Handball

So geht das ASV-Duo Schwabe/Reichenberger mit dem Wartestand um

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Kapitän Jakob Schwabe hat das Kommando beim ASV übernommen.

Kapitän Jakob Schwabe und Co-Trainer Christof Reichenberger sind nach der Beurlaubung von Kay Rothenpieler das neue Trainerduo beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen - doch sie haben aktuell keine Mannschaft.

Hamm - So sie könnten in die Geschichte eingehen – als Gespann, das nach seiner Installation nicht einmal bei einem Spiel seiner Mannschaft verantwortlich auf der Bank gesessen hat.

Dank Coronavirus droht der vorzeitige Saisonabbruch, und zur neuen Serie ist bereits Michael Lerscht vom TuS Ferndorf als Trainer verpflichtet worden. „Wenn es so kommt, sind wir, frech gesagt, das erfolgreichste Duo, das es beim ASV je gab“, sagt Reichenberger, der sich weiter in der Rolle des Co-Trainers sieht, mit Verweis auf das erste gemeinsame Engagement auf der ASV-Bank an der Seite von Schwabe im Jahr 2017. Damals sprang das Duo kurzfristig ein, als Trainer Niels Pfannenschmidt nach der Niederlage im Winter 2017 gegen den EHV Aue freigestellt worden war. Nach einem Sieg gegen die HG Saarlouis übernahm dann Stephan Just.

Für Schwabe ist die neue Aufgabe vor allem eine enorme Herausforderung – in vielen Bereichen. „Es ist ja kein Geheimnis, dass mein Verhältnis zu Kay Rothenpieler gut war, wir uns gut verstanden haben“, hat der Kapitän zunächst schlucken müssen, als Geschäftsführer Franz Dressel und Marketingmanager Thomas Lammers ihm die Traineraufgabe bis zum Saisonende anboten. „Ich habe schon überlegt, dann aber gesagt: Wenn ihr die Entscheidung trefft, können wir uns zusammensetzen.“

Das ganze Team steht in der Pflicht

So kam es, wobei für Schwabe und Reichenberger klar war, dass die Aufgabe nur mit den Kollegen gemeinsam zu bewältigen ist. „Wir haben der Mannschaft klar gesagt, dass Curry und ich zwar jetzt die Verantwortung tragen, aber das ganze Team in der Pflicht ist, zusammen einen Weg zu finden. Und an den ersten Trainingstagen hat sich gezeigt, dass es funktionieren kann“, so Schwabe.

Genau drei Tage waren es, an denen sich das Team auf das Spitzenspiel gegen Tusem Essen vorbereitete. Dann nahm die Entwicklung Fahrt auf: Absage der Essen-Partie, Aussetzung der kommenden fünf Spieltage. Die Saison steht kurz davor, eine unvollendete zu werden. „Sich auf das Spiel vorzubereiten, war eh schon schwierig, weil es eine besondere Situation war“, sagt Schwabe. „Als die Absage kam, haben wir gesagt, wir machen von Donnerstag bis Sonntag frei – dann überschlugen sich die Ereignisse. Aber: Wir sind Stand jetzt noch mitten in der Saison – entsprechend müssen wir sehen, dass wir das Fitnesslevel hoch halten. Jetzt ist es einfach der Situation geschuldet, dass es keinen Sinn macht, dass wir uns als Team treffen.“

ASV-Co-Trainer Christof Reichenberger

Nur was macht ein Trainer ohne Mannschaft? Der nur planen kann, dass er nicht planen kann? „Unser Fitnesstrainer Thomas Isdepski hat da einen Riesenjob gemacht und die Trainingspläne erstellt“, lobt Schwabe, der glaubt, dass es „ein falsches Signal wäre, wenn sich Sportler in dieser Situation weiter treffen. Wir sind zwar gesund, müssen aber Verantwortung tragen, weil wir eine Gruppe sind, die viele Sozialkontakte hat.“

Derzeit sind die Spieler entsprechend nicht gemeinsam in der Halle zu finden, fit halten für den Fall der Fälle müssen sie sich individuell. „Für alle ist ein Trainingsplan angesetzt“, sagt Reichenberger. der keinen Zweifel hat, dass die Akteure die Vorgaben umsetzen. „Darüber brauchen wir nicht zu reden. Das sind Profis. Und uns geht es ja darum, dass wir irgendwann wieder zur Normalität zurückkommen.“

Stand heute plant Schwabe, das Training am kommenden Montag wieder aufzunehmen, „und uns in der Westpress Arena zu isolieren. Aber das kann sich derzeit ja stündlich ändern“, weiß er, dass das Vorhaben durch aktuelle Ereignisse schnell zunichte gemacht werden kann.

Noch niemand hat sich krank gemeldet

„Deswegen warten wir auf die Liga – wenn die den Stand hält, dass wir Ende April wieder anfangen, müssen wir uns auch vorbereiten.“ Krank gemeldet hat sich bislang jedenfalls niemand aus dem Kader. „Deswegen gehe ich davon aus, dass sich alle an die Hygienevorschrift halten“, so Schwabe.

Trotz seiner kurzfristig erlangten Traineraufgabe will Schwabe sich weiter intensiv um seine Spielerpflicht kümmern. „Die Reha darf ich nicht vernachlässigen, die Schulter muss so werden, dass ich im Sommer 100 Prozent fit bin“, sagt er. Denn: „Ich sehe mich als Spieler – auch in der nächsten Saison wieder.“

Unabhängig davon ist es ihm wichtig, einen guten Draht zu den Kollegen zu halten. „Ich denke, dass sich mein Verhalten nicht großartig ändern wird“, versichert er. „Darüber habe ich auch mit ein paar Spielern aus der Mannschaft gesprochen – mein Gefühl sagt, dass sie es komplett mittragen, ich mache mir da keine Gedanken und sehe keine Probleme.“

Da er aber in dieser Saison eh nicht mehr auf der Platte stehen kann, gilt die Konzentration der Vorbereitung des Teams auf eine Restserie, die möglicherweise gar nicht mehr ausgetragen wird, „was es ja nicht einfacher macht, weil ich nicht weiß, wie es weiter geht“, sagt er und zollt seinen neuen Trainerkollegen Respekt – allein schon aufgrund der logistischen Arbeit, die sie zu bewältigen haben. „Das ist eine riesige Herausforderung, da merkt man, was Trainer leisten – da den Überblick zu haben ist für einen Laien extrem schwer.“

Schwabe lobt die Kommunikation

Bei aller Sorge um die aktuelle Saison blickt Schwabe über den Tellerrand hinaus, weiß um die Konsequenzen, die ausbleibende Sponsoren- und Zuschauereinnahmen für die Spieler haben können. „Die Vereine müssen sich da gerade selbst erst einmal einen Überblick verschaffen, sehen was möglich ist – es gibt ja keine Blaupause“, sagt er, empfindet die Kommunikation beim ASV aber als sehr offen. „In Hamm ist der Informationsfluss sehr gut zwischen Thomas Lammers, Franz Dressel und der Mannschaft. Jetzt muss man sagen, gebt denen ein bisschen Zeit, das zu organisieren, die werden es schon gut machen.“

Eine Prognose dazu, wie die Auf- und Abstiegsregelung in den Ligen gehandhabt werden könnte, sollte die Saison nicht zuende gebracht werden, sieht Schwabe als lesen im Kaffeesatz. „Man hört so viel, was begründet werden könnte. Aber ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Auf- oder Abstieg geben wird.“

Viel wichtiger ist es dem in Münster wohnenden Lehramts-Studenten derzeit, das Coronavirus wirkungsvoll zu bekämpfen. Daher fragt er sich: „Welche Rolle hat da der Sport? Müssen wir auf Teufel komm raus eine Saison zuende spielen? Da geht es ja auch um Verantwortung gegenüber allen Beteiligten.“ Und in der Verantwortung steht der 30-jährige Familienvater – jetzt in gleich mehrerer Hinsicht.

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