Hiobsbotschaft für den SK Germania

Doping: Rollhockey-Torwart Michler droht lange Sperre

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Maurice Michler

[UPDATE 16 Uhr] Hamm - Hiobsbotschaft für den SK Germania Herringen: Torwart Maurice Michler ist bei einer Dopingprobe positiv getestet worden. Ihm droht damit eine Sperre von mindestens einem Jahr.

Als das Schreiben in seinem Briefkasten lag und Maurice Michler als Absender die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschlands (Nada) sah, dachte er sich im ersten Moment nichts. Als er dann aber lesen musste, dass er nach dem ersten Playoff-Finale um die deutsche Rollhockey-Meisterschaft in Iserlohn positiv getestet worden war und ihm eine lange Dopingsperre droht, brach für den Torhüter des SK Germania Herringen eine Welt zusammen. Und er konnte seine Tränen nicht zurückhalten. „Ich bin da aus allen Wolken gefallen und habe angefangen zu heulen“, sagt der 25-Jährige.

Zusammen mit seinem Bruder Philipp war er am 16. Mai nach der mit 5:6 verloren gegangenen Partie bei der ERG zur Dopingkontrolle ausgelost worden und hatte seine Urinprobe abgegeben. „Ich bin noch gefragt worden, ob ich irgendwelche Drogen genommen hätte. Das habe ich mit einem klaren Nein beantwortet“, erinnert sich Maurice Michler an die Geschehnisse nach dem Abpfiff im Sauerland.

Allerdings hatte er nicht daran gedacht, dass er schon die ganze Saison über – und auch vor dem DM-Finale – Schmerzmittel gegen seine permanenten Knie-, Rücken- und Schulterbeschwerden geschluckt hatte und dass er dies hätte angeben müssen. „Das war natürlich fahrlässig und naiv von mir. Aber ich hatte mir nichts dabei gedacht, überhaupt nichts“, meint der sichtlich mitgenommene SKG-Torwart. „Das ist wirklich richtig blöd gelaufen.“

Regelmäßige Kontrollen nur bei Nationalspielern

Während die Nationalspieler regelmäßig kontrolliert werden und auch immer Protokoll darüber führen müssen, wo sie sich zu welcher Uhrzeit aufhalten, damit sie den Dopingfahndern rund um die Uhr zur Verfügung stehen, werden im Rollhockeysport Untersuchungen nur bei den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft und um den Pokal durchgeführt. „Jeweils bei den Partien in Iserlohn und in Cronenberg wurde kontrolliert. Bei den Spielen bei uns mussten wir einen Raum entsprechend bereithalten, aber es kamen keine Kontrolleure“, berichtet der SKG-Vorsitzende Michael Brandt.

Maurice Michler

Nachdem die Nada Maurice Michler und den Deutschen Rollsport und Inline-Verband (DRIV) informiert hatte, wurde das Disziplinarverfahren mittlerweile an das Institut für Deutsche Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) weiter gegeben. Auf ein entsprechendes Schreiben von der DIS mit den genauen Vorwürfen und einem Urteil warten Michler sowie der SK Germania nun, um reagieren zu können. „Ich könnte dann das Ergebnis akzeptieren oder dagegen Einspruch einlegen. Aber ich werde auf jeden Fall in Revision gehen, wir werden da alles raushauen. Denn zwei Jahre gesperrt zu werden, weil man ein Schmerzmittel genommen hat, das wäre schon sehr hart“, betont Michler – und fügt kämpferisch hinzu: „Egal, was passiert: Ich komme wieder zurück.“

Laut Brandt, der am Montagabend die Mannschaft über die Situation in Kenntnis gesetzt hatte, droht dem Keeper eine Sperre von mindestens einem Jahr. „Aber wir müssen erst einmal abwarten, welche Substanzen gefunden wurden und was ihm genau vorgeworfen wird“, sagt Brandt, der seinen Torwart bereits von der Meldeliste für die neue Saison heruntergenommen hat, nachdem er offiziell vom DRIV über den Dopingfall informiert worden war und er erfahren hatte, dass im Fall Michler ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen vorliegt.

„Das Problem ist, dass das Wechselfenster geschlossen ist"

Brandt hat sich in den vergangenen Tagen intensiv mit der Materie befasst und entsprechend eingelesen. Gleichzeitig muss er sich aber auch darum kümmern, wer in der am Samstag mit dem Heimspiel gegen Düsseldorf (18 Uhr) beginnenden Bundesliga-Saison als zweiter Torhüter neben Timo Tegethoff zur Verfügung stehen wird. „Es war ja klar, dass Mucki (Anm. der Redaktion: Spitzname von Maurice Michler) wegen seiner Knieprobleme zu Beginn der neuen Spielzeit nicht mitwirken kann. Aber das hätten wir schon irgendwie überbrückt. Wenn er jetzt länger ausfällt, müssen wir natürlich tätig werden“, sagt der SKG-Vorsitzende. „Das Problem ist, dass das Wechselfenster geschlossen ist. Wir stehen da jetzt enorm unter Druck, sind händeringend auf der Suche und versuchen unsere Kontakte im Ausland zu nutzen.“

Für die Mannschaft war es natürlich ein Schock, als sie über den Dopingfall informiert wurde. „Ich als Nationalspieler werde ja immer wieder kontrolliert und muss alles preisgeben: wo ich übernachte, wann ich trainiere, wann ich arbeite und auch, wann ich ins Kino gehe. Und wenn man dann so wie Mucki keine Erfahrung damit hat, dann denkt man eben nicht daran, die Schmerzmittel anzugeben“, sagt Team-Kapitän Lucas Karschau, der genauso wie die anderen SKG-Spieler hinter Michler steht: „Wir hoffen alle, dass es nicht so schlimm sein wird. Wir unterstützen ihn aber voll und ganz. Mucki ist einer von uns. Und daran wird sich auch nie etwas ändern.“

Einen Einfluss auf den Ausgang des DM-Finals hat der Dopingfall übrigens nicht. Erst wenn zwei oder mehr Akteure einer Mannschaft verbotene leistungssteigernde Mittel genommen hätten, wird das Spiel für den Gegner gewertet.

Verband reagiert auf Dopingfall

Der Deutscher Rollsport und Inline-Verband (DRIV) hat auf den Dopingfall Maurice Michler bereits reagiert und alle Vereine aufgefordert, die von der Nada aufgesetzten Anti-Doping-Vorgaben von jedem Spieler unterschreiben zu lassen und nach Darmstadt zur Ligenleitung zu senden. „Das haben aufgrund der Kürze der Zeit bislang nur die wenigsten Vereine geschafft. Am vergangenen Wochenende waren 80 Prozent der Bundesligaakteure aller Clubs daher noch nicht spielberechtigt. Nur zwei Vereine haben das sofort erfüllt“, erklärt Michael Brandt, der Vorsitzendes SK Germania Herringen.

Der SKG hatte die Vorlage von den Spielern umgehend unterzeichnen lassen, die Unterlagen dann aber nicht im Original, sondern eingescannt und dann per Mail nach Darmstadt geschickt. „Dies wurde nicht anerkannt. Aber mittlerweile sind die unterschriebenen Vorgaben per Post auf dem Weg“, sagt Brandt.

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