TSC muss weiter auf Rückkehr ins Unionstadion warten

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Derzeit noch eine große Baustelle: das Unionstadion des TSC Hamm.

Hamm - Der TSC Hamm wird in dieser Saison noch nicht ins Unionstadion zurückkehren. Aus der vom Verein erhofften Fertigstellung des Platzes spätestens bis zum März wird nichts.

Entsprechend tief sitzt der Frust beim Fußball-Bezirksligisten. „Es ist natürlich ein Armutszeugnis, dass das so lange dauert“, sagt Trainer Erdal Akyüz. „Die Situation ist katastrophal, uns allen vergeht die Lust. Wir werden behandelt wie eine Hobbytruppe.“ Für die Stadt allerdings waren die Hoffnungen des TSC ohnehin unbegründet – und das Resultat eines Missverständnisses.

Zum Hintergrund: Mit einer Dringlichkeitsentscheidung hatte der Rat im vergangenen Juni auf die Zustände in der Heimspielstätte des Klubs reagiert, die nach sintflutartigen Regenfällen zu Beginn der vergangenen Saison monatelang nicht nutzbar war. 500 000 Euro wurden für die Instandsetzung des Naturrasenplatzes mit entsprechendem Gefälle und Dränsystem bereit gestellt. In der vom Rat im Juni abgesegneten Beschlussvorlage der Verwaltung hieß es: „Die Bauzeit der vorgenannten Anlage wird bei günstiger Witterung ca. 5 Monate betragen.“ Im Monat zuvor stand in einer Pressemitteilung zum Antrag auf die Dringlichkeitsentscheidung gar deutlich: „In gut einem halben Jahr soll der Spielbetrieb an der Augustastraße wieder möglich sein.“ Doch daran ist nicht zu denken, das Stadion ist eine große Baustelle. Wegen des Wetters ruhen die Maßnahmen derzeit, erklärt Stadtsprecher Tobias Köbberling. Erdarbeiten und Entwässerung seien gemacht, ab März werden die unterschiedlichen Erdschichten aufgetragen. Und genau das ergebe in der Summe die reine Bauzeit. Was allerdings noch folge und die TSC-Hoffnungen zunichte macht, sei die „Fertigstellungspflege“, der Rasenaufbau – und so kann der Klub erst zum ersten Saisonspiel 2016/17 in seine gewohnte Umgebung zurückkehren.

„Das ist für uns ein Schlag ins Gesicht“, sagt TSC-Geschäftsführer Yüksel Tirgil, der „äußerst überrascht“ war angesichts des Zeitplans. Was ihn vor allem ärgert: „Man hat nicht mit uns geredet.“ Er selbst sei aktiv geworden und habe bei der Stadt nachgefragt, nachdem entsprechende Gerüchte die Runde gemacht hätten. Das weist der Stadtsprecher zurück, der Klub sei stets informiert gewesen, „es ist alles kommuniziert worden“. Dennoch: Angesichts der Situation „sind wir als Verein sehr frustriert“, sagt Tirgil, ist aber um Sachlichkeit bemüht. „Man muss den Realitäten ins Auge sehen: Kein anderer Verein muss uns auf seine Anlage lassen“, sagt er mit Blick auf gescheiterte Gespräche mit Hammer Klubs über eine mögliche Teilnutzung. „Wir müssen jetzt warten, bis unser Platz wieder fertig ist.“

Mit allen Konsequenzen. Ausweich-Spielstätte bleibt der Platz Jahn I, die erste, zweite und dritte Mannschaft trainieren am Galilei-Gymnasium. „Ich sage jedem, dass er mal eine Woche lang das mitmachen soll, was wir mitmachen“, klagt Akyüz über die aus seiner Sicht für einen Bezirksligisten unwürdigen Verhältnisse und zählt auf: Ascheplatz, schummerige Lichtverhältnisse, der Umstand, dass sich freitags vier Seniorenteams auf der Anlage tummeln, dass der TSC die Trainingsutensilien stets aufs Neue mitbringen muss. „Man gibt uns jetzt inzwischen seit fast zwei Jahren das Gefühl, dass man uns nicht will“, schimpft der Coach. „Unter solchen Bedingungen ist absolut keine Wettbewerbsfähigkeit gegeben.“ Und auch auf Dauer sieht Akyüz den TSC im Nachteil, die Sanierung des Naturrasens ist für ihn keine ausreichende Lösung. Er hätte sich zusätzlich ein kleines Kunstrasenfeld gewünscht, um im Winter künftig Trainingssicherheit zu haben.

„Es ist klar, dass bei unseren Verantwortlichen die Nerven blank liegen“, sagt Tirgil. Längst haben die Probleme auch die Jugendabteilung erreicht. Schon vor der Saison habe der Klub drei Nachwuchsteams abgemeldet, „weil wir nicht wussten, wo alle Mannschaften trainieren, spielen oder überwintern sollten“, erklärt er. Es sei kaum zu vermitteln, dass Kinder oder Eltern aus dem Hammer Westen dauerhaft Richtung Galilei-Gymnasium fahren sollen. „Das ist für einen Verein wie den TSC unzumutbar. Wir haben auch im Moment ordentlich Probleme, die Mannschaften zusammenzuhalten“, sagt der Geschäftsführer. Die Jugendteams trainieren derzeit in der Soccerhalle – und das schlägt beim Verein derzeit mit monatlich rund 500 Euro zu Buche. „Das Ganze“, sagt Tirgil, „ist für uns einfach bitter.“

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