Gerrit Kaiser setzt auf die Karte Fußball

Mit 27 Jahren: Hammer erfüllt sich Traum als Profifußballer

Seinen aktuellen Job als Marketingkaufmann gibt Gerrit Kaiser auf, um sich ab der kommenden Saison ganz auf den Fußball bei seinem neuen Klub in Rödinghausen fokussieren zu können.
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Seinen aktuellen Job als Marketingkaufmann gibt Gerrit Kaiser auf, um sich ab der kommenden Saison ganz auf den Fußball bei seinem neuen Klub in Rödinghausen fokussieren zu können.

Es hat ein wenig gedauert. Länger als üblich. Doch das stört Gerrit Kaiser in keiner Weise. „Dass ich jetzt schon 27 Jahre alt bin, ist völlig egal. Ich hätte das auch mit 30 noch gemacht. Ich erfülle mir jetzt den Traum, von dem jeder Fußballer schon als Kind geträumt hat“, sagt der Hammer, der zur kommenden Saison vom Regionalligisten SV Lippstadt 08 zum Ligakonkurrenten SV Rödinghausen wechselt, wo er ab dem Sommer sein Geld als Profi verdienen wird.

Hamm – Um den Traum wahr werden zu lassen, wird er sein Leben komplett umkrempeln. So hat er bei seinem bisherigen Arbeitgeber Westpress seinen Job als Marketingkaufmann zum 30. Juni genauso wie seine Wohnung im Hammer Süden an der Werler Straße gekündigt, wird nach Bielefeld ziehen und in der Zukunft beim letztjährigen Regionalliga-Meister komplett auf die Karte Fußball setzen. „Ich kenne die Liga bereits, kenne die anderen Mannschaften, habe in der Regionalliga bereits meine Erfahrungen gesammelt und bin bereit für diesen Schritt hin zu einem ambitionierten Verein“, sagt Kaiser.

Dass er einmal so eine Karriere hinlegen wird, hatte er sich zwar erträumt, aber realistisch nie daran gedacht. Das Fußballspielen hatte er beim TuS Lohauserholz gelernt, war aber schon im D-Junioren-Alter zum SV Westfalia Rhynern gewechselt. Am Papenloh durchlief er alle Jugendmannschaften und gehörte im Seniorenbereich vier Jahre lang zum Kader der ersten Mannschaft.

„Die erste zwei Spielzeiten habe ich benötigt, um mich an den Oberliga-Fußball zu gewöhnen. In den folgenden zwei Jahren habe ich dann viel gespielt und mir ein gewisses Standing erarbeitet“, sagt Kaiser, der als defensiver Mittelfeldspieler seinen Teil dazu beitrug, dass die Westfalia im Frühsommer 2017 mit dem Aufstieg in die Regionalliga den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte. „Das war eine Topzeit in Rhynern. Daher habe ich auch noch viele gute Kontakte zu den Jungs und gucke mir so oft wie möglich die Spiele an, wenn es für mich zeitlich passt“, erklärt er.

Späte Umschulung zum Stürmer

Doch Kaiser machte den Gang in die Regionalliga nicht mit, sondern wechselte zum TuS Haltern. „Die Gespräche mit der damaligen sportlichen Leitung liefen nicht so, wie ich mir das gewünscht hatte. Ich fühlte mich nicht genug wertgeschätzt“, sagt er und nahm daher das Angebot aus Haltern an. Doch nach nur einem halben Jahr brach er seine Zelte beim TuS schon wieder ab und heuerte beim SV Lippstadt 08 an. Felix Bechtold, mit dem er zusammen in Rhynern gespielt hatte und der damals ebenfalls in Lippstadt spielte, eher er beim SVL Trainer wurde, hatte den Kontakt hergestellt. „Das war das Beste, was mir passieren konnte“, stellt Kaiser klar.

Bei seinem neuen Verein spürte er vom ersten Tag an das Vertrauen, zahlte dies mit guten Leistungen zurück und startete mit den Lippstädtern in der Rückrunde der Saison 2017/18 eine furiose Aufholjagd. Von Platz zwölf aus schafften es Kaiser und Co. auf den ersten Rang und feierten am Ende der Spielzeit den Aufstieg in die Regionalliga. Dort hat sich Kaiser seitdem einen Namen gemacht – und zwar als Stürmer.

„Irgendwann war mal ein Angreifer bei uns verletzt. Da wurde ich dann nach vorne geschoben. Und das muss ich so gut gemacht haben, dass ich seitdem immer ganz vorne spiele“, betont er und verrät, dass er sich in vorderster Front mittlerweile überaus wohl fühlt: „Das war anfangs schon eine Umstellung, weil man als Stürmer oft mit dem Rücken zum gegnerischen Tor steht und nicht so wie vorher im Mittelfeld das Spiel vor sich hat. Aber ich habe meine Laufbereitschaft eingebracht, habe meine Erfahrungen gesammelt und dann meine Tore geschossen.“

Bundesweite Anfragen, doch Rödinghausens Angebot überzeugt

Und das hat er in der aktuellen Saison überaus erfolgreich gemacht. In 34 Partien hat er für den Vorletzten 13 Treffer erzielt und sich damit in den Fokus anderer Vereine gebracht. So gab es Anfragen aus den Regionalligen Südwest und Nordost sowie sogar zwei aus der dritten Liga. Doch am besten gefiel ihm das Angebot, das ihm der SV Rödinghausen machte.

„Die Verantwortlichen fanden meinen Werdegang sehr spannend, dass ich nie in einem Nachwuchsleistungszentrum gespielt habe und zuletzt sogar nebenbei gearbeitet habe. Sie meinen, dass meine Entwicklung noch nicht am Ende sei, wenn ich mich jetzt ganz auf Fußball konzentrieren würde“, betont Kaiser, der es nach eigener Aussage „super fand“, was die Verantwortlichen in Rödinghausen mit ihm noch vorhaben. „Mein Bauchgefühl hat mir danach gesagt, dass das der richtige Verein für mich ist. Und als erste Profistation mit der Anbindung nach Hamm ist das für mich die perfekte Lösung. Außerhalb von NRW wäre mir das zu weit weg gewesen.“

Alles dem Sport unterordnen

Und so wird er sich mit Beginn der neuen Saison trotz der Nähe zu seinem Geburtsort auf ein komplett neues Leben einstellen, in dem sich alles nur noch um Fußball drehen wird. Fußball wird nicht wie bislang neben der Arbeit ein Hobby sein, sondern er wird in Rödinghausen unter Profibedingungen trainieren und alles dem Sport unterordnen. Doch Kaiser ist dazu nicht nur bereit, sondern fiebert der neuen Herausforderung auch entgegen.

„Erst einmal geht es noch darum, dass wir mit Lippstadt den Klassenerhalt in der Regionalliga schaffen. Aber danach wird die Vorfreude riesengroß sein. Ich bin sehr gespannt, was dann alles auf mich zukommen wird“, meint er. „Das ist einfach eine tolle Sache, dass ich mich dann nur noch auf den Fußball konzentrieren kann. Da geht für mich ein Traum in Erfüllung.“ Und dass dieser Kinderwunsch nun erst mit 27 Jahren in die Tat umgesetzt wird, stört ihn dabei kein bisschen. Denn um sich seinen Traum zu erfüllen, darf man nie zu alt sein.

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