Fußball-Kreisliga A

Rhynern meldet U23 ab: Das sind die Gründe

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Abgemeldet: Andreas Kersting, Sportlicher Leiter bei Westfalia Rhynern, muss künftig ohne die zweite Mannschaft auskommen.

Paukenschlag in der Fußball-Kreisliga A (1): Der SV Westfalia Rhynern hat seine zweite Mannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen, stellt neben der Oberliga-Elf künftig nur noch die bisherige dritte Mannschaft in der Kreisliga B. Die A-Liga besteht damit 2019/20 nur aus 15 Teams. Das sind die Gründe.

Hamm – Im frisch erstellten Spielplan der Fußball-Kreisliga A (1) für die Saison 2019/2020 ist die zweite Mannschaft des SV Westfalia Rhynern noch aufgeführt. Doch die Meisterschaftsserie wird ohne die U23 des Oberligisten ausgetragen. Der Verein hat das Team vom Spielbetrieb abgemeldet, und die Liga mit 15 Mannschaften an den Start gehen. 

„Wir haben lange an einem Kader gebastelt, aber letztendlich waren die Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt“, sagt Andreas Kersting, der bei der Westfalia als Sportlicher Leiter für den Seniorenbereich zuständig ist. „Daher haben wir uns schweren Herzens zu dieser Entscheidung durchgerungen.“

Konzept mit U23-Mannschaft "nur noch schwer umzusetzen"

Der Grund, der zur Abmeldung der Mannschaft geführt hat: Das für den Spielbetrieb nötige Personal war nicht zu bekommen – zumindest nicht im Rahmen des vorgesehenen Etats. „Das Konzept, mit einer U23-Mannschaft, die quasi als Fortsetzung der Jugendabteilung gedacht ist, lässt sich in der heutigen Zeit nur noch schwer umsetzen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Arnd Beuning. „Die Zahl der aktiven Spieler sinkt allerorts, so dass gut ausgebildete Akteure, wie sie aus unserer Jugendabteilung Jahr für Jahr hervorgehen, für alle Vereine interessant sind.“

Eine Wertung der Rhyneraner Entscheidung wollte Friedhelm Witwer nicht vornehmen. Fakt ist aber: „Rhynern steht jetzt als erster Absteiger fest“, sagt der Staffelleiter, der bestätigt, dass bis zum 10. Juli noch die Möglichkeit bestanden habe, die Liga mit einer anderen Mannschaft aufzufüllen. „Da hätte man noch reagieren können. Jetzt sind die Ligeneinteilungen fix.“ 

Was ärgerlich für den TuS Niederaden ist, der das vorsorglich ausgetragene Entscheidungsspiel der beiden Drittletzten der Kreisliga-A-Staffeln (1) und (2) mit 2:1 gegen die SG Bockum-Hövel gewonnen hat, und damit ein Anrecht auf den frei gewordenen Platz gehabt hätte.

32 Mann im Kader der bisherigen "Dritten"

Dass die Verantwortlichen in Rhynern so lange mit der Abmeldung der zweiten Mannschaft, die in der vergangenen Saison aus der Bezirksliga abgestiegen ist, gezögert haben, belegt aber auch die Ernsthaftigkeit, mit der nach einer Lösung gesucht wurde. „Durch den Rückzug haben wir jetzt 32 Mann im Kader der dritten Mannschaft“, sagt Beuning. 

„Aber das reicht halt nicht um mit zwei Mannschaften die ganze Saison zu überstehen. Unsere Aufgabe wird es nun sein, im nächsten Jahr wieder drei Mannschaften zu melden. Denn uns ist es wichtig, den Spagat zwischen hobby- und leistungsorientiertem Fußballangebot weiter zu führen. Auch der Breitensport wird in Rhynern groß geschrieben. Gerade mit Blick auf den Neubau einer Sportkita auf dem Vereinsgelände ist dies Teil der gesamten Westfalia-Philosophie.“

Die Idee, junge Spieler in einer U23 im höherklassigen Bereich an das Niveau der Oberliga-Mannschaft heranzuführen, ist damit am Papenloh aber Geschichte. „Das Nachwuchskonzept, wie wir es vor Jahren ins Leben gerufen haben, gibt es nicht mehr“, bestätigt Kersting. „Aber es war uns ganz wichtig, dass wir weiterhin eine intakte zweite Mannschaft haben – halt nur nicht mehr in der Professionalität.“

Keine Geduld mehr, den Umweg über die U23 zu gehen

Den Vorwurf, sich nicht rechtzeitig um Spieler für die Reserve bemüht zu haben, wollten die Westfalia-Verantwortlichen nicht gelten lassen. Es habe Gespräche gegeben, sowohl mit den Akteuren des aus der Bezirksliga abgestiegenen Kaders, mit den in den Seniorenbereich wechselnden Spielern aus der in der Landesliga auflaufenden A-Jugend als auch mit externen. „Doch die Geduld, wie es beispielsweise Spieler wie Neumann, Kleine, Bulut, Eul, Müsse und jetzt Hartmann hatten, den Weg über zwei, drei Jahre in der U23 zu gehen, haben die Spieler in der Regel nicht mehr“, sagt Beuning. 

„Diese Entwicklung hatte sich bereits in den vergangenen zwei bis drei Spielzeiten in Rhynern abgezeichnet.“ Und die Lust bei ambitionierten Nachwuchsspielern, in der Kreisliga zu zocken, hält sich in Grenzen. „Wir hatten jetzt einige A-Jugend-Jahrgänge, aus denen die meisten Spieler nicht direkt aus Rhynern stammten“, sagt Kersting. „Da geht der Weg um so schneller zurück in die Heimat.“

Die talentierten Jugendlichen will der Verein dennoch weiter fördern. „Wir versuchen, den einen oder anderen in die erste Mannschaft einzubinden, Spiele zu organisieren – damit wir die Jungs an die Oberliga heranführen können.“ verspricht Kersting. „Dann sehen wir im Winter, wie sich das eingespielt hat.

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