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Hammer Dennis Peiler führt die deutschen Reiter nach Tokio

Tokio werden für den Hammer Dennis Peiler schon die vierten Olympischen Spiele sein, bei denen er die deutschen Reiter begleitet.
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Tokio werden für den Hammer Dennis Peiler schon die vierten Olympischen Spiele sein, bei denen er die deutschen Reiter begleitet.

Der in Hamm-Werries wohnende Dennis Peiler ist seit vielen Jahren Geschäftsführer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei. Als Chef de Mission führt er die Vielseitigkeits-, Spring- und Dressurreiter im Juli zu den Olympischen Spielen nach Tokio.

Hamm – Als Dennis Peiler vor fünf Jahren als Chef de Mission die Teilnahme der deutschen Reiterinnen und Reiter an den Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vorbereiten musste, gab es im Vorfeld lediglich ein gravierendes Problem. Schon bei einem Testwettbewerb wurde deutlich, dass die Pferde das stark chlorierte Wasser in der brasilianischen Metropole nicht trinken wollten. Die Lösung wurde schnell gefunden, Peiler ließ eigens Apfelsaft einfliegen, um den Geschmack zu verändern.

Promovierter Sportwissenschaftler

Über diese Art von Problembewältigung kann der 42-jährige promovierte Diplom-Sportwissenschaftler aus Hamm, der seit 2004 bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf tätig ist, derzeit nur schmunzeln. Denn die anstehenden Spiele vom 23. Juli bis 8. August in Tokio beschäftigen ihn vor allem wegen der Corona-Pandemie in einer außergewöhnlichen Art und Weise. „Wir müssen Schutzmaßnahmen und Auflagen erfüllen, die es in solch einem Maße bei internationalen Wettkämpfen noch nie gegeben hat“, betont Peiler, der bereits seit vielen Monaten damit beschäftigt ist, die Rahmenbedingungen für die deutschen Dressur-, Vielseitigkeits- und Springreiter so erträglich wie möglich zu gestalten: „Wir sind verantwortlich dafür, dass Reiter und Pferde heil und gesund nach Tokio und auch wieder zurück kommen.“

Für den früheren Deutschen Meister im Voltigieren sind es in Tokio bereits die vierten Olympischen Spiele als Funktionär. 2008 in Peking wurden die Reiterwettbewerbe nach Hongkong ausgelagert. Dort war Peiler für die FN und das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) als Pressesprecher vor Ort im Einsatz. Vier Jahre später war er als Chef de Mission in London erstmals für die gesamte Planung der deutschen Mannschaft und den reibungslosen Ablauf in der englischen Hauptstadt verantwortlich. Diese Aufgaben erfüllte er dann auch 2016 in Rio.

Pandemie erschwert die Vorbereitung

Die Vorfreude auf so eine bedeutende Veranstaltung war auch diesmal bei Peiler sehr groß. Doch die anstehenden Aufgaben haben durch die Pandemie einen völlig anderen Anstrich erhalten. Es geht nicht mehr in erster Linie um die Reiseplanung mit dem komplizierten Transport der Pferde, den Transfers und die Unterbringung von Reitern und Pferden vor Ort. Die Corona-Schutzmaßnahmen, die zu erfüllen sind, haben mit Blick auf Tokio den größten Raum eingenommen. Schon jetzt müssen alle für Japan akkreditierten Aktiven und deren Begleiter ein Tagebuch fuhren, in dem die Köpertemperatur mehrfach am Tag dokumentiert wird. Vor dem Abflug müssen alle Mitreisenden gleich zwei PCR-Tests über sich ergehen lassen, die bei der Ankunft in Japan nicht älter als 72 bzw. 96 Stunden sein dürfen. Und das, obwohl alle Beteiligten inzwischen geimpft sind. „In erster Linie mit Johnson & Johnson“, wie Peiler bestätigt. „Die Impfungen sind aber erst zu einem Zeitpunkt vorgenommen worden, an dem ausreichend Vakzine für die Bevölkerung zur Verfügung standen.“

Nach der Landung in Tokio kann sich die deutsche Delegation erst einmal auf einen längeren Aufenthalt auf dem Flughafengelände einstellen. Denn es folgt der nächste PCR-Test. Das Team darf den Flughafen erst verlassen, wenn ein negatives Ergebnis vorliegt. Dann geht es für die Reiter aber nicht in das Olympische Dorf, sondern in ein eigens angemietetes Hotel. Auch dort wird es fast jeden Tag zumindest Schnelltests geben. „Diese Olympischen Spiele werden nicht wie in der Vergangenheit jenes Fest sein, bei der sich alle Kulturen und Menschen der Welt im Olympischen Dorf getroffen und gemeinsam gefeiert haben“, betont Peiler.

Kasernierung im Hotel in Tokio

Der Aufenthalt in Tokio kommt fast schon einer Kasernierung gleich. Wie Peiler bestätigt, herrschen strenge Vorschriften. Die deutsche Mannschaft darf während der gesamten Zeit das Hotel nur für das Training und die Wettkämpfe verlassen. Alles musste im Vorfeld in einem Activity-Plan angegeben werden und die Einhaltung wir kontrolliert. „Shoppen oder Sightseeing sind in den ersten 14 Tagen untersagt, wir dürfen nicht einmal nebenan in den Supermarkt gehen um Kleinigkeiten einzukaufen. Auch andere Sportstätten und Wettbewerbe dürfen wir nicht besuchen“, berichtet der Chef de Mission. Und weil auch die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln für die Teilnehmer der Spiele verboten sind, hat die FN eigens einen eigenen Fahrdienst in Tokio organisiert. „Die japanischen Fahrer werden mit uns in der gesamten Zeit im Hotel wohnen, keinen Kontakt zu anderen Leuten haben“, erzählt Peiler. Die Sicherheit steht an erster Stelle.

Gedanken wird er sich auch darüber machen, wie die deutsche Mannschaft die Freizeit im Hotel verbringen wird. „Ich kann bestätigen, dass wir viele Gesellschaftsspiele eingepackt haben“, erzählt Peiler. Darunter sind Klassiker wie Kartenspiele, Kniffeln oder Mensch ärgere dich nicht. Die bei den Profi-Fußballern so beliebte Playstation wird dagegen nicht im Koffer sein. „Soweit ich weiß, steht das bei den meisten Reitern nicht auf der Packliste “, erklärt der Chef de Mission.

Die Vorbereitungen für den Flug nach Asien gehen jetzt in die heiße Phase. Nach und nach werden die Pferde in Quarantäne gehen. Für die Dressur wird diese ab 5. Juli in Aachen beginnen. „Dort treffen sich die Vierbeiner aus der halben Welt“, erzählt Peiler. „Am 14. Juli geht es dann vom belgischen Lüttich aus nach Tokio.“ Die Vielseitigkeits- und Springpferde werden Mitte Juli in Warendorf das Quarantäne- und Trainingslager absolvieren. „Wir haben in den vergangenen Tagen eigens noch vier Kilometer Bauzaun errichtet, um das Gelände komplett abzusperren“, sagt Peiler.

Danach noch zu den Paralympics

Er selbst wird am 12. Juli nach Tokio fliegen. Genau planen lässt sich allerdings weiter nichts. „Wir fahren im Gegensatz zu den vorangegangenen Spielen diesmal auf Sicht“, erklärt der Chef de Mission. Denn noch sind einige Dinge überhaupt nicht endgültig geklärt. Ausländische Zuschauer werden definitiv nicht zugelassen sein. „Noch ist aber auch nicht entschieden, ob einheimische Besucher bei den einzelnen Wettkämpfen zugelassen werden“, sagt Peiler.

Angesichts der großen Ungewissheit, was in Tokio wirklich passieren wird, beschleicht ihn im Vorfeld durchaus „ein etwas mulmiges Gefühl“. Im Vordergrund sollte aber auch in Tokio der Sport stehen. „Auf den Reitern lastet schon ein großer Druck“, weiß Peiler. „Schließlich haben wir in der Vergangenheit bei großen Sportereignissen in der Welt immer für zahlreiche Medaillen gesorgt. Wir wollen auch in Tokio wieder erfolgreich sein“, betont der Hammer. Er wird erst am 9. August, also einen Tag nach der Schlussfeier, den Heimflug antreten.

Lange werden seinen fünf- und achtjährigen Kinder in Hamm-Werries allerdings nichts von ihrem Vater haben, denn der bereitet direkt nach der Rückkehr schon die Paralympics mit vor, wird sich mit den deutschen Startern vom 26. bis 29. August erneut in Tokio aufhalten. „Und direkt danach stehen die Europameisterschaften an. An Urlaub darf ich daher vorerst nicht denken“, meint Peiler.

Versorgung der Pferde gesichert

Den Apfelsaft werden sie in Tokio diesmal übrigens nicht benötigen. Das japanische Wasser hat den Pferden bei einem Testwettkampf vor einem Jahr durchaus geschmeckt. Diesmal wird nur spezielles Heu aus den USA eingeflogen, mit dem die Tiere bereits in den vergangenen Wochen in den heimischen Ställen zur Gewöhnung angefüttert wurden. Hinzu kommen 1980 Kilo Kraftfutter. Im Vorfeld musste der Verband extra Stromaggregate für die Kühlschränke, in denen einige Utensilien für die Pferde gelagert werden, für die Stallungen besorgen. „Das Stromnetz reicht vor Ort leider nicht aus“, so der DOKR-Geschäftsführer.

Zumindest die Versorgung der Pferde scheint in Japan gesichert zu sein. Wie das für die Aktiven aussehen wird, weiß Peiler allerdings nicht. Denn einen eigenen Koch wird die FN nicht mit nach Tokio nehmen. „Dabei verlassen wir uns ganz auf das Hotel“, sagt Peiler.

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