Spitzenspiel der Handball-Oberliga

Schrage vor Duell mit Ex-Klub: "Gegen den ASV ist es immer etwas Besonderes"

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Immer noch etwas Besonderes sind für Marius Schrage Spiele gegen den Ex-Klub.

Marius Schrage trifft mit seinem neuen Team TSG A-H Bielefeld am Sonntag auf seinen langjährigen Ex-Klub ASV Hamm-Westfalen II. Ein Einsatz des Linkshänders ist allerdings noch nicht garantiert.

Hamm - Saisonziel Aufstieg? Marius Schrage überlegt einen Moment, ehe er sich für eine kreativere Antwortet entscheidet. „Das ist vom Verein ja relativ offen kommuniziert worden. Aber ich habe mir selbst auferlegt, dieses Wort nicht in den Mund zu nehmen“, sagt er lächelnd. „Unser Ziel ist es, ein Spiel mehr zu gewinnen als alle anderen in der Liga. Ähnlich wie Hamm würden wir uns dagegen nicht wehren.“ 

Wenn es nach Schrage geht, darf diese eine entscheidende Partie gerne die am Sonntag sein, wenn er im Spitzenspiel der Handball-Oberliga mit seinem neuen Team, der TSG A-H Bielefeld, auf seinen langjährigen Ex-Klub, den ASV Hamm-Westfalen II, trifft (17 Uhr/Seidenstickerhalle, Bielefeld). 

Schrage lässt die Vergangenheit ruhen

Fünf Jahre hat Schrage im rechten Rückraum Tore für das Hammer Oberligateam erzielt, war festes Bestandteil der ASV-Familie und sogar als Trainer im Nachwuchsbereich tätig, ehe er zur Saison 2017/18 zur SG Menden Sauerland Wölfe in die 3. Liga wechselte – unter unschönen Begleitumständen. Denn der 29-Jährige wurde bereits im April 2017 vorzeitig von Team-Manager Frank Scharschmidt freigestellt. Den Vorwurf, Schrage habe trotz bestehenden Zwei-Jahres-Vertrags in Hamm mit Menden verhandelt, empfindet der Linkshänder heute noch als ungerecht, hat aber längst seinen Frieden mit Scharschmidt und dem Ex-Verein geschlossen. 

„Wenn so etwas in der Öffentlichkeit breit getreten wird – und das anders, als es wirklich war –, dann hat man da schon dran zu knapsen“, sagt Schrage. „Aber mit dem zeitlichen Abstand habe ich wieder ein normales Verhältnis zu Frank Scharschmidt. Ich bin nach wie vor vielen Personen im Verein verbunden, habe regelmäßig mit Christoph Reichenberger Kontakt. Mein Bruder Phil spielt ja auch noch in Hamm. Und am Samstag habe ich mir den ASV noch angeguckt und war bei der Mannschaft. Es ist nicht so, dass ich da die böse Zunge sprechen lasse – das ist alles abgehakt.“ 

Schrage möchte nach Oberschenkelblessur rechtzeitig fit sein

Daraus, dass das Duell seiner Bielefelder, die mit 9:1 Punkten in die Saison gestartet sind, gegen den ASV, der mit 10:0 Zählern von der Tabellenspitze grüßt, für ihn eine emotionale Angelegenheit ist, macht Schrage kein Hehl. „Spiele gegen den ASV sind für mich immer etwas Besonderes aufgrund meiner Vergangenheit und, weil Phil da immer noch beheimatet ist“, sagt er. „Ich werde jedenfalls alles dafür geben, dass ich einsatzbereit bin.“ 

Denn da steckt der Haken in der Vorfreude des gebürtigen Böneners, der vor seinem Wechsel nach Bielefeld noch ein halbes Jahr für den RSV Altenbögge in der Landesliga aktiv war. Zuletzt war Schrage aufgrund einer Oberschenkelblessur zum Zuschauen verurteilt, sah beim 21:19-Erfolg seiner Mannschaft gegen TuRa Bergkamen tatenlos zu. „Irgendwas zwischen Zerrung und Faserriss“, lautete die Diagnose. Doch Schrage hofft: „Ich gehe aber davon aus, dass es bis Sonntag heilt – mit einem Fragezeichen dahinter.“ 

Auch aus beruflichen Gründen ging es nach Bielefeld

Dass es ihn nach Bielefeld gezogen hat, hat auch berufliche Gründe. Denn der Lehramtsstudent hofft, im Mai dort ein Referendariat antreten zu können, hat seinen Wohnsitz dorthin verlagert. „Daher habe ich für zwei Jahre unterschrieben.“ Mit mehr als 1 000 Zuschauern rechnet der Rückraumrechte, wenn das Topspiel in der Seidenstickerhalle angepfiffen wird. Und er sieht sein Team gerüstet für den Vergleich mit den alten Kollegen, auch wenn er die Favoritenrolle gern an den ASV weitergibt. „Wir haben elf Neuzugänge, da ist es nicht ganz so einfach, alles in die Bahn zu kriegen. Hamm hat da schon Vorteile“, sagt er. 

„Zumal Lars Gudat jetzt noch dabei ist, Jan Pretzewofsky und Alex Rubino Fernandez aus dem Dunstkreis der Ersten, die zudem nicht zeitgleich spielt. Verstecken müssen die sich nicht – wir aber auch nicht.“ Wenn der beste Angriff (ASV: 190 Tore) auf die beste Abwehr (TSG: 107) trifft, ist der gegenseitige Respekt ohnehin gegeben. „Und die beste Voraussetzung für ein gutes Spiel“, ist sich Schrage sicher, der glaubt, dass die Reserve der Hammer mittlerweile „auch durch Trainer Christian Feldmann einen ganz anderen Touch als früher bekommen hat“. 

Schrage schließt Zukunft beim ASV nicht aus

Für den Linkshänder bleibt die Partie in erster Linie „eine Reise in die Vergangenheit“. Ob es auch eine Zukunft beim ASV für ihn geben kann, will er nicht ausschließen. „Damit habe ich mich gedanklich nicht unbedingt beschäftigt“, sagt er. „Aber es ist nicht so, dass ich sage, auf gar keinen Fall. Ich würde es nicht kategorisch ausschließen. Zumal meine Familie in Hamm ist, Phil da spielt. Aber jetzt habe ich mich erstmal dem Projekt Bielefeld verschrieben. Und eine Rückkehr muss ja vielleicht nicht unbedingt als Spieler sein. Denn ich möchte später schon dem Handball verbunden bleiben. Vielleicht auch als Trainer.“ Aber erst einmal steht die aktive Laufbahn im Vordergrund. Und die möchte er am Sonntag um ein positives Kapitel ergänzen.

ASV setzt Fanbus ein 

Der ASV Hamm-Westfalen bietet den Fans der Oberliga-Mannschaft die Möglichkeit, das Spitzenspiel bei der TSG A-H Bielefeld am Sonntag live vor Ort zu sehen. Der Verein setzt einen Fanbus ein. Die Abfahrt zur Seidenstickerhalle ist für 15 Uhr an der Westpress Arena vorgesehen. Plätze müssen zuvor über die ASV-Geschäftsstelle reserviert werden.

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