Starke erste Halbzeit: Rhynern siegt gegen Sprockhövel

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Christoph Debowiak rauscht an zwei Sprockhövelern vorbei.

HAMM - Björn Mehnert hatte keine allzu gute Laune. Dem Trainer des SV Westfalia Rhynern machte eine Erkältung zu schaffen. Und die zweite Halbzeit seiner Mannschaft gegen die TSG Sprockhövel. „Die hat mir gar nicht gefallen“, schimpfte der Coach und drohte für das Training am Dienstag eine umfangreiche Aufarbeitung an – verbal wie sportlich.

Dabei hatte die Westfalia soeben mit 3:1 (3:0) gewonnen – und obendrein Tabellenplatz zwei in der Fußball-Oberliga erobert. Allerdings kam auch Mehnert nicht umhin, den Erfolg seines Teams von 240 Zuschauern am Papenloh als „verdient“ zu bezeichnen. Denn im ersten Durchgang hatten die Rhyneraner klar dominiert gegen einen 45 Minuten lang äußerst harmlosen und ängstlichen Gast.

Selbst die Tatsache, dass kurzfristig noch Kapitän Dustin Wurst wegen einer Wadenverletzung, über deren Schwere eine Untersuchung heute Aufschluss geben soll, die ohnehin nicht kurze Liste der Ausfälle verlängerte und Mehnert die Innenverteidigung somit abermals umbauen musste, störte die Gastgeber nicht sonderlich. Maximilian Wagener und Felix Bechtold bekamen im Abwehrzentrum eine Halbzeit lang nur wenig Arbeit, weil die Westfalia viel investierte, um sämtliche Bemühungen der Sprockhöveler im Keim zu ersticken. Dass die TSG kein geordnetes Aufbauspiel zustande brachte, lag aber nur zum Teil an der Rhyneraner Aggressivität. „Wir waren überhaupt nicht da. Ich weiß auch nicht, wo wir mit den Gedanken waren“, wetterte Sprockhövels Trainer Robert Wasilewski. „Die erste Halbzeit haben wir komplett verschlafen. Das hatte mit Fußball nichts zu tun.“

So deutlich der Pausen-Rückstand der TSG war, so gut waren die Gäste damit bedient. Schon vor dem 1:0 hatten Felix Krellmann (2.) und Michael Wiese, nach dessen Kopfball Philipp Rößler auf der Linie für seinen geschlagenen Torwart David von Hagen klärte (19.), jeweils nach Ecken von Philipp Hanke dicke Chancen. Aus Letzterer resultierte der nächste Standard durch Hanke, in dessen Folge der Ball bei Christoph Debowiak landete, der mit viel Übersicht zu Lennard Kleine passte. Nach dessen Hereingabe hatte Felix Bechtold keine Mühe, die Kugel über die Linie zu drücken (20.). Rhynern blieb am Drücker, ließ Sprockhövel kaum Luft zum Atmen – und profitierte von haarsträubenden Fehlern der Gäste. Die ließen einen Einwurf Michael Wieses im Strafraum durchrutschen zu Kleine, dessen haltbaren Schuss aus der Drehung aus acht Metern von Hagen zum 2:0 passieren ließ (33.). Wenig später war der TSG-Schlussmann bei einem Lupfer Hankes zwar auf dem Posten, wäre aber beim Nachschuss des 21-Jährigen gegen den Außenpfosten machtlos gewesen (36.). Das war er wenig später tatsächlich, als Krellmann mustergültig Kleine bediente, der keine Mühe hatte, den Ball ins Tor zu schieben (38.). „Wir haben als Kollektiv gut gearbeitet“, meinte Mehnert. „Aber schon da hat mir nicht alles gefallen. Wir waren phasenweise zu langsam, zu pomadig.“

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Aus der leisen Kritik wurde nach dem Wechsel offener Ärger. Denn die Westfalia entließ Sprockhövel aus dem Würgegriff. „Wir haben angefangen, überheblich zu spielen. Dafür gibt es gar keinen Grund“, meckerte Mehnert. Sprockhövel erhöhte die Schlagzahl, hatte in dem eingewechselten Hasan Ülker nun einen Aktivposten im Angriff. Zwar fehlten der TSG lange die Mittel, um Rhynern ernsthaft ins Wanken zu bringen. Aber allein die Tatsache, dass Sprockhövel überhaupt Morgenluft wittern durfte, stieß Mehnert sauer auf. „Wir wollten weiter nach vorne verteidigen, aber die taktische Order wurde nicht mehr umgesetzt“, schimpfte der Coach. „So bringst du einen völlig leblosen Gegner zurück ins Spiel.“ Das Gefühl, dass dieses noch kippen könnte, stellte sich aber nie wirklich ein. Nicht nach zwei ersten Torannäherungen der Gäste durch Tim Dudda und Aldin Hodzic (63., 68.). Und auch nicht nach Ülkers Treffer, der per Kopf nach einer Ecke erfolgreich war (76.). Erst in der Nachspielzeit kamen die Gäste bei zwei guten Gelegenheiten dem Anschlusstor nahe, zuvor hätten allerdings Ersin Kusakci (74., 78.) und Bechtold (75.) mit mehr Konsequenz beziehungsweise Glück für die endgültige Entscheidung sorgen können. Die Laune Mehnerts hätte aber wohl auch das nicht mehr verbessert... - fh

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