Eishockey

Das sagt Kevin Orendorz über den Play-off-Start

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Kevin Sven Orendorz bringt es nach der Hauptrunde auf 85 Scorerpunkte.

Kevin Orendorz ist einer der Leistungsträger bei den Hammer Eisbären. Im Interview spricht der 23-Jährige über den Start der Play-offs in der Eishockey-Regionalliga.

Hamm - Nach 160 Spielen für die Krefeld Pinguins in der höchsten deutschen Eishockey-Spielklasse kehrte Kevin Orendorz im Sommer der DEL und dem Profisport den Rücken, um eine Lehre zum Konstruktionsmechaniker zu absolvieren –mit 23 Jahren. Jetzt steht er als Hauptrunden-Sieger der Regionalliga West mit den Hammer Eisbären in den Play-offs. Im Gespräch verriet er, wie er sich eingelebt hat und was er sich für die Play-offs, die am Freitag mit dem Heimspiel gegen den Neusser EV (20 Uhr) starten, vorgenommen hat.

Die Hauptrunde in der Eishockey-Regionalliga ist Geschichte. Wie sind Ihre Eindrücke nach der ersten Serie in der Regionalliga? 

Schwer zu beschreiben, Die ersten vier Teams sind relativ gut. Hamm, Neuwied, Herford und Diez-Limburg – danach besteht schon ein deutlicher Klassenunterschied. 

Sie sind mit 85 Punkten erwartungsgemäß ganz vorne in der teaminternen Scorerliste dabei. Wie sehr guckt man als Spieler auf diese Statistik? 

Jeder Spieler will seine Punkte machen, das ist klar. Aber ich bin keiner, der sich da ein Ziel setzt und bloß, weil er von oben kommt, meint, dann die ganze Liga zu zerschießen – mir ist die Statistik relativ egal. 

Brauchten Sie eine Zeit, um sich an die neue, weniger professionelle Umgebung zu gewöhnen?

Das ging relativ leicht. Ich bin da ziemlich unkompliziert und passe mich immer schnell an. Ein extremer Unterschied ist, dass sich morgens arbeiten gehe. Dadurch, dass wir in der Woche nur zweimal trainieren und zweimal spielen, ist der Aufwand relativ okay. In Krefeld war ich es gewohnt, von Dienstag bis Sonntag durchzuspielen – wir haben früher oft auch mittwochs gespielt. 

Den einen oder anderen Akteur aus dem Kader kannten Sie vorher schon. Hat das geholfen, sich im Team schnell einzugewöhnen?

Das ging mehr oder weniger schnell. Ich bin ein relativ unkomplizierter Typ, der sich gegenüber anderen öffnet, aber eine kleine Hilfe war es auf jeden Fall. 

Mit Ralf Hoja haben Sie auch einen neuen Trainer bekommen. Beschreiben Sie ihn mal in wenigen Worten. 

Ich kenne Ralf ja schon länger, hatte ihn in Krefeld in der DNL (Anm. d. Red.: Deutsche Nachwuchsliga). Früher war er strenger. Jetzt nimmt er die Sache gelassener. 

Sie haben als noch sehr junger Spieler, der auch in den Jugendnationalmannschaften gespielt hat, freiwillig den Schritt zurück in die Regionalliga gemacht. Bereuen Sie den Schritt?

Sicher ist da ein bisschen Wehmut dabei, weil man gerne weiter professionell Eishockey spielen würde – so wie ich es in den letzten 17, 18 Jahren getan habe. Wenn man so lange eine Sportart betrieben hat, wird es immer das Ziel sein, das Bestmögliche rauszuholen. Jetzt hat sich die Situation geändert. Aber das Spiel liebe ich nach wie vor. Ohne Eishockey weiß ich nicht, was ich machen würde. 

Was vermissen Sie am meisten an der DEL? 

Die Freizeit, die man hatte. Natürlich war das mit sehr vielen Pflichten verbunden. Aber das hat alles riesig Spaß gemacht. Auch, sich mit den Besten der Besten in Deutschland zu messen. Das ist schon etwas anderes, wenn man in Köln vor 16 000 Fans ein Derby spielt oder in Soest vor 450. 

Wo liegt – in der Relation gesehen – der größte Unterschied zwischen Bundes- und Regionalliga?

Spielerisch und kämpferisch ist das in der DEL viel mehr, die ganzen Leute da verdienen einen Haufen Geld und haben entsprechend Pflichten, den Verein so gut dastehen zu lassen wie möglich. 

Es sah in der Liga lange so aus, als würden die Eisbären außerhalb der Konkurrenz spielen. Haben Sie sich zwischenzeitlich schon einmal Gedanken darüber gemacht,ob mit dem Team nicht vielleicht auch die Oberliga drin ist?

Das hängt ja stark von den Spielern ab, davon, wie viel Zeit sie in den Sport investieren wollen. Oberliga zu spielen, ist deutlich zeitaufwendiger als die Regionalliga. Das heißt, es müsste viel mehr trainiert werden als nur zwei Mal die Woche. Wenn man arbeiten und spielen irgendwie verbinden könnte, sage ich klar, das soll man machen. Andererseits ist Oberliga ja auch eine Geldfrage. Eishockey ist nun mal teuer. Ich persönlich bin noch zwei weitere Jahre an den Verein gebunden und würde mich sicher bei keiner Entscheidung quer stellen. 

Jetzt stehen die Play-offs an. Sorgt das in der Regionalliga bei einem erfahrenen DEL-Spieler noch für ein besonderes Prickeln oder nimmt man das so mit? 

Ich weiß nicht, wie es bei den anderen ist. Generell ist so ein Gefühl ja immer mit Erfahrungen verbunden. Ich habe in Krefeld nicht jedes Jahr Play-offs gespielt. Aber es ist nun einmal etwas anderes als in der Regionalliga. Mehr oder weniger sind die kommenden Spiele für mich wie jedes andere. Aber wenn es zum Finale hingeht, werde ich auch ein bisschen angespannter, ich will alle Spiele gewinnen.

Fünf Niederlagen aus 36 Partien – keine so schlechte Bilanz. Zuletzt war es aber nicht mehr ganz so souverän. Fehlte die Anspannung?

Ich glaube, dass das von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Klar haben wir uns vorgenommen, mit einem guten Gefühl in die Play-offs zu gehen. Aber jeder bei uns sollte professionell genug sein, um das abhaken zu können. Letztlich ging es bei der Niederlage gegen Diez-Limburg um nichts mehr. Ich denke, die Mannschaft ist in der Lage, den Schalter wieder umzulegen.

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