Biografie vorgestellt

Fußball-Legende Horst Hrubesch begeistert Zuhörer in Hamm

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Viele Freunde aus alten Zeiten hatte Horst Hrubesch im WA-Verlagsgebäude zu begrüßen.

Hamm - Diese Begegnung hatte der Mann schon vor dem Anpfiff gewonnen – ganz wie es sich für ein Heimspiel gehört. Hände schütteln, alte Weggefährten drücken, ein kurzer Plausch mit den Jugendfreunden. Horst Hrubesch genoss die Reise in die eigene Vergangenheit, als er am Dienstag in Hamm Station machte, um sein Buch "Horst Hrubesch – Die Biografie“ vorzustellen.

Gemeinsam mit Buchautor Andreas Schier war der Europameister von 1980, der in Hamm geboren und aufgewachsen ist, der Einladung des Westfälischen Anzeigers gefolgt und erzählte den 170 im WA-Verlagsgebäude erschienenen Gästen Geschichten und Anekdoten aus seinem bewegten Fußballer- und Trainerleben. Zwei Stunden lang tauchten die Zuhörer dank der offenen und unterhaltsamen Art des „Kopfballungeheuers“ von einst ab in die Welt eines Mannes, der in seinem Sport viel erlebt hat – und fast alles gewonnen. Drei Mal Deutscher Meister mit dem Hamburger SV, Europameister, Vizeweltmeister – und ganz nebenbei Trainer der U21-Nationalmannschaft, die 2009 ebenfalls den EM-Titel nach Deutschland holte und aus der zahlreiche Spieler hervorgingen, die sechs Jahre später Weltmeister in Rio werden sollten.

Kann so ein Mann normal bleiben, geerdet, ohne Allüren? Er kann. Hrubesch ist einer, der mit dem Kopf auf dem Platz und dem Herzen im Leben steht. In salopper Freizeitkleidung erschienen beantwortete er die Fragen, die ihm WA-Sportchef Peter Schwennecker und Sportredakteur Jens Greinke in lockerer Runde im Laufe der zweistündigen Veranstaltung stellten. Dabei hätte es einer Moderation an diesem besonderen Heimat-Abend gar nicht bedurft. „Vielleicht mache ich die Begrüßung einfach selbst“, sagte der „Lange“ mit einem verschmitzten Lächeln in die vertraute Runde. „Weil ich euch ja sowieso alle kenne. Hier sind einfach so viele Leute, die meinen Weg mitgegangen sind – die haben mir alle geholfen.“

Horst Hrubesch - Die Biografie, Buchvorstellung im WA

Dass er sich nach so vielen Jahren doch noch dem Wunsch eines Autors gebeugt habe, ihn zum Thema einer Biografie zu machen, war vor allem das Verdienst der Hartnäckigkeit von Andreas Schier. Als der Hrubesch endlich so weit hatte, „habe ich ihm gesagt, er kann es machen. Aber unter der Bedingung, dass er es so schreiben muss, wie er es sieht, sonst ist es nicht interessant für mich“, sagte Hrubesch. „Und ich habe nicht ein Wort davon gestrichen oder verändert.“

Der Autor rundete die Veranstaltung ab, indem er sporadisch Ausschnitte aus einzelnen Kapiteln der Biografie vortrug. Wie die Szene einer Ehe etwa, als Hrubesch 1975 nach der Hochzeit seiner Frau Angelika angeboten habe, das Putzen seiner Fußballschuhe zu übernehmen. Bis dahin hatte das seine Schwester gemacht – für 50 Pfennig. Angelika lehnte dankend ab. „Dabei habe ich ihr das Doppelte geboten“, schüttelte Hrubesch lächelnd den Kopf und lässt weitere Geschichten folgen.

Die etwa von seiner Begegnung mit dem Papst, der ihm vor dem EM-Gruppenspiel 1980 gegen Griechenland zwei Finger vor die Nase hielt. „Der meint, dass du im nächsten Spiel zwei Tore machst, hat mein Kumpel Gerd gesagt“, grinste Hrubesch. „Aber das Spiel ging 0:0 aus und ich hab zu meinem Freund gesagt, ‘Gerd, der Alte hat gelogen‘. Nach dem Endspiel habe ich dann jemanden von der Tribüne herunter stürmen sehen. Das war Gerd, der mir zugerufen hat. Mensch, der Alte hat gemeint, im Finale.“ Deutschland hatte mit 2:1 gegen Belgien gewonnen – Doppeltorschütze Horst Hrubesch.

Oder die Story, wie sich seine Spieler aus der U21-Nationalmannschaft nach einer Niederlage gewundert haben, dass er ihnen trotzdem allen Geschenke gemacht hatte – und als sie diese ausgepackt hatten, fanden sie jeweils eine Windel. „Weil ihr Euch im Spiel in die Hosen geschissen habt“, raunzte „Hotte“. Dass die „Jungs“ sich regelmäßig revanchieren ist allerdings auch klar: „Beim Playstation-Spiel bekomme ich immer Mannschaften wie Gibraltar. Da kannst du einfach nicht gewinnen.“

Natürlich ließ das WA-Moderatorenteam auch die Zuhörer zu Wort kommen. Nicht jeder von ihnen hatte dabei wirklich eine Frage – aber alle hatten etwas zu erzählen.

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