ASV Hamm-Westfalen fordert Spitzenreiter HSC Coburg

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Oliver Krechel

OIiver Krechel muss einen Moment überlegen, ehe er auf die Frage antwortet, was für ihn der größte Unterschied zwischen Coburg und Hamm ist. „In Coburg ist alles ein wenig familiärer, dadurch, dass die Stadt kleiner, alles enger beisammen ist. Aber ich bin ja erst ein paar Monate in Hamm, weiß noch nicht, wie sich das weiter entwickelt.“ Sportlich gesehen ist die Einschätzung wesentlich simpler: Der HSC Coburg 2008 ist Tabellenführer der 2. Handball-Bundesliga, der ASV Hamm-Westfalen Sechster. Und beide treffen am Freitag im direkten Duell aufeinander (19.15 Uhr/Westpress Arena).

Hamm - Sechs Jahre lang spielte Krechel für den HSC 2000, ehe er im Sommer nach Hamm wechselte. Nun freut er sich auf das erste Aufeinandertreffen zwischen seinem alten und dem neuen Verein. „Dieses besondere, positive Kribbeln kommt langsam“, sagt er. „Die Vorfreude darauf, die Leute wieder zu sehen, die einen lange begleitet haben, ist schon sehr groß. Das fängt an beim Physio oder Betreuer und geht bis zu den Spielern, wobei ja einige verletzt sein werden.“

Ähnlich sieht es Stefan Lex, der nach zwei Jahren bei den Oberfranken gemeinsam mit Krechel zum ASV gewechselt ist. „Ich saß in Coburg definitiv mehr im Bus als hier“, nennt er einen gravierenden Unterschied zwischen beiden Vereinen. „Und die Trainingsgestaltung ist bei Kay Rothenpieler ganz anders als bei Jan Gorr.“ Der Umbruch zum Saisonbeginn fiel in Coburg allerdings ähnlich groß aus wie der in Hamm. Daher werden beide Neu-ASVer zunächst direkt auf der Platte nicht allzu viele ehemalige Kollegen antreffen. Nur Jan Kulhanek, der selbst von 2005 bis 2008 beim ASV gespielt hat, und der Rückraumlinke Tobias Varvne werden voraussichtlich aus dem Kader des vergangenen Jahres für Coburg auflaufen, die anderen sind verletzt oder wie Krechel bei anderen Vereinen unter Vertrag.

Umbruch in Coburg ähnlich groß wie beim ASV

Dass der HSC trotz des Umbruchs im Team, der mit acht neuen Spielern sogar noch ein wenig größer ausgefallen ist als der in Hamm, einen fast perfekten Saisonstart abgeliefert hat und die Tabelle derzeit anführt, liegt für Krechel daran, dass die Wechsel auf weniger entscheidenden Positionen vorgenommen wurden. „Wir haben den Nachteil, dass der komplette Rückraum neu ist“, sagt Krechel. „Coburg hatte es da sicher einfacher, weil es Torwart, Linksaußen und Kreisläuferposition betrifft. Das ist leichter, als eine komplett neue Spielphilosophie zu erarbeiten.“

Und so erwartet der ASV-Torhüter auch in der Partie gegen den Spitzenreiter, dass der Kampf die 60 Minuten dominieren wird und weniger die spielerischen Elemente. Ohnehin empfindet er die Kritik, die in den vergangenen Wochen an der Team-Leistung geübt wurde, als überzogen. „Der Derby-Sieg in Emsdetten war daher gut, um die Gemüter zu besänftigen, die gegen uns schießen“, sagt er. „Jetzt haben wir zwei Siege in Folge, das war ein bisschen wie ein Befreiungsschlag. Und spielerisch sind wir so schlecht auch nicht. 32 Tore auswärts zeigen, dass wir im Positionsspiel auch Einiges richtig gemacht haben.“

Das Problem sieht Krechel vielmehr darin, dass die Mannschaft „noch zu viele Chancen, die sie sich erarbeitet, liegen gelassen hat. Wir treffen manchmal noch falsche Entscheidungen. Aber ich denke, bis Weihnachten läuft das.“

"Coburg kommt sicher auch nicht gerne nach Hamm."

Dass zu viele solcher Entscheidungen gegen Coburg die Niederlage besiegeln können, weiß Krechel, hofft aber, „dass wir eine gute Leistung aufs Parkett bringen und die zwei Punkte einfahren. Und Coburg kommt mit Sicherheit auch nicht gerne nach Hamm. Das wird auch für die schwierig hier“.

Positiv überrascht war Krechel, als die Mannschaft nach dem Sieg in Emsdetten am späten Sonntagabend nach der Rückkehr von einigen Fans am Parkplatz erwartet worden ist. „Das war eine Aktion, wie ich sie in Hamm noch nicht erlebt habe“, lobt er. „Wir haben dann noch da gestanden und mit den Fans ein Bier getrunken. Da hat man auch mal Gelegenheit, sich in Ruhe zu unterhalten – was die Sache in Hamm auch ein Stück familiärer macht.“

Ob er selbst gegen den Ex-Klub beginnen wird, weiß Krechel noch nicht. „Manchmal sagt der Trainer das einen Tag vor dem Spiel, aber meistens erst vor dem Einlaufen“, ist Krechel selbst gespannt, wagt aber unabhängig davon einen Tipp für die Partie. „Ich sage mal 28:25 für uns.“ Gut möglich, dass er dann wieder mit einigen Fans ein Bier trinken muss.

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