll nicht der letzte sein in seiner aktiven Karriere, denn: „Dazu bin ich einfach noch viel zu fit, und außerdem spiele ich viel zu gerne Eishockey.“

Wo das sein wird? Abwarten, sagt Maaßen, der in Hamm wohnt. Seinen künftigen Lebensmittelpunkt sieht der gebürtige Crimmitschauer aber nicht hier und auch nicht in seiner Heimat Sachsen. Sondern in Sonthofen. In dem schnuckeligen Städtchen im Oberallgäu hüte seine Frau gerade das Haus. „Sie kommt jetzt in der Saison einmal im Monat nach Hamm – wöchentlich, das will ich ihr bei der Entfernung nicht zumuten“, sagt Maaßen.

„Wollen die Großen ärgern“

Denkbar also, dass er in der Spielzeit 2022/23 – mit dann 40 Jahren – wieder im Süden der Republik auf dem Eis stehen wird. Bis dahin investierre er aber seine ganze Energie in die Eisbären. „Auch mein persönliches Ziel am Ende der Saison sind die Pre-playoffs und damit der sichere Klassenerhalt“, sagt Maaßen. „Dazu müssen wir schauen, dass wir die Mannschaften auf unserem Niveau schlagen und ab und an die Großen ärgern. In der vergangenen Saison war es eher umgekehrt.“ Ob das letztlich so funktioniere, das bleibe abzuwarten: „Wir schauen von Spiel zu Spiel. Es sind ja noch so viele, und um die Konkurrenz richtig abzuschätzen, dazu muss man gegen jeden zumindest einmal gespielt haben.“

Zu den direkten Konkurrenten zählt er Herford, Krefeld, Essen, Rostock (trotz des überdimensionalen Kaders), vielleicht auch Diez-Limburg. Die beiden nächsten Heimgegner, Saale Bulls Halle und Crocodiles Hamburg, zählt er neben Herne sowie den Scorpions und Indians aus Hannover zu den Schwergewichten. „In der Liga gibt es keine sicheren Punkte – für niemanden“, sagt Maaßen. Es ist eine Kampfansage für das kommende Eishockey-Wochenende.

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