Im Interview

Eisbären-Coach Hoja: "Das ist eine ganz gefährliche Entwicklung"

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Hat den Frust der Final-Niederlage überwunden: Eisbären-Trainer Ralf Hoja ist nach eigener Aussage „wieder voll bei der Sache".

Ralf Hoja, Trainer der Hammer Eisbären, spricht im Interview über die Erkenntnisse der vergangenen Saison, seine Ziele - und warum er die Existenz der Eishockey-Regionalliga in Gefahr sieht.

Hamm – Die Hammer Eisbären starten am Wochenende mit zwei Tests gegen die Nijmegen Devils in die heiße Phase der Vorbereitung. Der Eishockey-Regionalligist tritt am Freitag (20.30 Uhr) zunächst in den Niederlanden an, das Rückspiel folgt am Sonntag (18.30 Uhr) in Werries. Trainer Ralf Hoja steht mit seiner Mannschaft vor einer problematischen Saison, die in der Regionalliga West nur noch mit sieben verbliebenden Klubs gespielt wird. Zudem findet eine Interregio-Cup-Runde mit Vereinen aus Belgien und den Niederlanden statt. Wie Hamms Trainer Ralf Hoja die Situation einschätzt und was er erwartet, verrät er im Gespräch mit Peter Schwennecker.

Sie gehen jetzt in Ihr viertes Jahr bei den Eisbären, haben aber noch nie so lange überlegt, bevor Sie den Vertrag verlängert haben. Was war der Grund für die lange persönliche Findungsphase?

Ralf Hoja: Da hat alles reingespielt, vor allem diese Finalniederlage gegen Herford. Da hatte ich lange dran zu knacken. Ich kann einfach nicht verlieren, obwohl man mit 58 Jahren dazu eigentlich in der Lage sein sollte. Ich habe zunächst tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören. Habe auch dem Verein gesagt, dass ich bei der Trainerfindung mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Der Verein hat sich sehr bemüht um Kandidaten, doch hat das irgendwie nicht funktioniert. Mittlerweile hatte ich dann wieder Lust, habe überlegt, dass ich den Klub nicht hängen lassen kann. Auch die Mannschaft wollte unbedingt, dass ich bleibe, obwohl das immer sehr verdächtig ist. Jetzt bin ich wieder voll bei der Sache. Und ich kann sagen, so lange es läuft, mache ich auch zehn Jahre weiter.

Also ist der Spaßfaktor besonders wichtig.

Hoja: Das auf alle Fälle. Wegen des Geldes machen wir das, glaube ich, alle nicht. Das gilt auch für die Spieler. Die Mannschaft muss passen. Das Enttäuschende im Vorjahr war, dass wir bis zum 28. Spieltag eine überragende Vorrunde gespielt haben. Dann ging es so langsam dahin. Dass wir dann im Finale gegen Herford chancenlos waren, hat an mir genagt.

Als Trainer wünscht man sich während der Saison sicherlich eine andere Formkurve. Während der Vorrunde sind auch einige Leistungsträger lange verletzt ausgefallen. Fehlte deshalb in der entscheidenden Phase Kraft und Konstanz?

Hoja: Nein, wir haben ja auch so gewonnen. Das ist aber genau das, was man als Trainer befürchtet. Wir sahen erst unschlagbar aus, haben auch dann gewonnen, wenn wir mal nicht so gut gespielt haben. Die anderen Teams sind dann aber besser geworden, vor allem Herford wurde wie im Vorjahr immer stärker, hat taktisch sehr diszipliniert gespielt. Gegen Diez-Limburg haben wir das in der Play-off-Runde noch so gerade umgebogen, doch gegen Herford hat mir vor allem das kämpferische Element gefehlt. Vielleicht waren wir auch einfach leer.

Ralf Hoja.

War auf Grund des guten Starts auch ein wenig Überheblichkeit im Spiel?

Hoja: Überheblichkeit? Glaube ich nicht. Vielleicht im Unterbewusstsein. Es kam sicherlich hinzu, dass Leistungsträger, die vorher fleißig gepunktet haben, sich in den entscheidenden Spielen auch ganz schwer getan haben. Finalspiele sind eine andere Welt. Programmieren kann man da nichts.

In der kommenden Saison gibt es nur noch sieben Regionalligisten im Westen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung, was muss im Amateurbereich passieren, damit die Klasse wieder interessant für die Vereine und vor allem auch für das Publikum wird?

Hoja: Das ist eine ganz haarige Sache. Ich habe das im vergangenen Jahr schon mehrfach angemahnt. Wir hatten schon in der Vorsaison in der Liga eine Zweiklassengesellschaft. Die eine Gruppe hat versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Spielern noch halbwegs profihafte Bedingungen zu liefern. Und dann gibt es Vereine, die ihren Leuten bestenfalls einen Schläger und die Busfahrt bezahlen. Wir haben vier bis fünf Vereine, die gehören von ihrem finanziellen Aufwand nicht mehr zur Regionalliga, weil sie sich auf ihre Fahnen geschrieben haben, den Zuschauern ein bisschen mehr zu bieten. Für die Oberliga sind sie in wirtschaftlicher Hinsicht aber noch zu schwach. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, dass Mannschaften nicht aufsteigen wollen, weil sie sagen, das tun wir uns nicht an. Das ist eine ganz gefährliche Entwicklung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in der Saison 2020/21 ohne die Vereine aus Belgien und Holland überhaupt noch eine spielfähige Regionalliga zusammenbekommen werden.

Hoja: Traurig, dass Loecke vorerst nicht zur Verfügung steht

Zumal jetzt auch Herford offiziell verkündet hat, dass der Verein nur noch in der Oberliga Überlebenschancen sieht. Die Regionalliga wird also weiter schrumpfen. Müssen die Eisbären nicht auch diesen Schritt wagen?

Hoja: Ich denke, wir müssen. Da gibt es auch Überlegungen. Doch ich bin da nur ein ganz kleines Rädchen. Die Verantwortlichen müssen klären, ob ausreichend Sponsoren vorhanden sind, ob die Fan-Base stimmt. Die meisten Spieler sind Studenten oder arbeiten tagsüber. Dann noch am Freitag nach Halle oder Rostock zu fahren, ist schon ein bisschen schwierig. Zudem muss das Trainingspensum erhöht werden. Und ich weiß nicht, ob die Jungs in der Lage sind, da mitzuziehen. Einige müssen da sicherlich auch mit finanziellen Mitteln überredet werden. Und dann wären wir schon in einem Halbprofitum. Daran krankt ja auch die Oberliga.

Neben der Regionalliga gibt es jetzt noch den Interregio-Cup mit Vertretern der BeNe-League. Glauben Sie, dass diese Zusatzrunde von den Fans angenommen wird?

Hoja: Ich hoffe es. Ich persönlich freue mich jetzt darauf, dass man auch einmal andere Gegner sieht. Achtmal in der Saison gegen Ratingen oder Herford zu spielen, ist ja nicht immer erbaulich, auch für die Fans nicht. Ich hoffe, dass diese Mannschaften jetzt ein bisschen Qualität mitbringen. Es ist ein Versuch. Ich kann nur wünschen, dass die Fans das unterstützen. Wie das jetzt tatsächlich angenommen wird, auch von den anderen Vereinen, weiß keiner. Durch den späten Rückzug von Soest musste kurzfristig etwas aus dem Boden gestampft werden. Wir haben ja im vergangenen Jahr schon positive Erfahrungen mit den Tests gegen Nijmegen gemacht. Die spielen niveauvolles Eishockey. Hoffen wir einmal, dass die anderen Vereine eine ähnliche Qualität haben.

Welches Niveau besitzen die Erstligisten aus Belgien und den Niederlanden? Sie testen ja am Wochenende gleich zweimal gegen die Nijmegen Devils.

Hoja: Die Tilburg Trappers spielen in der deutschen Oberliga mit und sind eine Klasse für sich. Die haben ein eigenes Leistungszentrum. Das ist eine Profimannschaft, die über allen anderen Teams der Niederlande schwebt. Vielleicht tut sich dadurch etwas und die anderen Klubs ziehen nach. Nijmegen könnte auf jeden Fall bei uns in der Regionalliga mithalten. Die sind gut organisiert. Ich kann nur hoffen, dass es in sportlicher Hinsicht vernünftige Begegnungen werden. Was mit den Mannschaften aus Belgien ist, da bin ich überfragt, da kenne ich mich nicht aus.

Sind Sie mit der Kaderzusammenstellung zufrieden?

Hoja: Ich bin traurig darüber, dass Robin Loecke vorerst nicht zur Verfügung steht. Er konzentriert sich jetzt auf sein Studium, scheibt seine Bachelor-Arbeit. Damit fehlt uns natürlich ein guter Stürmer. Ich hoffe, dass er im Verlauf der Saison wieder zu uns stoßen wird. Lukas Novacek hat zwar ordentlich gepunktet, war aber in den Finals fast unsichtbar. Das hat von Vereinsseite aus nicht gereicht, ihn weiter zu verpflichten. Ich bin mit dem Kader, der ja ansonsten weitestgehend zusammengeblieben ist, sehr zufrieden. Wir haben mit den Neuzugängen Aaron Reckers und Igor Furda unser Niveau zumindest halten können. Die zweite Ausländerstelle werden wir natürlich noch besetzen.

Hoja verrät: Wollte Furda schon seit drei Jahren

Was fehlt noch?

Hoja: Wir brauchen vielleicht noch einen guten Mittelstürmer. Doch da ist unser Manager Jan Koch dran. Wenn wir den finden, dann sind wir breit genug aufgestellt. So sieht das derzeit ein bisschen dünn aus. Wir haben nur zehn oder elf Stürmer. Und durch das Verletzungspech haben wir in der vergangenen Saison gemerkt, dass das zu wenig sein kann.

Mit Igor Furda ist ein 42-jähriger Routinier zurück nach Hamm geholt worden, der in der vergangen Saison in 36 Spielen für Soest 76 Punkte erzielt hat. Spielt im Eishockey das Alter nicht so die Rolle wie in anderen Sportarten?

Hoja: Natürlich spielt das Alter auch im Eishockey eine Rolle. Doch Igor ist ein sehr sportlicher Typ, dem man das Alter überhaupt nicht ansieht. Doch er weiß, was er tut, ist technisch sehr gut ausgebildet, ist ein erstklassiger Schlittschuhläufer, und er hat uns das Leben als Gegner immer sehr schwer gemacht. Ich wollte ihn schon seit drei Jahren haben, doch das hat irgendwie nicht geklappt. Er ist ein guter Teamplayer, hat hier schon gespielt und kennt das Umfeld in Hamm. Er passt zu 100 Prozent in die Mannschaft, ist für uns ein guter Fang.

Sie haben nach der vergangenen Saison erklärt, dass der Mannschaft ein Mentalitätsspieler fehlte. Haben Sie den inzwischen gefunden? Und wer kann diese Rolle übernehmen?

Hoja: Mit Thomas Lichnovsky haben wir ja einen Mentalitätsspieler, der das kämpferische Element bevorzugt. Tim Pietzko stand uns in der Endphase leider nicht zur Verfügung. Ich gebe zu, dass wir bisher nicht den Mann gefunden haben, der mir so vorschwebt. Doch ehrlich gesagt war da auch bisher nichts auf dem Markt, was uns hätte weiterbringen können. In den Spielen gegen Herford hat uns so ein Typ gefehlt, der in kritischen Phasen mit harten Checks für Ruhe sorgen kann. Da haben wir uns nicht gewehrt.

Sie standen in drei Spielzeiten mit der Mannschaft zweimal im Finale. Was sind diesmal die Saisonziele?

Hoja: Wenn ich spiele, will ich immer gewinnen. Warum es manchmal nicht läuft, weiß man als Trainer oft nicht. Manchmal liegt es an Nuancen. Man weiß aber nicht, was in der Saison so passiert. Wie entwickeln sich die Spieler, bleiben alle gesund? Verstärken sich die Konkurrenten noch einmal, wenn sie merken, es läuft nicht? Da ist ja unser Budget meist am Anschlag. Diez-Limburg und Herford haben enorm aufgerüstet. Ziel ist zumindest das Halbfinale. Wenn wir das erst einmal erreicht haben, kann dann auch noch mehr möglich sein.

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