Verein ohne sportliche Heimat

TSC Hamm: Unionstadion weiter unter Wasser

So sah das Unionstadion direkt nach den Starkregenfällen aus.

HAMM - Knapp eineinhalb Wochen sind die Starkregenfälle in Hamm mittlerweile her. Beim TSC Hamm sind die Folgen aber immer noch sehr deutlich zu spüren. Das Unionstadion ist weiter nicht bespielbar und der TSC damit sportlich aktuell heimatlos.

Jeden Tag fahren die Verantwortlichen des TSC Hamm derzeit am Unionstadion vorbei. Sie schauen, wie das Wasser abläuft, betreten vorsichtig den Platz, um zu testen, wie matschig er noch ist, und hoffen einfach, dass der Rasen möglichst schnell wieder trocknet, damit der Ball wieder rollen kann. „Aber derzeit ist an Fußballspielen noch nicht zu denken“, sagt Erol Akyüz, der Sportliche Leiter des Vereins. „Und wir werden einen Teufel tun und da jemanden zu früh drauf lassen – und selbst wenn die Staffelleiter Druck machen. Denn wir haben nur diesen einen Platz, und den müssen wir hegen und pflegen.“

Wasser steht noch immer knöcheltief

In der Mitte ist die Spielfläche halbwegs wieder in Ordnung – zumindest optisch. Wenn man aber genau hinschaut, erkennt man schnell, wie matschig der Untergrund noch ist. An den Außenlinien und in einer Ecke steht das Wasser immer noch knöcheltief. „Wir können nur auf gutes Wetter hoffen, damit der Platz abtrocknet und wir trainieren können“, sagt Erdal Akyüz, Coach der Bezirksliga-Mannschaft. Denn am Sonntag gastiert der TSC bei der starken Reserve des SV Westfalia Rhynern und will nicht gänzlich unvorbereitet in die Partie gehen.

Zukunft des gesamten Vereins in Frage gestellt

Aber nicht nur die erste Mannschaft hat mit den Platz-Problemen zu kämpfen. Auch die sieben Jugendteams, die Reserve, die Dritte, die neu gegründete Vierte und die Alten Herren können derzeit weder trainieren noch im Unionstadion ihre Heimpartien austragen – ein Zustand, der die gesamte Zukunft des Vereins mittlerweile in Frage stellt. „Wir haben 180 Kinder in unserer Jugendabteilung. Das ist unser großes Potenzial. Und wenn wir diesen Nachwuchs nicht richtig fördern können, bricht uns da einiges weg, dann gerät der ganze TSC in Gefahr“, betont Erol Akyüz.

Stadion vor zwölf Jahren übernommen

Trügerische Idylle: Auch wenn das Wasser mittlerweile fast abgeflossen ist – trocken ist der Platz noch nicht.

Vor zwölf Jahren hatte der TSC das Unionstadion von Germania Hamm übernommen. Anfangs präsentierte sich der Rasen auch in einem guten Zustand, wie Erol Akyüz bestätigt. „Ich war jedes Mal aufs Neue von der Drainage fasziniert. Nach einem Regenguss war der Platz ruckzuck wieder trocken“, erinnert er sich. Durch das viele Walzen und die zahlreichen Mannschaften, die inzwischen auf dem Rasen trainieren und ihre Spiele absolvieren, hat sich der Untergrund aber dermaßen verfestigt, dass das Wasser kaum noch durchsickert. „Wenn es mal zwei Stunden regnet, haben wir sofort Pfützen auf dem Platz. Und ich darf gar nicht daran denken, dass jetzt der Winter vor der Tür steht“, hat Erol Akyüz große Sorgen.

Ausweichplatz am Galilei-Gymnasium

Zwar steht dem TSC vom 1. Oktober bis 30. März der Ascheplatz am Galilei-Gymnasium zur Verfügung, aber nur in den Abendstunden. Dies bedeutet, dass dort nicht alle Mannschaften trainieren und am Wochenende auch keine Meisterschaftsspiele ausgetragen werden können. Am meisten würde es dem TSC helfen, wenn im Unionstadion ein Kunstrasenplatz entstehen würde. Aber da weder die Stadt noch der Verein entsprechende finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung haben, bleibt dies ein Wunschdenken.

Kunstrasen lässt sich nicht realisieren

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„In den nächsten zehn Jahren werden wir so etwas finanziell nicht stemmen können“, sagt Vorstandsmitglied Yükse Tirgil. und Stadtsprecher Christian Strasen erläutert auf WA-Anfrage: „Weder im laufenden Haushalt noch in den mittelfristigen Planungen der Stadt sind da Gelder vorgesehen.“ Natürlich könnte der Rasenplatz auch von Grund auf renoviert werden. Dies würde aber bedeuten, dass die Anlage für Monate nicht nutzbar wäre und die Probleme dann in ein paar Jahren wieder auftreten würden. „Wir brauchen eine nachhaltige Lösung“, sagt Tirgil. Und Strasen erklärt: „Es ist ein Platz alter Bauart. Da kommen wir dann von den Kosten her schnell in einen sechsstelligen Bereich. Da muss man überlegen, ob man dann nicht gleich etwas ganz anderes angeht.“

Trainingsbetrieb soll ausgelagert werden

Am ehesten denkbar ist daher momentan die Lösung, dass der Verein seinen Trainingsbetrieb auf einem anderen Platz in der Umgebung stattfinden lässt und seine Meisterschaftsspiele im Unionstadion austrägt. „Es wird irgendwie auf Alternativplätze hinauslaufen“, sagt auch Strasen. „Aber man muss sehen, wo das überhaupt möglich ist und wie das mit der Belegung an welcher Stelle ist.“

"Werden wie Waisenkinder hin- und hergeschoben"

Beim TSC könnten sich die Verantwortlichen mit einer solchen Interimslösung durchaus anfreunden, auch wenn Erol Akyüz betont: „Wir sind immer ganz hinten dran. Wir werden immer wie Waisenkinder hin- und hergeschoben. Dabei muss man doch mal schauen, was wir in den vergangenen Jahren geleistet haben, wie viel soziale und integrative Arbeit wir neben und durch den Sport leisten“. –pad–

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