Fußball

Schiedsrichter Decker-Törö: Pfiffe unter Aufsicht

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Erste Gelbe Karte beim Spiel zwischen TSC und BV 09 Hamm: Daniel Decker-Törö.

Es ist nicht gerade eine spektakuläre Partie, die die Ansetzung an diesem Nachmittag in der Fußball-Kreisliga A (1) für das Unionstadion vorgesehen hat. TSC Hamm gegen BV 09 Hamm – ein Mittelfeldduell, das mit 3:0 an die Gäste geht. Also ein ruhiger Nachmittag? Eher nicht.

Hamm – Dafür, dass es nicht so kommt, sorgt im Vorfeld allein die Ansetzung des Unparteiischen: Daniel Decker-Törö wird die Partie leiten – ein Schiedsrichter, der sich durch zahlreiche Spielführungen, in denen am Ende eine inflationäre Kartenflut, Platzverweise oder Abbrüche standen, einen Namen über den Fußball-Kreis Unna/Hamm, in dem er seit 2008 pfeift, hinaus erarbeitet hat. Zudem hat der Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss unter der Leitung von Torsten Perschke aufgrund der Häufung der Spielabbrüche mit Beteiligung Decker-Törös beschlossen, die nächsten Partien in dieser Saison, in denen der 35-Jährige angesetzt wird, jeweils durch einen offiziellen Beobachter/Coach auf Kosten des Kreises zu begleiten. Im Anschluss an diese Beobachtungen werde Perschke die Ergebnisse zusammentragen und Handlungsempfehlungen erarbeiten. Im Unionstadion ist Stephan Polplatz als Beobachter des Kreises vor Ort. Mit Wissen des Referees.

Auch in diesem Spiel, das der für den VfK Nordbögge pfeifende Bönener Decker-Törö später als ein „eigentlich relativ ruhiges“ bezeichnen wird, bleiben beide Mannschaften nicht von Karten und Platzverweisen verschont. Nüchterne Bilanz des Schiedsrichters: „Insgesamt vier Gelbe Karten und eine Gelb-Rote wegen Meckerns sowie eine Gelbe wegen Foulspiels und eine Gelb-Rote wegen einer Unsportlichkeit.“

Was Decker-Törö so sachlich emotionslos über die Lippen geht, hat in den gut 90 Minuten zuvor die Gemüter auf dem Platz in beiden Lagern deutlich in Wallung gebracht. Vor allem die beiden Platzverweise sorgen bei Spielern und Trainern für fassungsloses Kopfschütteln. „Ich dachte vorher, da wird viel Wind um nichts gemacht“, wird BVH-Coach Marian Christel nach dem Spiel sagen. „Aber auch ich habe so etwas noch nicht gesehen.“

Die erste Karte erfolgt nach fünf Minuten - vertretbar

Dabei ist es nicht die generelle Spielleitung von Decker-Töro, der früher im Bezirk Mittelrhein sogar bis zur Landesliga gepfiffen und an der Linie bis zur Oberliga gestanden hat, die die Beteiligten auf und neben dem Platz in Rage bringt, sondern vielmehr sein Umgang mit den Kommentaren und Gesten der Beteiligten. Die erste Karte zieht er zwar bereits nach fünf Minuten, die allerdings aufgrund eines Foulspiels von Gästeakteur Nathan Iwu an der Außenline. „Alles im grünen Bereich“, meldet Polplatz dann auch nach rund 20 Minuten, in denen das Spiel einige brenzlige Torszenen zu bieten hat und der Schiedsrichter sich so zeigt, wie es im Idealfall sein sollte: unsichtbar.

Auch die erste Gelbe Karte gegen Ismail Uysal wegen Meckerns ist von Außen nachvollziehbar – zumal niemand den Dialog zwischen Schiedsrichter und Spieler auf dem Platz mitbekommen hat. Doch schon die Karte gegen den Nordener Martin Karcz (35.) nehmen die Gäste nicht mehr ganz so locker. „Der Schiedsrichter hat zu ihm gesagt, er wäre so ein großer Kerl und soll nicht fallen wie ein Mädchen. Und Martin hat gelacht und geantwortet „Is klar...“, ereifert sich BV 09-Akteur Aykan Aydin. „Und dafür verwarnt er ihn. Unglaublich.“ Decker-Törö zeigt sich humorlos und Karcz Gelb.

Auch als er kurz nach dem 0:1 den am Boden liegenden Ismail Uysal die Ampelkarte vor die Nase hält, nachdem der reklamiert hatte (41.), ist der Spieler nicht begeistert, der Schiedsrichter aber unerbittlich. „Auch auf mein Hinweisen, dass er das jetzt sein lassen sollte und dass der andere Spieler zuerst den Ball und dann ihn berührt hat, hat er immer noch nicht damit aufgehört. Letztendlich habe ich ihn aufgrund der Intensität des Meckerns und der Tatsache, dass er auch durch meine Ansprache damit nicht aufgehört hat, des Feldes verwiesen“, sagt er. Beobachter Polplatz sieht weiter alle Entscheidungen als regelkonform.

Sportlich bleibt die Partie fair. Grobe Foulspiele sind keine zu verzeichnen, dafür bleiben aber die verbalen Scharmützel mit dem Schiedsrichter. Spätestens als der den bei seiner Auswechslung nicht schnell genug den Platz verlassenden Karcz mit Gelb-Rot begleitet (74.), ist die Fassung auf beiden Seiten schwer zu halten. Selbst dem Beobachter huscht ein ungläubiges Lächeln über die Lippen. Regelkonform bleibt das Handeln Decker-Törös auch jetzt, begründet er doch: „Der Spieler war ja auch schon verwarnt. Dann habe ich ihn gebeten, schneller vom Platz zu gehen. Das machte er nicht. Dann habe ich ihn noch einmal gebeten, woraufhin er anfing, einen Ententanz zu machen, Trippelschritte. Aufgrund dieser Unsportlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter hat er dann Gelb-Rot bekommen.“

Am Ende des Tages also ein ganz normaler Fußballnachmittag? „Es ist wichtig, seiner eigenen Linie treu zu sein. Wenn hier keine Unsportlichkeiten oder Meckern gewesen wären, hätten wir das mit einer Gelben Karte über die Bühne gebracht“, sagt Decker-Törö. Möglich, ja. Und doch bleibt in den Köpfen ein großes Aber hängen.

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