Rhynern setzt sich bei Angstgegner Herne durch

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Befreiter Jubel: Rhynerns Felix Bechtold feiert sein Kopfball-Tor gegen Westfalia Herne.

HERNE - Er war nicht hoch und auch nicht schön herausgespielt, doch es war ein Sieg. Und der war nicht selbstverständlich gewesen. Durch ein Tor von Felix Bechtold setzten sich die Oberliga-Fußballer des SV Westfalia Rhynern 1:0 (0:0) bei ihrem Angstgegner Westfalia Herne durch und kletterten damit auf den dritten Tabellenplatz.

„Eine schöne Momentaufnahme“, sagte Trainer Björn Mehnert nach einer zerfahrenen Partie. In Hernes Vereinsgaststätte „Tilkowski“ ging es nicht zum ersten Mal nach einem Spiel hoch her. Unzufriedene Herner Anhänger lieferten sich ein Wortgefecht mit Trainer Manuel Bölstler, der zuvor die eigenen Zuschauer für die Vorfälle direkt nach Spielschluss kritisiert hatte. Zwischen schimpfenden Fans und Ordnern war es zu kurzen Handgreiflichkeiten gekommen. Auch Stürmer Danny Radke musste von einigen Leuten, unter ihnen Rhynerns Sportlicher Leiter Andreas Kersting, zurückgehalten werden. Die Nerven liegen blank am Schloss Strünkede nach sechs Spielen ohne Sieg. „Hier hilft uns niemand außer uns selbst“, sagte Bölstler, der mit dem Team schweren Zeiten entgegengeht.

Kämpferisch hatte der ehemalige Zweitliga-Profi seinen Spielern keinen Vorwurf zu machen; sie fighteten 90 Minuten lang gegen die Krise an. „Wir wussten vorher, dass es hier eklig ist. Keiner fährt nach Herne und nimmt mal eben die Punkte mit“, sagte Rhynerns Torschütze Bechtold. In der Anfangsphase hatte es aber genau danach ausgesehen. Die Gäste attackierten früh und schnürten Herne regelrecht ein. Die Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Die beste Gelegenheit hatte Philipp Hanke, der nach einem Diagonalpass von Jan Apolinarski frei vorm Tor stand, den Ball jedoch nicht voll unter Kontrolle bekam (7.).

Erst gegen Mitte der ersten Halbzeit befreiten sich die Herner aus der Umklammerung der Gäste, doch die meisten ihrer Angriffsversuche zerschellten an der Abwehrwand der Gäste. Nur einmal wurde es brenzlig, als Radke frei zum Schuss kam. SV-Keeper Christoph Hunnewinkel, zuvor mit zwei kleinen Unsicherheiten, bekam allerdings rechtzeitig die Fäuste in die Höhe (34.). Kurz vor der Pause hätte Rhynern in Führung gehen können – erst scheiterte David Schmidt mit einem Schuss im Fallen (38.) und später Michael Wiese per Kopf (45.).

In der zweiten Halbzeit war kaum noch eine spielerische Linie zu erkennen. Stattdessen gab es viele Fehlpässe, viele Fouls und viel Gerede auf und neben dem tiefen Platz. „Wir haben uns phasenweise von der Hektik anstecken lassen“, sagte Mehnert, der aber zumindest einmal jubeln durfte. Kurz nachdem Bölstler auf ein offensiveres System mit zwei Spitzen umgestellt hatte, fiel Rhynerns Treffer nach einer Standardsituation: Hanke brachte eine Ecke flach herein, Torben Menne verlängerte sie hoch auf den Elfmeterpunkt, wo Bechtold stand und zum 0:1 einköpfte (67.). „Die Jungs sind weiter als im vergangenen Jahr. Wir haben die Qualität, jederzeit aus einem Standard ein Tor zu erzielen“, sagte Mehnert, der zwar weder mit dem Spiel in der zweiten Halbzeit, noch mit der Verwertung der Konterchancen (Hanke/70., Ersin Kusakci/81.) zufrieden war, aber mit dem Ergebnis – und mit seiner Mannschaft: „Ich weiß nicht, ob wir so eine Partie vor ein paar Monaten gewonnen hätten.“ - sst

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