Demirs später Doppelschlag beschert HSV 3:2-Sieg

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Semih Yigit brachte die HSV per Elfmeter 1:0 in Führung.

HAMM - Es lief die 90. Minute – und es sah gar nicht gut aus. Die Hammer SpVg lag gegen den SuS Neuenkirchen mit 1:2 hinten und steuerte auf eine weitere Niederlage im eigenen Stadion zu. Doch dann kam Emre Demir. Der Youngster glich erst zum 2:2 aus und stürzte die HSV mit seinem Tor zum 3:2 in der Nachspielzeit in einen lange nicht mehr erlebten Freudentaumel. „Absoluter Wahnsinn“, sagte der 20-Jährige nach der Partie und schüttelte ungläubig seinen Kopf.

Von Simon Stock

Während die Hammer den nicht mehr für möglich gehaltenen zweiten Heimsieg in Folge feierten, herrschte bei den in Schwarz gekleideten Gästen Trauerstimmung. Einzeln gingen die Neuenkirchener in Richtung Kabine. Wer nicht schwieg, murmelte „Scheiße“. Oder schrie es. Neuenkirchens Trainer Tobias Wehmschulte tat nichts dergleichen, doch stand auch er noch unter dem Eindruck der dramatischen Schlussphase, als er in der Pressekonferenz sprach. „Das war äußerst ärgerlich, wenn man so einen Sieg verspielt. Das war kein Pech, das war Dummheit“, urteilte der SuS-Coach. HSV-Trainer Oliver Gottwald neben ihm war nicht weniger aufgekratzt, allerdings weitaus besserer Stimmung. „So ein Spiel muss ich nicht jeden Sonntag haben, aber ich freue mich wahnsinnig für die Jungs. Das gibt uns einen Schub für die nächsten Partien“, sagte er mit leicht angegriffener Stimme.

Dass der Nachmittag für die HSV so heiter enden würde – danach hatte es lange Zeit nicht ausgesehen. Und auch vor der Partie gegen die zuletzt dreimal in Folge auswärts siegreichen Neuenkirchener waren Hamms Erwartungen gedämpft gewesen. Gottwald musste nicht nur auf die verletzten oder gesperrten Jochen Höfler, Sven Preissing, Kevin Kisyna, Niklas Rieker und Dursun Akdag verzichten, sondern hatte auch kurzfristig die Absage des fiebernden Innenverteidigers Damir Kurtovic zu verkraften. Auf seiner Position kam Winterneuzugang Miguel Dotor-Ledo zu seinem Startelf-Debüt.

Viel Schönes gab es auf dem ramponierten Platz in der ersten Halbzeit nicht zu sehen. Stattdessen viele Ungenauigkeiten im Aufbau und dadurch häufig wechselnden Ballbesitz. Selten einmal gerieten die Abwehrreihen ins Wanken. Zwar zappelte der Ball nach einem Schuss Demirs aus dem Gewühl heraus (10.) im Netz, doch Schiedsrichter Marco Goldmann entschied auf Abseits. Auf der Gegenseite waren die Versuche von Lars Pöhlker (22.) und Maik Osterhaus (41.) viel zu schwach, um HSV-Torwart Manuel Lenz in Verlegenheit zu bringen.

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Fußball Oberliga Westfalen: Hammer SpVg - SuS Neuenkirchen 3:2

Als alles auf ein 0:0 zur Pause hinauslief, schlugen die Hammer überraschend zu. Der häufig zu eigensinnige Semih Yigit leitete den Ball einmal schnell weiter in den Lauf von Faysel Khmiri, den Maximilian Mümken im 16er nur per Foul stoppen konnte. Yigit verwandelte den Elfmeter sicher zum 1:0 (45.+2). Für Neuenkirchen war es das erste Auswärtsgegentor nach 392 Minuten. „Ich hatte mich darauf eingerichtet, dass wir die Führung halten würden“, sagte Demir. Von wegen. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff zischte ein flacher Freistoß durch den HSV-Strafraum und fand Pöhlker, der aus spitzem Winkel zum 1:1 traf (47.).

Es kam noch schlimmer für die HSV. Osterhaus traf nach einem Bilderbuch-Konter die Latte. Der zurückspringende Ball erreichte über Umwege Daniel Seidel, der nach einem Zweikampf mit Mesut Özkaya zu Boden ging. Elfmeter. „Ich block den Ball, er fällt über meinen Oberschenkel. Das macht er geschickt“, sagte der Hammer. Geschickt machte es auch Joeg Huesmann, der Lenz zum 1:2 verlud (70.). Die HSV stemmte sich gegen die drohende neunte Heimpleite, stellte von 4-2-3-1- auf 3-4-3-System um, blieb jedoch bis auf Weitschüsse des eingewechselten Danny Radke und Özkaya (beide 84.) ungefährlich und hatte Glück, dass der SuS die Konter schlecht ausspielte. Als alles verloren schien, begann der Demir-Wahnsinn. Erst drückte er den Ball nach Pass von Khmiri zum 2:2 über die Linie und trat keine 120 Sekunden später einen abgewehrten Khmiri-Schuss zum 3:2 ins Netz. Dos Santos Tavares hatte noch die Großchance zum 4:2. Er vergab sie. Doch das interessierte nach Abpfiff niemanden.

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