Tischtennis

Der TTC Grünweiß Bad Hamm bekommt einen Goldmedaillen-Gewinner

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Mit Laurens Devos trägt bald einer der talentiertesten Spieler Europas das Grünweiß-Trikot.

Mit der Vertragsverlängerung von Pavel Platonov und Gerrit Engemann hat der TTC GW Bad Hamm das personelle Fundament für die kommende Saison in der 2. Tischtennis-Bundesliga gelegt. Nun meldet der Verein mit dem Belgier Laurens Devos seinen ersten Neuzugang.

Hamm - Gerrit Engemann hat mit seinem künftigen Teamkollegen bereits seine Erfahrung gemacht. Kurz vor Corona traf die Nummer drei des Tischtennis-Zweitligisten TTC GW Bad Hamm bei den U21-Europameisterschaften im kroatischen Varazdin auf Laurens Devos und musste sich dem Belgier denkbar knapp nach sieben Sätzen mit 9:11 im entscheidenden Durchgang geschlagen geben. Das Ende des Titeltraums für den Hammer, der leicht angeschlagen in die Partie gegangen war, während Devos noch bis zum Halbfinale vom Titel träumen durfte, ehe er gegen den Spanier Rares Sipos ebenfalls nach hartem Kampf die Segel streichen musste.

Der Auftritt in Kroatien war nur einer von vielen starken des Belgiers auf internationaler Ebene, der dafür sorgte, dass der GW-Vorsitzende Martin Vatheuer auf ihn aufmerksam geworden ist. „Ich denke, dass wir mit ihm einen sehr guten Ersatz für Kai Zhang an Position zwei gefunden haben“, ist Vatheuer von den Qualitäten des 19-Jährigen überzeugt, der damit der erste Belgier in der langen Vereinshistorie im GW-Trikot sein wird. „Zudem ist er Linkshänder, was ihn für uns zu einem wertvollen Doppelspieler machen kann. 

Mit einer körperlichen Behinderung zur Welt gekommen

Der sportliche Weg des Nachwuchsmannes, der im belgischen Oostmalle zur Welt kam, ist mehr als ungewöhnlich. Denn Devos kam mit einer körperlichen Behinderung, einer Cerebralparese, zur Welt – ausgelöst durch Sauerstoffmangel bei seiner Geburt. Sein rechtes Bein war leicht gelähmt – dass er einmal Spitzensport betreiben würde, eigentlich ausgeschlossen. „Anfangs war es sehr schwierig für mich, weil ich mich wegen meiner Behinderung nicht seitwärts bewegen konnte“, erinnert sich der Neu-Grünweiße, der mit sechs Jahren begonnen hatte, im heimischen Wohnzimmer mit seinen beiden älteren Brüdern, die bereits im Verein aktiv waren, zu spielen. „Es gab so viele Menschen, die nicht an mich geglaubt haben, die mir nicht zugetraut haben, dass ich etwas erreichen kann, mit meinem Handicap. Aber sie waren mein Antrieb. Um es ihnen zu beweisen, habe ich so hart an mir gearbeitet.“

Entscheidenden Anteil daran, dass er den notwendigen Ehrgeiz entwickelte, hatte sein erster Trainer im Verein. „Er war sehr hart“, sagt Devos. „Ich bin oft weinend nach Hause gekommen, aber ich bin ihm sehr dankbar. Ohne ihn wäre ich nicht hier. Durch ihn habe ich die Grundlagen erhalten, die nötige Beweglichkeit.“

Die hat ihm dabei geholfen, in seinem Sport sehr erfolgreich zu werden und schon in jungen Jahren viele Erfolge einzufahren – und das gleich zweigleisig. Denn Devos startet auch im Behindertensport und hat hier schon immense Erfolge errungen. 2015 und 2017 wurde er Para-Jugend-Europameister (Klasse 9), 2016 gewann er in Rio de Janeiro die Goldmedaille bei den Paralympischen Spielen und 2018 krönte er seine Leistung im slowenischen Lasko mit dem Weltmeistertitel. Dazu kommen drei Bronzemedaillen im Einzel, Doppel und Mixed bei der U21-EM aus dem März in Varazdin, die endgültig bewiesen, dass die belgische Nachwuchshoffnung auch bei den Senioren wettbewerbsfähig ist.

Überragende Saison in der 3. Liga

Entsprechend freut sich Devos auf die neue Herausforderung in Hamm, wo er sich nach einem erfolgreichen Jahr beim TTC Weinheim in der 3. Liga Süd nun weiter entwickeln will. In Weinheim spielte der Linkshänder, dessen älterer Bruder in der 1. Liga beim TTC Jülich aktiv ist, in der vergangenen Saison als Nummer eins eine überragende Saison. Mit einer Bilanz von 20:7 Siegen wurde er hinter dem Neckarsulmer Florian Bluhm (21:4) zweitbester Akteur der Liga. Und Vatheuer ist sich sicher, dass „Laurens sich als einer der talentiertesten Nachwuchsspieler Europas bei uns in Hamm noch weiter steigern wird“.

Mit den Grünweißen will der Belgier möglichst weit vorne in der 2. Liga landen, und auch international verfolgt er weiter ambitionierte Ziele. „Ich versuche, in meinem Sport die Wettbewerbe zu kombinieren“, sagt er. „Mein größtes Ziel ist es, parallel bei den Olympischen Spielen und den Paralympics zu starten.“

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