Interview mit den Kapitänen Wurst und Khmiri

HSV und Westfalia vor dem Derby: "Auf dem Platz ist alles drin"

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Zu Besuch in der WA-Redaktion: Rhynerns Kapitän Dustin Wurst (links) und Faysel Khmiri, Mannschaftsführer der Hammer SpVg.

Hamm - Es hat schon fast ein wenig inflationären Charakter: Wenn die Hammer SpVg am Sonntag im Heimspiel der Fußball-Oberliga den SV Westfalia Rhynern erwartet, dann ist es bereits das vierte Ortsderby zwischen den beiden klassenhöchsten Mannschaften aus Hamm in diesem Jahr.

Warum sich die Akteure dennoch auf das Nachbarschaftsduell freuen und welche Erwartungen sie im Hinblick auf die Partie am Sonntag in der Evora Arena (17.30 Uhr) haben, verrieten die beiden Mannschaftskapitäne Faysel Khmiri (HSV) und Dustin Wurst (Rhynern) in einem Gespräch mit Patrick Droste und Simon Stock.

Es ist das vierte Derby in diesem Jahr. Spüren Sie da überhaupt noch Vorfreude oder ein Kribbeln? Ist das Hammer Ortsderby angesichts der vielen Aufeinandertreffen noch etwas Besonderes?

Faysel Khmiri

Faysel Khmiri: Bevor ich in Hamm gespielt habe, habe ich die Brisanz gar nicht so mitbekommen. Dann kam ich hierhin und habe gemerkt: Die Duelle zwischen Rhynern und der HSV sind sehr speziell. Auf dem Platz ist alles drin: Beleidigungen, Treten, Hass. Und nach dem Schlusspfiff ist es wieder gut. So sollten Derbys sein. Nach den Duellen gegeneinander habe ich von Dustin immer eine Mail mit Glückwünschen bekommen. Das rechne ich ihm hoch an. Die Derbys haben mir Spaß gemacht.

Dustin Wurst: Die Derbys sind immer besondere Spiele. Und jetzt ist es wieder Meisterschaft und nicht Pokal – das macht es noch brisanter. Jeder freut sich auf dieses Duell, es liegt ein ganz anderer Fokus auf diesem Aufeinandertreffen als bei einer normalen Oberliga-Partie. Ich finde es gut, dass wir ab und zu solche Spiele haben.

Die drei Derbys zuletzt hat die HSV gewonnen. Herr Khmiri, was hat Ihre Mannschaft in diesen Spielen richtig gemacht? Und was ist bei Ihrem Team zuletzt falsch gelaufen, Herr Wurst?

Khmiri: Man kann jetzt nicht sagen, dass wir Rhynern weggehauen hätten. Das waren knappe Spiele, in denen wir nicht klar dominiert haben. Aber wir hatten diese Momente, die wir für die Entscheidungen genutzt haben.

Wurst: Ich weiß nicht, ob wir was falsch gemacht haben. Es waren meist Kleinigkeiten, die diese Derbys entschieden haben. Oder einer hatte einen genialen Moment. Ich denke, meist hat der gewonnen, der den Sieg mehr wollte und das nötige Quäntchen Glück hatte.

Was finden Sie an Westfalia Rhynern alles andere als gut, Herr Khmiri? Und was stört Sie an der HSV, Herr Wurst?

Khmiri: Ich kann zu Rhynern ehrlich nicht viel Negatives sagen. Aber ich frage mich, ob das mit diesen Sticheleien von eurem Trainer gegen die HSV immer so sein muss. Ich gehe davon aus, dass er ein guter Trainer ist, aber mit so unnötigen Aussagen macht man sich manchmal einiges kaputt.

Wurst: Mich stören die roten Trikots. Nein, im Ernst. Ich finde es ein Stück weit komisch, dass bei der HSV übertrieben extrem die Professionalität rausgelassen wird. Mann, wir spielen Oberliga, das ist die fünfte Liga. Keiner macht das hauptberuflich. Wir bewegen uns im Bereich des Amateurfußballs. Und es geht nicht um eine Nummer, die man vielleicht gern mal sein möchte, derzeit aber noch nicht ist.

Gibt es auch etwas, was Sie am Kontrahenten gut finden?

Dustin Wurst

Wurst: Ja, da spielen Faysel und Jochen Höfler. Mit denen würde ich gerne mal zusammen kicken. Gut finde ich auch, dass die Mannschaft jetzt ein Konzept und einen Plan hat, seitdem Olli Gottwald da Trainer ist. Es hat nun alles Hand und Fuß bei der HSV. Vorher wurden immer vor der Saison gefühlt 17 Spieler aus 15 verschiedenen Vereinen geholt, jetzt sind da eine Idee und die nötige Struktur hinter. Und die Mannschaft hat Eckpfeiler. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur bei der HSV sicher besser ist als bei uns in Rhynern.

Khmiri: Gerade Vereinen wie Rhynern, die vielleicht einen etwas kleineren Etat haben, ist es hoch anzurechnen, wenn sie so weit oben mitspielen. In Rhynern wird gute Arbeit geleistet. (Zu Wurst:) Ihr werdet in dieser Saison wieder oben dabei sein, auch wenn ihr noch nicht so gut ins Rollen gekommen seid.

Liegt die Favoritenrolle in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit mal wieder bei der HSV?

Khmiri: Favoritenrolle? Ich kann das Wort mittlerweile nicht mehr hören. Beide Mannschaften wollen gewinnen. Wir haben zwar die letzten drei Spiele gegen Rhynern gewonnen, aber selbst wenn wir fünf Siege in Folge gefeiert hätten, würde uns das am Sonntag nicht weiterhelfen.

Wurst: Wir haben noch kein Erfolgserlebnis eingefahren, müssen auf Leute verzichten, die wir nicht ersetzen können und haben erst ein Tor aus dem Spiel heraus erzielt: Ich muss also das erste Mal sagen, seit ich in Rhynern bin: Die HSV ist der Favorit.

Abgerechnet wird am Ende einer Saison. Wer wird im nächsten Sommer die Nummer eins in Hamm sein?

Khmiri: Schwer zu sagen. Rhynern wird auf jeden Fall mit oben dabei sein. Wenn wir dahinter stehen, ist das nicht so schlimm. Hauptsache, wir stehen am Ende besser da als letzte Saison.

Wurst: Ich habe momentan keine Argumente, etwas rauszuhauen. Aber wenn wir hoffentlich bald in Fahrt kommen, sollte das eine enge Kiste werden. Ich denke, am Ende wird der Abstand zwischen den beiden Teams maximal zwei Plätze betragen.

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