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Hammerin wird in Florenz Vize-Weltmeisterin in der Bikini-Klasse

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Von: Günter Thomas

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Lisa-Marie Linn (Vierte von links) wurde Vize-Weltmeisterin in der Bikini-Klasse.
Lisa-Marie Linn (Vierte von links) wurde Vize-Weltmeisterin in der Bikini-Klasse. © Isdepski

Erst flossen die Tränen aus Wut und Frust – dann hatte Lisa-Marie Linn vor Freude feuchte Augen. Bei der Weltmeisterschaft im Bodybuilding im italienischen Florenz wurde die Hammerin zunächst bestohlen und dann Vize-Weltmeisterin in der Bikini-Klasse (Divas).

Florenz/Hamm – .„Das war wirklich Wahnsinn, ich habe ein paar Mal überlegt, alles hinzuschmeißen“, sagte Linn nach errungener Silbermedaille überglücklich. „Und jetzt bin ich Vize-Weltmeisterin und kriege meine ganzen Nachrichten von den Leuten nicht sortiert, die mir Mut zugesprochen haben.“

Doch der Reihe nach: Gemeinsam mit ihrem Partner Thomas Isdepski hatte sich Linn auf die WM vorbereitet, hatte ihrem Körper auf den Punkt die nötige Fitness verliehen, hatte ihren Schmuck optimiert, sich einen teuren, neuen Bikini für den Wettkamp anfertigen lassen. Und war gerade noch rechtzeitig einen Tag vor der Abreise nach Italien nach einer Corona-Infektion den zweiten Balken auf dem Tesstreifen wieder losgeworden. Und dann wurde die Hammerin zwei Tage vor dem Wettkampf während der Registrierung in Florenz Opfer eines Diebstahls. „Das Auto war aufgebrochen und meine komplette Wettkampftasche wurde gestohlen, mit allem, was man braucht – von der Bräunung über Wechselklamotten bis hin zu den Powerbändern. Und selbst mein Glücksbringer, eine Hose mit Stickern von allen Veranstaltungen, an denen ich teilgenommen habe, war weg“, sagt Linn. Und Isdepski ergänzt: „Das ist, als ob dir am Tag vor Trauung das Hochzeitskleid gestohlen wird.“

Was folgte, war viel Ärger und Rennerei in Florenz. Schließlich musste die komplette Ausrüstung neu angeschafft werden. „Am Freitag und Samstag war die Vorfreude auf den Wettkampf komplett weg. Ich wollte meine Teilnahme schon absagen“, so die Hammerin. „Dann habe ich gedacht, was Schlimmeres kann nicht mehr passieren, es sei denn es bricht auch noch ein Vulkan aus. Also bringen wir es hinter uns.“

„Der größte Feind im Gesundheitssport ist Stress““

Die Vorbereitung auf die WM blieb in den letzten Stunden dennoch bescheiden. „Der größte Feind im Gesundheitssport ist Stress“, erklärt Linn. „Entsprechend soll man einen Tag vor dem Wettkampf eigentlich nur noch ausruhen. Stattdessen sind wir bei 38 Grad noch stundenlang herumgelaufen – der worst case für eine WM. Aber ich habe dann ganz viel meditiert, Atemübungen gemacht – und immer gesagt, beim nächsten Kaffee vergessen wir das alles....“

Kurz vor dem Wettkampf klappte es: „Die Vorfreude kam zurück, als ich mich geschminkt habe“, sagt Linn, die in der Klasse der Bikini Divas startete, in der es weniger um Posen und Muskeln als um die Demonstration des Filigranen und der Ästethik geht. Allerdings war das Feld, gegen das die Hammerin zu bestehen hatte, „richtig stark“. Acht Frauen hatten es in ihrer Wettkampfklasse nach Florenz in die Endrunde geschafft, Linn gehörte zu denen, die sich vor Ort für das Finale der besten fünf qualifizierten.

Und auch da lief alles – anders als befürchtet – perfekt. „Alles, was ich perfektionieren wollte, das Posing, eine bessere Linie durchbringen, hat geklappt. Ich habe meine beste Performance gezeigt“, war die Fitness- und Gesundheitstrainerin zufrieden mit ihrem Auftritt. „Es herrschte eine Wahnsinnsatmosphäre. Erst habe ich gedacht, ich werde Fünfte, dann Vierte, dann Dritte... und jetzt bin ich Zweite. Das war mega.“

Teamwork makes the Dream work: Lisa-Marie Linn freut sich mit Partner Thomas Isdepski.
Teamwork makes the Dream work: Lisa-Marie Linn freut sich mit Partner Thomas Isdepski. © Isdepski

Ein großer Dank gilt ihrem Partner. „Ohne Thomas hätte ich das nie geschafft“, sagt Linn, die in Hamm gemeinsam mit Isdepski ein Personal-Training-Studio betreibt. „Am Freitag sind wir erst um 24 Uhr im Appartement angekommen, sind von Polizeistation zu Polizeistation gelaufen – und Thomas hat mir da ganz viel Arbeit abgenommen.“

Mit der Vize-Weltmeisterschaft in der Tasche wagt Linn nun im Oktober den Einstieg bei den Profis. Und Ende November soll dann die Teilnahme am Mr. und Mrs. Natural Olympia in Las Vegas folgen, wo sie sich dann erstmals international mit den Berufs-Sportlerinnen ihrer Sportart messen wird. Dann soll die Vorbereitung zumindest in den letzten Tagen entspannter werden. Bis es soweit ist, stehen aber erstmal ein paar freie Tage an – Wellness-Urlaub. In Österreich.

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