HSE Hamm steigt in die Handball-Oberliga auf

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Der Aufsteiger

TELGTE - Drei Minuten vor dem Ende bremsten die Unparteiischen die feierwilligen Spieler der HSE Hamm auf der Auswechselbank noch aus, forderten sie auf, ihre Gesänge bis zum Spielschluss zurückzuhalten – nur wenige Sekunden später fanden auch die letzten mahnenden Worte von Mustafa Ayhan und Christian Vorndamme aus Herford kein offenes Ohr mehr.

Arm in Arm standen Trainer Christof Reichenberger und die Akteure des neuen Verbandsligameisters auf der Bank, sangen, johlten, feixten – und stürmten, als die Schlusssirene den 35:29 (15:13)-Erfolg der Hammer beim bereits als Absteiger feststehenden TV Friesen Telgte endgültig besiegelt hatte, freudetrunken das Spielfeld. Da hüpften ihre Mitspieler bereits wie die Flummis durch die Halle, erleichtert, den Druck des Gewinnen müssens abgeschüttelt zu haben. Schließlich waren sie als turmhohe Favoriten in diese letzte Begegnung der Verbandsliga-Saison gegangen, die sie auf keinen Fall verlieren durften, wenn sie den fest geplanten Aufstieg nicht noch verspielen wollten. „Das war ein verkrampftes Match, wir sind nicht gut reingekommen“, gab Reichenberger zu. „Telgte hat sich in den ersten 20 Minuten gut gewehrt. Aber ich denke, wir haben es verdient.“

So, wie die Mannschaft ihre Sektdusche. Fand auch der Trainer, der seinen Akteuren zuvorkam, und sich selbst mit dem klebrigen Getränk die erste Salve verpasste. Was Keeper Veith Lichtenegger nicht davon abhielt, es Reichenberger nachzutun. In der Folge sollte noch viel Sekt durch die Halle schäumen. Trikots mit der Aufschrift „Oberliga – Haltern uns nicht auf“ wurden zur Pflichtgarderobe – ein freundlicher Gruß an die HSG Haltern-Sythen, den geschlagenen Konkurrenten im Aufstiegsrennen, der die HSE im Saisonverlauf zwar zweimal geschlagen hatte, am Ende aber dennoch mit zwei Punkten Rückstand den Hammern gratulieren musste. Was Trainer Frank Mazur per SMS auch prompt tat.

HSE steigt in die Handball Oberliga auf

Für Reichenberger war vor allem ein Aspekt ausschlaggebend für die direkte Rückkehr der Mannschaft in die Oberliga: „Die Jungs haben alles weggesteckt, was uns in dieser Saison zurückgeworfen hat“, sagte der 42-Jährige. „Und das hat etwas mit der mannschaftlichen Geschlossenheit bei uns in diesem Jahr zu tun. Wir haben das gehabt, was uns letztes Jahr beim Abstieg ein bisschen gefehlt hat: Teamgeist, auch wenn es zwischendurch vielleicht schon fast zu kameradschaftlich war.“

Bis die Hammer und ihre Fans unter den 250 Zuschauern in der Sporthalle des Schulzentrums Telgte feiern durften, hatten sie noch 60 Minuten zu überstehen, die zwar nicht dramatisch, aber doch zumindest ein wenig unangenehmer verlaufen waren, als es die Gäste erhofft hatten. Schon nach zwei Minuten bewies das Ligaschlusslicht eindrucksvoll, dass es nicht gewillt war, der HSE kampflos zum Aufstieg zu gratulieren, wie es zuvor ihr Hallensprecher bereits getan hatte. 2:0 stand es da, und die Nervosität beim Spitzenreiter war deutlich zu spüren. „Ach, nervös“, sagte Marius Schrage lächelnd. „Das kann man auch nicht so ganz abstellen, obwohl wir ein paar erfahrene Spieler dabei haben.“ So blieb es im ersten Durchgang lange eng, und erst, nachdem Dainius Skarbalius, Phil Schrage und Dominik Weigel aus dem 12:12-Zwischenstand (25.) binnen kürzester Zeit einen Drei-Tore-Vorsprung gemacht hatten, atmete auch Frank Scharschmidt das erste Mal durch. „Ich war ziemlich nervös, habe versucht ruhig zu bleiben, aber das war nicht ganz so einfach“, sagte der Manager, der zwischenzeitlich mit aufgeblasenen Backen und angehaltenem Atem das Geschehen auf der Platte beobachtete. Erst nach dem Wechsel durfte auch Scharschmidt wieder durchatmen, als die Gäste in der Abwehr konzentrierter zu Werke gingen und vorne ihre Möglichkeiten nun konsequent nutzten. 19:28 stand es nach 46 Minuten. Die Meisterschaft war entschieden – auch wenn die Konzentration später wieder verloren ging. „Aber Telgte war nicht die Mannschaft, die uns da noch hätte gefährden können“, sagte Reichenberger, ehe seine Worte in den Gesängen der Spieler untergingen. „Oberliga, Oberliga…“, kam darin vor, „Spitzenreiter…“, und natürlich „Nie mehr…“ – Sie wissen schon, was. - güna

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