Italien-Rückkehr nach Überfall

Ohne Fans und unter polizeilichen Vorgaben: Die etwas andere Auswärtsreise für den SKG

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Der SK Germania Herringen muss in Italien ohne die Unterstützung seiner Fans auskommen.

Sportlich gesehen könnte die Italienreise für den SK Germania Herringen ein voller Erfolg werden. Allerdings müssen die Hammer dort ohne ihre Fans auskommen. Zu schwer wiegen die vergangenen Vorfälle.

Hamm – Der SK Germania Herringen reist mit einem leicht beklemmenden Gefühl am Freitag zum Auswärtsspiel der Rollhockey-Euroleague nach Italien bei Hockey Sarzana.

„Das ist erschreckend, beunruhigend und auch alles sehr traurig“, stellt Michael Brandt unmissverständlich klar. Der Vorsitzende des Deutschen Meisters und Supercup-Gewinners war in den vergangenen Tagen von der Polizei darüber informiert worden, dass die Herringer bei ihrem Aufenthalt an der Mittelmeerküste aufgrund der Vorfälle vom vergangenen Jahr besondere Vorsicht walten lassen müssen.

Zur Vorgeschichte: Im vergangenen Jahre hatten Mitglieder des SKG-Fanclubs die Zeit vor der Partie beim HC Forte dei Marmi genutzt, um mit ihrem Banner und mit ihren Fanutensilien Fotos vor dem Schiefen Turm von Pisa zu machen.

Dabei waren sie in das Visier von Fußball-Ultras aus Pisa geraten. Denn als die Herringer Anhänger wenig später einen nahe gelegenen Supermarkt besuchten und sich nach dem Einkauf gerade in ihren Kleinbus gesetzt sowie angeschnallt hatten, wurden durch die italienischen Fußballfans, die später den Kapovolti-Ultras zuzuordnen waren, die Türen aufgerissen, den Germanen-Fans die Schals und Mützen vom Körper gerissen sowie versucht, ihnen ihre Handys und Geld zu stehlen.

Kontakt zu Einsatzkräften besteht

Als Folge daraus müssen die Herringer nun am Wochenende auf Anweisungen der italienischen Polizei besondere Vorsicht walten lassen. So sollen die Mitglieder des 15 Mann starken SKG-Aufgebots weder bei der An- oder Abreise noch während des Aufenthaltes in der Öffentlichkeit Trainingsanzüge in den Vereinsfarben tragen.

Und auch der Name des Hotels, in dem die Herringer wohnen, soll nicht bekannt gemacht werden. Zudem sollten die Germanen zuerst noch von Zivilbeamten auf dem Weg vom Flughafen in Pisa zur Unterkunft begleitet werden, davon haben die italienischen Behörden aber wieder Abstand genommen.

„Ich habe mit den zuständigen Einsatzleuten die Telefonnummern ausgetauscht. Sollte uns etwas auffallen, können wir sofort anrufen“, sagt Brandt und fügt hinzu: „Unseren Reiseverlauf und auch unser Hotel haben wir der Polizei durchgegeben. Aber ansonsten weiß niemand den Namen von unserer Unterkunft.“ Außerdem hat der Fanclub der Herringer, der ansonsten bei jedem Spiel den SKG lautstark unterstützt, von einer Reise in den Nachbarort von Viareggio abgesehen und wird das Team dieses Mal nicht vor Ort unterstützen.

SKG-Keeper Timo Tegethoff hat mit Sarzanas Torhüter Simone Corona ein gemeinsames Abendessen der beiden Teams eingefädelt.

„Die Jungs haben gesagt, dass ihnen das die Sache nicht wert ist“, hat Brandt absolutes Verständnis für diese Entscheidung. „Wir konnten das im vergangenen Jahr schon nicht fassen, dass Ultras so rabiat und aggressiv vorgehen, wobei sie ja damals unseren Verein nicht kannten und die Schals und Fanutensilien gar nicht zuordnen konnten. Das war echt ein Schock für uns alle.“

Stimmung bei südeuropäischen Anhängern immer hitzig

Dass es auch im Rollhockeysport durchaus hitzig zugeht, haben die Herringer schon häufig genug erlebt. Und dass vor allem bei den Anhängern der südeuropäischen Mannschaften die Emotionen überkochen, ist auch keine Seltenheit.

So mussten die Herringer Fans zum Beispiel beim Auswärtsspiel der Euroleague beim FC Porto die Partie aus einem „Käfig“ verfolgen. „Wir haben das schon öfter erlebt, dass es für die Gäste separate Blöcke gibt. In Porto war das schon extrem. Aber ansonsten suchen wir ja bei diesen internationalen Spielen immer den Kontakt zu den Gegnern“, erklärt Brandt, der daher froh ist, dass es nach der Partie noch ein Miteinander zwischen den beiden Teams geben wird.

Denn im Anschluss an die Begegnung, die um 21 Uhr beginnt, wird es ein gemeinsames Abendessen für alle Akteure geben. Dies haben SKG-Torwart Timo Tegethoff und Sarzana-Keeper Simone Corona eingefädelt, die sich von Länderspielen her kennen und seitdem immer lockeren Kontakt über die sozialen Medien hatten. „So etwas gehört für uns einfach dazu. Und nicht ein aggressives oder gewalttätiges Verhalten“, erklärt Brandt.

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