Rollhockey

Torschützenkönig Christoph Rindfleisch: "Am liebsten würde ich immer spielen"

Er weiß, wo das Tor steht: 42 Treffer bejubelte Christoph Rindfleisch vom SK Germania Herringen in der abgebrochenen Rollhockey-Bundesliga-Saison – niemand jubelte häufiger.
+
Er weiß, wo das Tor steht: 42 Treffer bejubelte Christoph Rindfleisch vom SK Germania Herringen in der abgebrochenen Rollhockey-Bundesliga-Saison – niemand jubelte häufiger.

Mit 42 Treffern ist Christoph Rindfleisch vom SK Germania Herringen erstmals in seiner noch jungen Karriere Torschützenkönig der Rollhockey-Bundesliga geworden. Jetzt spricht er im Interview.

Hamm - Der 24 Jahre alte Recklinghäuser, der vor zwei Jahren in den Hammer Westen gewechselt war, spricht über seine schönsten und wichtigsten Treffer, über den Corona-bedingten Abbruch-Meistertitel und über die Erwartungen an die neue Spielzeit.

Herr Rindfleisch, in 14 Partien haben Sie 42 Treffer erzielt. Die Quote ist beachtlich. Wie stolz sind Sie auf Ihre zahlreichen Tore und auf den Titel?

Dass ich Bundesliga-Torschützenkönig werde, kam am Ende nicht überraschend, das war ja abzusehen. Aber es gibt natürlich Schlechteres. Es hätten aber auch noch mehr Treffer sein können, wenn ich noch besser getroffen hätte und wenn die Saison wegen Corona nicht vor den beiden letzten Bundesliga-Spielen abgebrochen worden wäre. Aber man soll auch nicht zu viel wollen. 42 Treffer in 14 Spielen sind schon eine ordentliche Bilanz.

Auf den Plätzen zwei und drei der Torschützenliste stehen mit Robin Schulz, der 29-mal getroffen hat, und Lucas Karschau, der 27 Treffer erzielt hat, zwei weitere Herringer. Was zeichnet die Offensive des SKG aus?

Es stimmt schon, dass ich um mich herum Teamkollegen habe, die was können. So steht Kevin Karschau mit 20 Treffern ja auch noch auf dem fünften Platz. Wir ergänzen uns alle. Ich bin vielleicht läuferisch nicht ganz so stark, mache das vorne aber nach dem Motto ‘one way’: entweder klappt es oder nicht. Vorne läuft es bei uns richtig gut. Hinten eigentlich auch, wobei Düsseldorf das noch etwas besser hinbekommen und weniger Tore als wir kassiert hat.

Beim 30:0-Sieg über Aufsteiger SG Blue Lions haben Sie mit acht Treffern die meisten Tore in einer Partie erzielt. Was aber waren Ihre wichtigesten Treffer? Und was war in der vergangenen Saison das schönste Ihrer vielen Tore?

Also auf die acht Tore kann man sich nicht viel einbilden, das darf man nicht zu hoch hängen. Robin Schulz hat an dem Tag zum Beispiel zehnmal getroffen. Meine wichtigsten Treffer? Das ist schwer zu sagen, weil die meisten Partien klare Angelegenheiten für uns waren. Aber im Pokal gegen Walsum, als Lucas nicht dabei war, war es wichtig, dass ich getroffen habe. Beim 3:2-Sieg gegen Düsseldorf habe ich das 1:0 erzielt, das war auch recht wichtig. Und sicher auch beim 2:3-Anschlusstreffer in der Euroleague gegen Sarzana, als wir am Ende dann noch ein 3:3 geschafft haben. Das schönste Tor war sicherlich in Remscheid, als Liam Hages den Ball von Außen halbhoch reingespielt hat und ich den Ball volley genommen und getroffen habe.

Obwohl Sie Torschützenkönig geworden sind, stehen Sie nicht immer in der Anfangsformation des SK Germania Herringen. Ärgert Sie das oder ist das angesichts der Ausgeglichenheit des starken Kaders in Herringen, der gespickt ist mit aktuellen und ehemaligen Nationalspielern, für Sie kein Problem?

Ich weiß es schon einzuschätzen, warum ich Torschützenkönig geworden bin. Wenn mich meine Mitspieler nicht so gut in Szene gesetzt hätte, wäre das mit dem Titel nichts geworden. Daher werde ich nie sagen, dass ich immer anfangen muss. Aber es ist sicherlich mein Ziel, gerade in den Finalspielen, die ja diese Saison leider ausgefallen sind, von Anfang an auf dem Feld zu stehen. Es wäre schon schön, wenn ich nicht zittern müsste, ob ich anfange oder erst auf der Bank sitze. Aber letztlich komme ich lieber in der zweiten Hälfte einer Halbzeit auf das Feld als in der ersten. Aber am liebsten würde ich natürlich die 50 Minuten durchspielen.

Sie sind mit dem SK Germania jetzt zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden: vor einem Jahr auf dem Feld, dieses Jahr durch den Abbruch am grünen Tisch. Können Sie auf den Titel in dieser Saison überhaupt stolz sein?

Doch, das kann ich. Aber das ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem Gewinn der Meisterschaft von vor einem Jahr, als man sich nach dem entscheidenden Spiel in den Armen gelegen, den Pokal überreicht bekommen und mit den Fans gefeiert hat. Denn für solche Spiele in den Playoffs trainiert man das ganze Jahr. Es wäre vielleicht anders gewesen, wenn man schon vor der Saison gesagt hätte, dass der Erste nach der Bundesliga-Runde den Titel gewinnt. Aber so war das ja nicht, wir waren ja alle auf die Finalspiele fixiert.

Jetzt sind Sie um die Finalspiele in der Meisterschaft gebracht worden, der Coronavirus hat zudem den Pokalwettbewerb vorzeitig enden lassen, und Sie sind um das letzte Spiel der Euroleague beim FC Barcelona gebracht worden, auf das sich das ganze Team des SKG und zahlreiche Fans gefreut hatten. Das muss schon weh tun, oder?

Das stimmt. Gerade für mich war das sehr ärgerlich. Im Vorjahr hatten wir das Pokalfinale verpasst, und jetzt wurde der Wettbewerb vorzeitig abgebrochen. Da muss ich also weiter auf meinen ersten Pokaltriumph warten. Und der Ausfall der Partie in Barcelona war auch sehr, sehr bitter. Wir haben zwar das Beste daraus gemacht und sind, da die Flüge und das Hotel ja gebucht und bezahlt waren, trotzdem an diesem Wochenende da hingeflogen. Aber wir hätten natürlich lieber gespielt, zumal für mich das Hinspiel auch halb ausgefallen ist, da ich an dem Tag ja einen Rollschuh vergessen hatte und ich erst in der zweiten Halbzeit mitspielen konnte.

Jetzt ist die Saison abgebrochen. Und wann die neue Spielzeit startet, steht in den Sternen. Halten Sie sich noch weiter fit oder legen Sie erst einmal die Füße hoch?

Ich bin da ganz anders als die meisten meiner Teamkollegen. Ich kann nicht nichts machen. Das geht vielleicht mal eine Woche, aber dann muss ich wieder trainieren. Daher bin ich jetzt auch weiter sechs Tage die Woche in Sachen Sport unterwegs. Dreimal mache ich Krafttraining, und an den anderen Tagen gehe ich laufen oder fahre zur Außenhalle hier in Recklinghausen, wo ich was mit Schläger und Ball mache. Ich bin auch mit meinen Rollschuhe hier bei uns eine Halde mehrmals hochgespurtet. Und einen Tag bin ich mit meinen Rollschuhe, Schläger und Ball die 10-km-Runde um den Kemnader Stausee gelaufen. Das war an dem Tag recht voll, und die Leute haben alle recht komisch geguckt. Beim nächsten Mal habe ich dann den Schläger und den Ball zuhause gelassen.

Sie sind also schon jetzt fit und heiß auf die nächste Saison. Als Deutscher Meister hat der SKG erneut das Startrecht für die Teilnahme an der Euroleague, Sie wollen wieder Deutscher Meister werden, erstmals den Pokal gewinnen und vielleicht auch erneut Torschützenkönig werden. Zudem stehen mit der Nationalmannschaft die Europa- und die Weltmeisterschaft an. Sie gehen also mit vielen Zielen in die neue Saison. Auch mit großen Erwartungen, die Sie vielleicht erstmals in Ihrer jungen Karriere unter Druck setzen?

Einen sportlichen Druck gibt es vielleicht, aber sicherlich keinen finanziellen. In unserem Sport gibt es ja kein Geld zu verdienen. Da muss der SKG zum Beispiel schauen, ob er überhaupt die Euroleague stemmen kann, weil ja die Einnahmen aus den Playoffs ausgefallen sind. Und wie es mit der Nationalmannschaft aussieht, weiß ich gar nicht. Das muss der Verband auch erst einmal finanziell schaffen mit zwei großen Wettbewerben in einem Jahr. Und wir Spieler müssen schauen, ob wir für die EM zehn Tage Urlaub und für die WM in Argentinien 14 Tage Urlaub nehmen können. Aber ansonsten haben wir schon klare Ziele. Wir wollen wieder die Finalspiele um die Meisterschaft und im Pokalwettbewerb erleben. Und ob ich wieder Torschützenkönig werde, weiß ich nicht. Da bin ich ganz entspannt. Ich bin mir aber sicher, dass wir als Team genug Tore schießen werden, um uns wieder für die Playoffs zu qualifizieren.

Befürchten Sie, dass Sie es als aktueller Torschützenkönig in der kommenden Saison schwerer haben werden, weil die gegnerischen Abwehrspieler noch mehr auf Sie achten werden?

Wenn die Gegner das machen, dann hätten ja Lucas, Kevin und die anderen noch mehr Platz. Das sollten die Gegner besser nicht machen. Bei mir ist es so, dass ich einfach weiß, wo das Tor steht und wo ich stehen muss, um das Tor zu treffen. Und die Gegenspieler wissen auch eigentlich, wo ich stehe. Aber sie standen dann oftmals nicht da, wo ich war.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare