Amateur-Fußball

So reagiert Schiedsrichter Daniel Decker-Törö auf die Entscheidung des Ausschusses

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Schiedsrichter Daniel Decker-Törö

Der Kreisschiedsrichterausschuss hat entschieden, Daniel Decker-Törö bis zum 30. Juni 2020 nicht mehr als Unparteiischen im Kreis Unna-Hamm einzusetzen. Jetzt hat Decker-Törö mitgeteilt, wie er damit umgeht.

Update vom 27. Oktober, 17.21 Uhr:

Daniel Decker-Törö, Fußball-Schiedsrichter des VfK Nordbögge, hat die Maßnahme des Kreisschiedsrichterausschusses akzeptiert, ihn bis zum 30. Juni 2020 nicht mehr einzusetzen. Das bestätigte am Sonntag dessen Vorsitzender Torsten Perschke (Hamm).

Das Gremium hatte am vergangenen Mittwoch in der Geschäftsstelle des Kreises 32 Unna-Hamm in Kaiserau getagt und über zwei Stunden darüber beraten, wie mit dem umstrittenen Unparteiischen in Zukunft verfahren werden soll, nachdem es zuvor in einigen Spielen unter seiner Leitung zu einigen Zwischenfällen gekommen war.

Decker-Törö hat zunächst Bedenkzeit erbeten

Decker-Törö hatte sich nach der Entscheidung zunächst einmal Bedenkzeit erbeten. Wie Perschke in diesem Zusammenhang klarstellte, sei es keine Schutzsperre, die dem VfK-Schiedsrichter auferlegt wurde. „Wir werden ihn nur bis zum 30. Juni nicht mehr für Spiele im Kreis ansetzen und die Zeit ausnutzen, mit ihm weiterqualifizierende Maßnahmen zu ergreifen.“

Wie der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses weiter ausführte, soll Decker-Törö in naher Zukunft selbst als Schiedsrichter-Beobachter tätig werden, zudem eine Patenschaft für einen Jungschiedsrichter übernehmen. „Er soll sich zudem bei Schulungen weiterbilden. Und wir werden ihn auch im Kreissportgericht einsetzen“, betonte Perschke.

Update vom 23. Oktober, 21.15 Uhr: Die Entscheidung ist dem Kreisschiedsrichterausschuss des Fußball-Kreises 32 Unna-Hamm nicht leicht gefallen. Der beschloss am Mittwochabend im Beisein des Kreisvorsitzenden Michael Allery aus Hamm nach einer zweistündigen Beratung in der Kreisgeschäftsstelle in Kaiserau, den umstrittenen Schiedsrichter Daniel Decker-Törö vorerst aus der Schusslinie zu nehmen.

Wie der Vorsitzende des Gremiums, Torsten Perschke, bestätigte, wurde gegen den Unparteiischen, der bereits seit über 20 Jahren Spiele im Jugend- und Amateurbereich leitet, eine Schutzsperre bis Saisonende verhängt. „Decker-Törö wird bis zum 30. Juni keine Spiele leiten, wir wollen in dieser Zeit einige Maßnahmen mit ihm durchführen“, erklärte Perschke gegenüber unserer Zeitung.

Perschke persönlich teilte dem Schiedsrichter die Entscheidung am Abend telefonisch mit. „Er hat sich überrascht gezeigt, sich aber Bedenkzeit erbeten“, erklärte Perschke.

Die Abstimmung sei laut dem Vorsitzenden des Kreisschiedsrichterausschusses (VKSA) einstimmig erfolgt, nachdem zuvor über zwei Stunden lang kontrovers diskutiert wurde. Von einem sofortigen kompletten Ausschluss bis zur Maßnahme, Decker-Törö weiter einzusetzen, seien alle Möglichkeiten erörtert worden. Ein Ausschluss wäre rechtlich aber nicht haltbar gewesen. „Dafür gibt es keinen Paragraphen“, erklärte Perschke.

In den vergangenen Wochen intensiv beobachtet

Decker-Törö sei in den vergangenen Wochen intensiv beobachtet worden. Dabei habe es laut Perschke Beurteilungen von sehr gut bis ungenügend gegeben. „Vielleicht wäre es für ihn sogar leichter, nicht Spiele in der Kreisliga B, sondern in höheren Klassen zu pfeifen“, meinte der VKSA. Die Ergebnisse der Beobachtungen will Perschke mit dem Unparteiischen noch persönlich besprechen, auch, was die gemeinsamen Maßnahmen während der Schutzsperre betrifft. „Wir werden ihn auf jeden Fall weiter beschäftigen“, betonte Perschke.

Decker-Törö hatte in der Vergangenheit einige Male für großes Aufsehen gesorgt, weil Spiele unter seiner Leitung aus dem Ruder gelaufen waren, was die Anzahl der verteilten Gelben und Roten Karten anging. Zuletzt war die Situation beim B-Liga-Spiel zwischen RW Unna II und SuS Oberaden II eskaliert. Decker-Törö brach die Begegnung beim Stand von 4:4 in der Nachspielzeit ab. Der Schiedsrichter hatte zuvor vier SuS-Akteuren Rot und zweien Gelb-Rot gezeigt. Bei drei Spielern reduzierte das Sportgericht die Sperre anschließend auf das Mindestmaß.

Update vom 22. Oktober, 14.52 Uhr: Ab 19 Uhr kommt am Mittwoch in der Kreisgeschäftsstelle in Kaiserau der Kreisschiedsrichterausschuss zusammen. 

Die Ausschussmitglieder und der Kreisvorsitzende Michael Allery werden über die Zukunft des Unparteiischen beraten. Stephan Polplatz, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses, bestätigte, dass das Thema Daniel Decker-Törö auf der Tagesordnung steht.

„Etliche Szenarien sind denkbar“, erklärte Polplatz. Zum Beispiel, dass der Ausschuss dem Referee des VfK Nordbögge weiter das Vertrauen ausspricht. Oder dass Decker-Törö mit einer Schutzsperre belegt wird. Womöglich aber auch sein endgültiges Aus im hiesigen Fußballkreis. „In diesem Fall würde eine Anhörung folgen, in der ihm die Entscheidung erläutert würde und er selbst Stellung beziehen könnte“, so Polplatz.

Sitzung ohne Decker-Törö

Decker-Törö selbst wird auf der Sitzung nicht zugegen sein. Am Schulungsabend der Schiedsrichter am Montagabend habe er hingegen noch teilgenommen. Von selbst wird er eines seiner „größten Hobbys“ nicht aufgeben: „Ich pfeife ja bereits über 20 Jahren“, sagte er kürzlich. 

Ausschuss entsandte Beobachter zu Decker-Törös Spielen

Der Unparteiische pfiff in den vergangenen Jahren aber zahlreiche Partien, die im Anschluss öffentliches Aufsehen erregten. Daraufhin entsandte der Schiedsrichterausschuss Beobachter zu einigen Begegnungen unter Decker-Törös Leitung. „Das Gremium wird die Beobachtungsbögen nebeneinander legen und entscheiden, was zu tun ist“, sagte Torsten Perschke, Ausschussvorsitzender, vor einigen Wochen. 

Zuletzt eskalierte ein Decker-Törö-Spiel in Unna

Zuletzt war die Situation beim B-Liga-Spiel zwischen RW Unna II und SuS Oberaden II eskaliert. Decker-Törö brach die Begegnung beim Stand von 4:4 in der Nachspielzeit ab. Der Schiedsrichter hatte zuvor vier SuS-Akteuren Rot und zweien Gelb-Rot gezeigt. Bei drei Spielern reduzierte das Sportgericht die Sperre anschließend aufs Mindestmaß.

Update vom 11. Oktober, 11.21 Uhr: Schiedsrichter Daniel Decker-Törö hat lange geschwiegen. Der umstrittene Unparteiische wollte sich bislang nicht zu den Vorkommnissen der vergangenen Wochen im Amateurfußball äußern. Wohl auch, um sich selbst zu schützen – und weil es sich um ein laufendes Verfahren handelte. Mittlerweile hat er das Schweigen aber gebrochen.

Dabei hat Decker-Törö im Laufe seiner Schiedsrichter-Karriere schon für reichlich Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt mit dem Spielabbruch in der Kreisliga B. Es gab hitzige Diskussionen – Decker-Törö wünscht sich mehr Respekt.

Wie er gegenüber dem Hellweger Anzeiger meint, sollte es im Fußball "interessantere Themen geben" als den Schiedsrichter. An seine Kritiker hat Decker-Törö zudem eine klare Botschaft: "Gerade in der (vermeintlichen) Anonymität des Internets gibt es einige Trolle und Hater. Wenn ich ehrlich bin, tun mir diese Leute leid, dass sie ihre Aggressionen so kanalisieren müssen."

Weiter erklärt Decker-Törö, dass er auch in Zukunft die Pfeife nicht zur Seite legen will. "Die Schiedsrichterei ist eines meiner größten Hobbys. Ich pfeife ja bereits seit über 20 Jahren. Unvergessen sind immer noch die Erstligaspiele, die ich in der Jugend geleitet habe, wie beispielsweise 1. FC Köln gegen SG Wattenscheid 09 oder auch Bayer Leverkusen gegen den FC Schalke 04 mit Rudi Völler und Ulf Kirsten als Zuschauer", sagt Decker-Törö und richtet einen Appell an die Fußballer: "Egal was auf dem Feld passiert, niemand sollte einen anderen beleidigen, bedrohen oder gar körperlich angehen. Man sollte sich mit Respekt auf Augenhöhe begegnen."

Abbruch durch Schiedsrichter Decker-Törö: Sportgericht hat entschieden

Hamm - In der vierten Minute der Nachspielzeit hat Schiedsrichter Daniel Decker-Törö das Fußball-Kreisliga-B-Spiel zwischen RW Unna II und SuS Oberaden II beim Stand von 4:4 abgebrochen. Jetzt stehen erste Konsequenzen fest.

Das Sportgericht des Fußballkreises Unna/Hamm – besetzt durch Veysel Cerci (TSC Hamm), Veit Demmig (VfL Mark) und Michael Zahorodnyj (TuS Germania Lohauserholz) – wertete die Partie am Dienstagabend im Vereinsheim des TuS Germania Lohauserholz mit 2:0 für Unna, da es Oberaden als Verursacher des Abbruchs ausgemacht hatte. 

Drei der vier SuS-Akteure (Bicakci, Opitz und Gärtner), die Rot gesehen hatten, wurden mit dem Mindeststrafmaß von zehn Tagen belegt, der Klub muss 100 Euro Geldstrafe zahlen. Almir Halilovic wurde für vier Wochen gesperrt. Aufgrund einer Beleidigung des Unparteiischen in Sozialen Netzwerken droht ihm noch ein Nachspiel.

Decker-Törö, der drei weitere Platzverweise in Form von Gelb-Rot verteilt hatte, begründete zu Beginn detailliert die Kartenflut, ehe der Schiedsrichter des VfK Nordbögge auf den Abbruch zu sprechen kam, der sich nach dem Wiederanpfiff nach dem Elfmeter für Unna zum 4:4 ereignete: „Als Unna im Angriff war, sprang ein Spieler gewaltsam mit beiden Beinen in den Gegenspieler. Als ich Rot zeigen wollte, kam es von der Oberadener Auswechselbank zu einem Platzsturm. Der Spieler Ramazan Bicakci stand mit erhobener Faust vor mir und hat mich als ‘dumme Sau‘ beleidigt. Es war dem besonnenen Verhalten von Unna zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist.“

Schiedsrichter Decker-Törö zum Auto begleitet

Kritik an Decker-Törö übte im Anschluss Ulrich Ritter, Kreisjugendvorsitzender und zugleich SuS-Mitglied: „Wo andere Verwarnungen geben, gibt er Gelb, wo andere Gelb geben, gibt er Rot..“ Lediglich einen Platzverweis bezeichnete Ritter als angemessen. Unnas Geschäftsführer Vincenzo LoGiudice sah im Oberadener Verhalten hingegen „zuviel des Guten. Die Gefahr, dass etwas passiert, war relativ groß. Wir mussten den Schiedsrichter begleiten, da er mit den Worten bedroht wurde, ‘du wirst den Platz nicht lebend verlassen‘“. Oliver Pelster, Beisitzer im SuS Oberaden, bestätigte, dass das Vorgehen seiner zweiten Mannschaft „der falsche Weg“ gewesen sei. Aber: „Wenn man sich das ganze Spiel benachteiligt fühlt, kochen die Emotionen hoch.“

Das Sportgericht tagte im Vereinsheim des TuS Germania Lohauserholz. Schiedsrichter Daniel Decker-Törö (links) sagte als Zeuge aus.

Das taten sie auch noch im Nachgang, Decker-Törö verwies auf Kommentare zur Berichterstattung in den Sozialen Netzwerken. So habe der Oberadener Almir Halilovic geschrieben, dem Referee „jeden Abend Durchfall“ zu wünschen. Halilovic selbst berichtete von einem Gespräch mit Schiedsrichter-Beobachter Rene Kunsleben: „Ich habe ihn gefragt, ob es eine Rote Karte war. Er sagte: ‘Bei dem Schiedsrichter schon‘.“ Bicakci betonte: „Der Schiedsrichter hat das ganze Spiel kaputt gemacht.“

Entscheidung über Decker-Törö steht aus

Die SuS-Vertreter erklärten nach der Zeugenbefragung, die Mindeststrafe für die Platzverweise von zehn Tagen akzeptieren zu wollen. Torsten Perschke, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses, erklärte, das Spiel müsse für Unna gewertet werden, denn: „Oberaden war Verursacher des Abbruchs.“ Perschke schränkte allerdings ein: „Es hätte nach dem Elfmeter abgepfiffen werden müssen. Das ist bedauerlicherweise nicht geschehen.“

Wie es mit dem immer wieder umstrittenen Decker-Törö weiter geht, ist noch nicht abzusehen. „Am 23. Oktober wird der Kreisschiedsrichter-Ausschuss tagen. Dann wird das Gremium die Beobachtungsbögen nebeneinander legen und entscheiden, was zu tun ist“, sagte Perschke am Dienstagabend.

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