SV Westfalia Rhynern

Kleine im Interview: Darum hat sich die Saison trotz Abstieg gelohnt

+
Rhynerns Vorsitzender Arnulf Kleine.

Mit dem 2:2 bei Alemannia Aachen am Sonntag hat der SV Westfalia Rhynern das Kapitel Fußball-Regionalliga (vorerst) beendet. Warum es trotz des Abstiegs kein verschenktes Jahr für die Westfalia war, das verrät der Vorsitzende Arnulf Kleine in einem Interview mit Patrick Droste.

Nach vielen Rückschlägen, Misserfolgen und Tiefs war das 2:2 beim früheren Bundesligisten Alemannia Aachen für den SV Westfalia ein versöhnlicher Saisonabschluss, oder? 

Arnulf Kleine: Es war ein wirklich gelungener Saisonabschluss mit dem Unentschieden in Aachen – unsere Mannschaft hat sich mit einer starken Leistung aus der Regionalliga verabschiedet. Und getoppt wurde alles durch unsere mitgereisten Fans, vor denen sich die Mannschaft und ich selbst uns nur verbeugen können. Das hat in der ganzen Saison viel Spaß gemacht mit denen. Es war zum Schluss noch einmal ein rundum gelungener Auftritt unseres Teams und der Fans.

Also war auch Wehmut dabei, dass es das letzte Regionalliga-Spiel war? 

Kleine: Natürlich. Weil es einfach super ist, gegen solche Traditionsmannschaften wie jetzt am Sonntag Aachen, aber auch vorher RW Essen, SG Wattenscheid 09 oder KFC Uerdingen zu spielen und in solche Stadien zu kommen. Das ist einfach eine ganz andere Liga, als wir es von der Oberliga her kannten, wo man häufig nur vor 100 oder 150 Zuschauern spielt. In der Regionalliga ist die Atmosphäre eine ganz andere. Aber es ist auch Freude dabei. Nämlich darüber, dass wir es hinter uns gebracht haben und dass das von der Mannschaft sowie vom Umfeld her ganz ordentlich bewältigt worden ist.

Im März des vergangenen Jahres haben Sie überlegt, ob die Lizenz überhaupt beantragt wird. Dann gab es ein Hick-Hack, ehe die Spielberechtigung vom Verband erteilt war. Hat sich dieser ganze Aufwand im Rückblick überhaupt gelohnt, da es nach nur einem Jahr wieder zurückgeht? 

Kleine: Diese Gedanken habe ich mir schon oft gemacht. Aber ich muss im Nachinein sagen: Ja, es hat sich gelohnt. Wir haben uns in dieser Liga als Sympathieträger verkauft, wir sind nie irgendwo negativ aufgefallen, wir haben tolle Fans, wie man es in Aachen wieder gesehen hat, wir haben vom Umfeld her mit Ordnern und Kassierern alles super geregelt bekommen. Da hatte der Verband ja Sorgen, dass wir als kleiner Verein so etwas nicht bewältigt kriegen. Aber wir haben es geschafft. Daher bin ich da auch stolz drauf. Und wir haben natürlich auch tolle Fußballspiele in diesem Jahr gesehen.

Die Fans des SV Westfalia Rhynern verabschiedeten sich und die Mannschaft in Aachen aus der Regionalliga.

Sie sind nicht mit Björn Mehnert, dem Aufstiegstrainer, in die Regionalliga gegangen. War das unglücklich? 

Kleine: Ja. Das muss man ganz klar sagen. Björn Mehnert hat super Arbeit am Papenloh geleistet und hat über sechs Jahre die Mannschaft super trainiert sowie toll entwickelt und am Ende in die Regionalliga geführt. Das war schade, dass er das nicht mit uns genießen konnte, in der Regionalliga zu spielen. Aber was für einen Topjob er macht, sieht man jetzt beim SC Wiedenbrück.

Warum wurde das Team weder im vergangenen Sommer noch in der Winterpause so verstärkt, dass es den Ansprüchen der Regionalliga besser hätte gerecht werden können? Letztlich hat Rhynern – bis auf wenige Ausnahmen – die Regionalliga-Saison mit der Oberliga-Mannschaft aus dem Vorjahr bestritten. 

Kleine: Erstens fehlten uns natürlich die finanziellen Mittel, den Kader mit guten Spielern aufzustocken. Man hätte da sicher auf drei, vier Positionen Verstärkungen holen müssen. Zweitens weiß man nie, ob es wirklich Verstärkungen sind, die man holt und mit viel Geld bezahlt. Es kann dann schnell Unmut in der Mannschaft aufkommen, weil auf einmal ein Gefälle im Gehaltsniveau aufgebaut wird. Ich weiß noch, als Wegberg-Beeck bei uns gespielt hat: Da haben die Verantwortlichen gesagt, dass sie es in ihrem zweiten Regionalliga-Jahr besser machen und Geld in die Hand genommen haben, um es in gute Spieler zu investieren. So wie es ja auch Erndtebrück gemacht hat. Und was ist am Ende los? Wegberg-Beeck und Erndtebrück steigen genauso wie wir ab. Also insofern glaube ich, dass das nichts bewirkt hätte. Wir hatten letztlich mit dem Problem zu kämpfen, dass wir zu viele englische Wochen zu bewältigen hatten. Das ging für uns zu sehr an die Substanz.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Regionalliga-Absteiger im ersten Jahr in der Oberliga große Probleme hatten. Haben Sie Angst davor? 

Kleine: Wir sind darauf eingestellt, dass ein verdammt schweres Jahr auf uns zukommt. Daher bin ich sehr froh, dass Andreas Kersting wieder das Team-Management übernommen hat. Er hat bereits dafür gesorgt, dass wir einen guten Stamm halten konnten. Und ich gehe davon aus, dass wir dann mit den Neuverpflichtungen, die Andy für uns tätigen wird, im oberen Drittel wieder mitspielen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare