Im WA-Interview

Nach 0:15-Klatsche: HSV-Akteur wünscht sich Verstärkungen

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Für Yannick Ebbert (Mitte) von der HSV II war das ungleiche Duell mit Lohauserholz der endgültige Tiefschlag einer katastrophalen Saison.

Es war ein Ergebnis, das am Sonntag für großes Staunen gesorgt hatte, als der TuS Germania Lohauserholz und die Hammer SpVg II das Feld verließen.

Mit 15:0 hatte der TuS Germania Lohauserholz bei der Hammer SpVg II, dem Tabellenschlusslicht der Fußball-Bezirksliga, gewonnen. Patrick Droste und Sven Schneider sprachen nach der Partie mit Daniel Riemer (Lohauserholz) und Yannick Ebbert (HSV II), wie sie diese ungewöhnliche Partie erlebt haben.

Herr Riemer, Sie hatten mit dem TuS Germania in der Vorwoche mit 1:8 gegen den SV Drensteinfurt verloren, jetzt haben Sie mit 15:0 gewonnen. Der Kontrast kann kaum größer sein, oder? 

Riemer: Das stimmt. Wir waren in der Woche zwischen den beiden Spielen im Training alle sehr angespannt. Das war Neuland für uns, dass wir in der Bezirksliga so hoch verloren haben. Und wir sind nun mal eine Mannschaft, gegen die ein anderes Team schon mal schnell seine ersten Punkte holen kann. So haben wir im vergangenen Jahr zum Beispiel gegen den Liga-Letzten aus Rhynern zurückgelegen, ehe die Partie wegen eines Sturms abgebrochen werden musste. Wir standen also schon unter Druck. 

Aber davon war am Sonntag im Spiel gegen die HSV-Reserve wenig zu spüren. 

Riemer: Wir haben schnell zwei Tore gemacht. Und nach dem dritten und vierten Treffer hat man gemerkt, dass die nicht mehr wollten. Und ohne arrogant zu wirken, aber da haben ja nur ganz wenige Spieler Bezirksliga-Niveau. Und wenn sich der Trainer schon selbst aufstellen muss, sagt das ja auch schon einiges. Ich bin jetzt gespant, ob wir die 15 Tore bis zum Ende der Saison behalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das bis zum Ende durchziehen. 

Herr Ebbert, Sie warten mit der HSV II weiterhin auf den ersten Punkt. Am Sonntag setzte es die nächste Klatsche. Macht das Fußballspielen momentan noch Spaß? 

Ebbert: Derzeit ist es eine sehr, sehr schwierige Situation. Bei so Spielen wie gegen Lohauserholz natürlich eher weniger. Für mich persönlich war es wohl die höchste Niederlage meiner Karriere. Nach der Partie hatte in der Kabine keiner etwas gesagt, es herrschte Totenstille. Ich stand in der Innenverteidigung, wenn dann bei jedem Angriff der Gegner in Überzahl auf dich zukommt, bist du dann irgendwann einfach machtlos. 

Bei Daniel Riemer (rechts beim 9:0) weckte das Aufeinandertreffen Erinnerungen an das WM-Halbfinale 2014.

15 Gegentreffer lassen darauf schließen, dass die Mannschaft in sich zusammengebrochen war. Woran lag das? 

Ebbert: Wir sind eine junge, bunt zusammengewürfelte Mannschaft mit einer sehr geringen Trainingsbeteiligung. Viele fallen momentan verletzungsbedingt aus, andere fehlen regelmäßig aufgrund des Studiums oder der Arbeit. Somit ist es gar nicht möglich, überhaupt einen Teamgedanken zu erzeugen. Ich wohne in Dortmund und fahre dreimal wöchentlich zum Training nach Hamm. Wenn ich die Kabine betrete, und dann sitzen da nur sieben Leute, dann ist das schon äußerst demotivierend. Wir können deshalb nur individuell trainieren, an teamtaktischen Übungen ist gar nicht zu denken. 

Herr Riemer, hat Ihnen dieses Spiel Spaß gemacht? Denn 15 Tore schießt man ja auch nicht jedes Wochenende. 

Riemer: Uns war wichtig, dass wir nach dem 1:8 gegen Drensteinfurt eine Reaktion zeigen. Und mit dem 15:0 haben wir bewiesen, dass wir pöhlen können. Letztlich haben wir die Partie ab der 60. Minute dazu genutzt, um mal ein bisschen durchzuwechseln. Aber ich habe mich schon zwischendurch gefragt, was ist denn hier los. Wir haben uns zur Pause, als wir mit 7:0 geführt haben, gesagt, dass wir das vernünftig durchziehen wollen, auch wenn der Gegner keinen Bock mehr hat. Ich habe mich da ein bisschen an das Halbfinale der Weltmeisterschaft von 2014 erinnert gefühlt, als Deutschland zur Halbzeit gegen Brasilien mit 5:0 geführt hat. Da hat Deutschland das auch seriös gemacht nach der Pause. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Der Spaßfaktor hielt sich so in Grenzen. Es gibt schönere Begegnungen als so etwas. Ich habe lieber einen Gegner, der gut mitspielt und wo wir dann 2:0 oder 3:0 gewinnen. 

Herr Ebbert, haben Sie noch Hoffnung, dass sich die Einstellung Ihrer Mitspieler grundlegend ändert? 

Ebbert: Bei den zahlreichen bereits geführten Einzel- und Teamgesprächen war das komischerweise der Fall. Da hatten alle diese Probleme angesprochen. An der Verhaltensweise Vieler hat sich seitdem allerdings nicht viel geändert. Grundsätzlich gilt für mich: Wenn man die Hoffnung verliert, dann ist man im Sport falsch. 

In der vergangenen Saison hatte sich die HSV-Reserve zurückgezogen. Könnte das erneut passieren? 

Ebbert: Man hat sich im Vorstand dazu positioniert, dass ein Rückzug keine Option sei. Ich würde es mir nicht wünschen. Klar ist jedoch, dass wir im Winter qualitativ und in der Breite Verstärkungen gebrauchen könnten. Es ist nach wie vor ein U21-Projekt, dennoch würden uns drei bis vier Akteure mit mehr Erfahrung im Seniorenbereich weiterhelfen. Das müssen keine Spieler sein, die an die 30er-Marke grenzen. Aber gestandene Leute würden uns sicherlich gut tun.

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