HSV verliert 0:4 gegen Erkenschwick

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Während Jovan Grozdanic nach dem 0:4 gegen Erkenschwick gefrustet auf dem Rasen saß, suchte Mesut Özkaya noch den Dialog mit den Schiedsrichtern.

HAMM - "„Oh, wie ist das schön“, hallte es fünf Minuten vor dem Abpfiff durch die Evora Arena. Freudetrunken feierten die mitgereisten Fans der Spvgg. Erkenschwick nach dem vierten Treffer in der 84. Minute zum 0:4 (0:0)-Endstand den Sieg ihrer Mannschaft im Auswärtsspiel der Fußball-Oberliga bei der Hammer SpVg.

Gleichzeitig verließen die verärgerten Anhänger der Platzherren mit hängenden Köpfen und im Eiltempo die Tribüne, wollten von der Partie nichts mehr sehen und nichts mehr hören. „In der zweiten Halbzeit sind wir komplett untergegangen“, fasste es wenig später der gefrustete HSV-Kapitän Jens Grembowietz passend zusammen.

Zur Halbzeit hätte allerdings noch niemand gedacht, dass diese Partie einen so deutlichen Ausgang nehmen würde. Denn nachdem die Erkenschwicker die ersten zehn Minuten bestimmt hatten und durch Stefan Oerterer zu zwei Möglichkeiten gekommen waren (8., 10.), übernahmen die Platzherren das Kommando, drängten auch ohne den verletzten Torjäger Jochen Höfler die Elf vom Stimberg in die Defensive, kreierten Chancen und ließen vor dem eigenen Tor nichts mehr anbrennen. Die logische Folge war nicht nur eine optische Überlegenheit der HSVer, sondern auch ein Chancenplus. So legte Seyit Ersoy, nachdem er von Jovan Grozdanic fein bedient worden war, den Ball geschickt in die Mitte. Doch seine Hereingabe von der Grundlinie fand keinen Abnehmer (18.). Auch Niklas Rieker hatte mit einem Kopfball nach einer Ecke kein Glück (34.), genauso wenig wie Sven Preissing, der die beste Einschussmöglichkeit vergab (38.). Der Neuzugang aus Wattenscheid hatte das Leder im Zweikampf mit Christoph Kasak erobert und war alleine auf Keeper Marcel Müller zugeeilt. Doch anstatt sich eine Ecke auszusuchen, versuchte er es mit einem Lupfer, den Müller mit einem Reflex noch zur Ecke ablenkte.

„Daher fällt es mir auch schwer, das Ergebnis zu erklären“, meinte Erkenschwicks Trainer Magnus Niemöller nach der Partie. „Wir hatten Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind und mit einem 0:0 in die Pause gekommen sind. Denn die Hammer waren dominanter, spielstärker und hatten uns taktisch mit ein, zwei Dingen überrascht.“ Mit der taktischen Überraschung meinte Niemöller vor allem den Schachzug von HSV-Coach Goran Barjaktarevic, den eigentlich als Sechser im defensiven Mittelfeld agierenden Damir Kurtovic bei Ballbesitz der Gäste als fünften Spieler in die Abwehrkette zurückzuziehen und als Manndecker auf den gefährlichen Stefan Oerterer anzusetzen. Diese Strategie ging in der Tat bis zur 65. Minute auf, als der 23-Jährige aufgrund seiner Sprunggelenksprobleme gegen Emre Demir ausgetauscht werden musste. „Wir wollten Stefan Oerterer aus dem Spiel nehmen. Leider war Damir angeschlagen. Er sollte so lange spielen, wie es ging. Und nach einer Stunde ging es nicht mehr“, sagte Barjaktarevic später.

Nur eine Minute nach der Auswechslung nahm das HSV-Unheil dann seinen Lauf, als Oerterer einen Freistoß vor das Hammer Tor brachte, Dennis Jungk falsch stand und Davide Basile am langen Pfosten zum 0:1 einköpfte (66.). Die Hammer versuchten anschließend, mit aller Macht auf den Ausgleich zu drängen, wurden aber bitterböse bestraft. Denn gegen die aufgerückte HSV-Abwehr traf Oerterer, der ohne seinen „Wachhund“ Kurtovic seine neu gewonnenen Freiheiten in allen Zügen genoss, noch dreimal (73., 74., 84.) und schraubte den Sieg der Gäste mit seinem Hattrick auf 0:4 hoch – ein Endergebnis, dass Barjaktarevic vor allem mit dem großen Verletzungspech und den beiden schweren Spielen gegen Neuenkirchen und Rhynern innerhalb weniger Tage entschuldigte. „Von 18 Feldspielern fehlen mir fünf. Wir müssen immer wieder wechseln. Ich habe noch nie mit dem angedachten Kader gespielt“, sagte der Coach, gestand aber auch ein: „Wir haben katastrophale Fehler im Spiel nach vorne gemacht. Dennoch haben wir zu hoch verloren, das war brutal.“

Zumindest erhielt er ein wenig Rückendeckung von seinem Gegenüber. „Wenn man eine neue Mannschaft aufbaut, braucht das Zeit und Ruhe. Es war sicher ein Prozess, der sinnvoll war. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, wann angesichts des Spielerpotenzials der Knoten richtig platzt“, sagte Niemöller. - –pad–

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